″Neun Faktoren″ brachten Boeing 737 Max in Indonesien zum Absturz | Aktuell Welt | DW | 25.10.2019
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Luftfahrt

"Neun Faktoren" brachten Boeing 737 Max in Indonesien zum Absturz

Vor rund einem Jahr starben beim Absturz eines indonesischen Billigfliegers 189 Menschen. Jetzt liegt der Abschlussbericht vor: Grund für das Unglück war eine ganze Serie von Fehlern - von der Technik bis zur Crew.

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Chefermittler: Neun Faktoren begünstigten Absturz

Der Absturz einer indonesischen Passagiermaschine vom Typ Boeing 737 Max vor rund einem Jahr ist auf eine ganze Verkettung von Fehlern zurückzuführen. Dies geht aus dem offiziellen Abschlussbericht hervor, der in Jakarta vorgestellt wurde. Die Ermittler sparen darin nicht mit Kritik an dem amerikanischen Flugzeugbauer, der nach einem weiteren Unglück mit einer 737 Max schwer in der Krise steckt. Die Experten schlagen zudem der Fluggesellschaft, dem Flugzeugbauer Boeing und der US-Luftfahrtbehörde FAA mehrere Maßnahmen zur Verhinderung solcher Unglücke vor.

Bei dem Absturz kurz nach dem Start in Indonesiens Hauptstadt Jakarta am 29. Oktober 2018 kamen alle 189 Insassen ums Leben. Die Maschine, die dem indonesischen Billigflieger Lion Air gehörte, stürzte aus großer Höhe ins Meer. Die Piloten hatten immer wieder versucht, das Flugzeug nach oben zu ziehen - ohne Erfolg. Chefermittler Nurcahyo Utomo sprach von "neun Faktoren" für den Absturz, die alle miteinander verbunden gewesen seien. "Wenn einer von ihnen nicht geschehen wäre, hätte es möglicherweise keinen Absturz gegeben."

Falsche Daten vom Sensor 

Im Zentrum der Kritik steht das Steuerungsprogramm Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS), das von Boeing eigens für die 737 Max entwickelt wurde. Es sorgt dafür, dass die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten gedrückt wird, wenn ein Strömungsabriss droht. Die Piloten können das System mittels zweier Schalter im Cockpit wieder abstellen. Dies geschah aber nicht.

Indonesien Abschlussbericht Absturz Boeing 737 MAX (Getty Images/AFP/B. Ismoyo)

Laut dem Bericht hatten Sensoren falsche Daten geliefert - mit fatalen Folgen

Offenbar lieferte ein außen angebrachter Sensor falsche Daten. Er wurde dem Bericht zufolge noch in den USA falsch eingestellt. Später, in Indonesien, soll er aber vom Technikpersonal des Billigfliegers auch nicht mehr richtig getestet worden sein.

Fehler im Cockpit

Der Bericht wurde von der indonesischen Luftsicherheitsbehörde KNKT in fast zwölfmonatiger Arbeit erstellt. Demzufolge kannten sich die Piloten der Unglücksmaschine mit dem System nicht richtig aus. Weder im Cockpit-Handbuch noch im Training sei erwähnt worden, dass sich das MCAS abstellen lasse. Dadurch hätten die Piloten falsch reagiert. Die Behörde kritisiert aber auch mangelnde Kommunikation zwischen den Piloten und den Fluglotsen am Boden.

Zum Unglück beigetragen hätten zudem Defizite der Crew bei Notfall-Abläufen. So habe der Co-Pilot nicht schnell genug eine Checkliste im Handbuch gefunden oder gewusst, was er in der Notfallsituation tun müsse. Er habe schon bei Trainings schlecht abgeschnitten, hieß es weiter in dem Bericht. Laut den Sicherheitsregeln von Boeing müssten die Piloten innerhalb von drei Sekunden auf eine Systemstörung reagieren. Die Besatzung des Unglückfluges brauchte acht Sekunden.

USA Boeing 737 MAX Krise (Getty Images/D. Ryder)

Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max in Washington: Bis die Fehler behoben sind, bleiben die Maschinen am Boden

Lion Air wollte sich zu dem Bericht zunächst nicht äußern. Boeing erklärte, das für die Abstürze verantwortliche System sei grundlegend überarbeitet worden, ebenso wie das Handbuch und das Training der Piloten. Bereits am Mittwoch hatten die Ermittler die Angehörigen der Opfer über ihre Ergebnisse informiert. Mehrere Monate nach dem Unglück in Indonesien - am 10. März - stürzte ein baugleicher Boeing-Jet in Äthiopien ab. Dabei kamen 157 Menschen ums Leben.

sth/jj (dpa,rtr) 

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