Neuer Oberbefehlshaber der NATO in Afghanistan | Aktuell Asien | DW | 02.03.2016
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Aktuell Asien

Neuer Oberbefehlshaber der NATO in Afghanistan

Im Kampf gegen Taliban und IS bekommen die NATO-Truppen einen neuen Chef. US-General John Nicholson ist neuer Oberbefehlshaber und führt die momentan 12.000 Soldaten in einem schwierigen Einsatz.

Auch fast 15 Jahre nach dem Beginn der internationalen Intervention in Afghanistan kommt das Land am Hindukusch nicht zur Ruhe. Die Taliban sind so aktiv wie lange nicht mehr und auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) breitet sich aus. Mitten in dieser schwierigen Phase gibt es einen Führungswechsel bei den westlichen Streitkräften: US-General John Nicholson löste John Campbell als Oberbefehlshaber der NATO-Mission Resolute Support und der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan ab.

Afghanistan neuer Nato-Oberbefehlshaber General John Nicholson

Bei der Übergabezeremonie hat Nicholson sein Amt angetreten

Bei einer Übergabezeremonie in Kabul rief Nicholson die radikalislamischen Taliban auf, den Kampf zu beenden: "Ich kenne euch. Ich habe gegen euch gekämpft. Ihr habt dem afghanischen Volk nur Not und Leiden gebracht. Es ist Zeit, dass das ein Ende hat und dass ihr die Waffen niederlegt." Zudem zollte er den Afghanen großen Respekt. "Alle, die in den afghanischen und den Koalitions-Streitkräften so tapfer gekämpft haben, sind für mich Helden. Aber die wahren Helden sind jene afghanischen Anführer hier in der Hauptstadt, die den harten Job haben, eine Regierung zu schaffen und zu führen - und jene Afghanen in den Dörfern und Städten, deren Leben sich seit 2001 sicherlich verbessert hat, die aber auch die Ungewissheit und die Verluste dieses Konflikts ertragen müssen."

Afghanistan-Kenner

Nicholson kennt sich in dem Krisenland sehr gut aus. Zwischen 2006 und 2012 war er drei Mal in Afghanistan stationiert. Er kommandierte Truppen im Süden und im Osten - wo heute die Terrormiliz IS Fuß fassen will und nach Schätzungen 1000 bis 3000 Kämpfer hat. Später wurde Nicholson stellvertretender Stabschef für die Operationen der US-Soldaten sowie der damaligen NATO-Mission ISAF im Hauptquartier in Kabul. Außerdem war er 14 Monate lang Direktor der Koordinierungs-Abteilung für Pakistan und Afghanistan im Pentagon. Zuletzt diente er als Kommandeur der NATO-Landstreitkräfte mit Hauptquartier in der Türkei.

Eigentlich hatten die westlichen Alliierten gehofft, den Afghanistan-Konflikt der dortigen Regierung zu überlassen. Allerdings flammt er immer stärker auf. Die Taliban kontrollierten so viel Territorium wie seit 2001 nicht mehr, hieß es jüngst in einem US-Bericht. Dutzende Bezirke sind umkämpft. 2015 starben allein mehr als 7000 Polizisten und Soldaten - Tausende Zivilisten wurden getötet oder verwundet.

Unklarheit über künftige NATO-Mission

Derzeit kommandiert Nicholson rund 12.000 in Afghanistan stationierte NATO-Soldaten. Weil ihr Kampfmandat Ende 2014 zu Ende gegangen war, konzentrieren sie sich vor allem auf das Training der afghanischen Streitkräfte. Wie viele Truppen Nicholson in Zukunft zur Verfügung haben wird, ist unklar. Die USA wollten zum Ende des Jahres ihre knapp 10.000 Soldaten auf 5500 reduzieren. Aber erst am Montag hatte der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, Joseph Dunford, laut Polit-Blog "The Hill" in einem Pentagon-Briefing gesagt, dass das Verteidigungsministerium die zukünftige Truppenstärke in Afghanistan überdenke. Die Afghanen bräuchten mehr Hilfe als erwartet. Das könnte auch Auswirkungen auf die Truppenentscheidungen Deutschlands und anderer Länder haben. Der Bundestag hatte erst im Dezember die Aufstockung der Bundeswehrtruppe am Hindukusch von 850 auf bis zu 980 Soldaten beschlossen.

Afghanistan Anschlag auf Indisches Konsulat in Dschalalabad

Ziel des Anschlags war das indische Konsulat in Dschalalabad

Anschlag im Osten des Landes

Wie unsicher die Lage in Afghanistan ist, zeigt ein neuerlicher Anschlag. Bei einem Angriff auf das indische Konsulat in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad wurden nach zweistündigen Gefechten alle sechs Angreifer getötet. Das sagte der Sprecher der Polizei, Hasrat Hussain Maschrikiwal. Zwei Zivilisten wurden getötet und 19 Menschen verletzt. Wer die Täter waren, blieb zunächst unklar. Weder die Taliban noch der IS bekannten sich zu der Tat.

wo/ (dpa, rtr)