Neuer mutmaßlicher Giftgaseinsatz in Aleppo | Aktuell Nahost | DW | 25.11.2018
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Syrien

Neuer mutmaßlicher Giftgaseinsatz in Aleppo

Mehr als 100 Menschen in der syrischen Stadt wurden verletzt, knapp die Hälfte von ihnen muss ins Krankenhaus. Russland und das Assad-Regime beschuldigen die Rebellen. Diese weisen die Vorwürfe als "Lügen" zurück.

Syrien Mutmaßlicher Gas-Angriff in Aleppo (picture-alliance/AP Photo/SANA)

Dieses Foto zeigt laut syrischer Nachrichtenagentur SANA ein Opfer des mutmaßlichen Giftgasangriffs

An mindestens drei Orten in der nordsyrischen Stadt Aleppo detonierten am Samstagabend Raketen. Insgesamt 107 Menschen litten daraufhin unter teils schweren Atemproblemen, hieß es in syrischen Staatsmedien. 46 von ihnen, darunter acht Kinder, wurden nach russischen Angaben in Krankenhäusern behandelt. Die oppositionsnahe, in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 94 Menschen, die in Krankenhäuser eingeliefert worden seien. Zwei Drittel von ihnen hätten die Kliniken inzwischen wieder verlassen.

Russland beschuldigt die Rebellen und fliegt Angriffe

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die beim Angriff benutzten Granaten hätten Chlorgas enthalten. Moskau macht die gegnerischen Rebellen dafür verantwortlich. Der Angriff sei aus der entmilitarisierten Pufferzone der Nachbarprovinz Idlib erfolgt. Die Türkei kontrolliert in der 15 bis 20 Kilometer breiten Zone die Einhaltung der Waffenruhe, deshalb will Moskau mit Ankara über den Vorfall reden. Aus russischer Perspektive handelt es sich um einen Angriff von "Terroristen". Die syrische staatliche Nachrichtenagentur Sana verbreitete Fotos und Videos, die zeigen sollen, wie zahlreiche Menschen mit Atemproblemen in Krankenhäusern behandelt werden.

Syrische Rebellen in der Umgebung wiesen die Anschuldigungen als "erfunden" zurück. Es handele sich um "Lügen, die dazu dienen sollen, die Verbrechen des Regimes gegen die syrische Bevölkerung zu überdecken", sagte ein Sprecher der Nationalen Befreiungsfront, zu der sich mehrere Rebellengruppen zusammengeschlossen haben.

Russische Kampfflugzeuge flogen im Tagesverlauf Luftangriffe auf Rebellengebiete westlich von Aleppo, wie das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte. Nach Angaben der Beobachtungsstelle handelte es sich um die ersten Angriffe in der Pufferzone in Idlib seit September, als Russland und die Türkei die Einrichtung der entmilitarisierten Zone vereinbart hatten. Berichte über Opfer lagen demnach zunächst nicht vor.

Assads Giftgas-Historie

In der Vergangenheit hatten umgekehrt meist die Rebellen das syrische Regime beschuldigt, chemische Kampfstoffe gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen. Nach Erkenntnissen der UN-Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) hat das Assad-Regime mindestens zweimal Chlorgas und einmal Sarin verwendet. Als weiteren Täter beschuldigten die OPCW die Terrorgruppe IS, die in Syrien mindestens zweimal Senfgas eingesetzt haben soll.

 

Die Attacke auf Aleppo war der schwerste Zwischenfall in der Großstadt seit Dezember 2016, als die Truppen der Regierung sie nach monatelanger Belagerung und heftigen Kämpfen zurückeroberten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf dem Regime vor, damals systematisch Chlorgas eingesetzt zu haben. UN-Beobachter sprachen von Kriegsverbrechen auf allen Seiten. Zuletzt hatte sich die Lage in der Millionenmetropole deutlich beruhigt, viele ehemalige Bewohner waren bereits zurückgekehrt.

ehl/sti (dpa, rtr, ap, afp)

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Türkei: Die Kinder von Aleppo

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