Neue Methode zur Korallenvermehrung am Great Barrier Reef | Aktuell Welt | DW | 26.11.2017
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Weltnaturerbe Great Barrier Reef

Neue Methode zur Korallenvermehrung am Great Barrier Reef

Forschern ist es gelungen, in einem kranken Abschnitt des australischen Great Barrier Reefs neue Korallen anzusiedeln. Die gänzlich andere Vorgehensweise könnte wegweisend für kranke Ökosysteme weltweit sein.

Vor der Insel Heron Island im südlichen Teil des Great Barrier Reefs haben australische Forscher große Mengen an Korallenlaich gesammelt. Dieser wurde dann ausgebrütet. Die geschlüpften Larven brachten die Wissenschaftler in beschädigte Gebiete des 2300 Kilometer langen Korallenriffs vor der Nordostküste Australiens. Acht Monate später fand das Forscherteam dort junge Korallen vor, die den Umzug überlebt und im Schutz von Netzwänden gewachsen waren.

Methode könnte weltweit funktionieren

Das erfolgreiche Projekt ließe sich nicht nur für das Great Barrier Reef anwenden, sondern habe möglicherweise globale Bedeutung, erläuterte Teamleiter Peter Harrison von der australischen Southern Cross Universität bei der Vorstellung des Konzepts. "Es zeigt, dass wir beginnen können, beschädigte Korallenpopulationen wiederaufzubauen und zu reparieren." Laut Harrison handelt es sich bei der Transplantation von Korallenlarven um eine gänzlich neue Methode der Korallenvermehrung. Beim herkömmlichen "Anbau von Korallen" würden etwa Ableger gesunder Korallen abgetrennt und an anderer Stelle ins Riff gesteckt, in der Hoffnung, dass sie wieder wachsen.

Die für das Riff zuständige Umweltbehörde in Australien sprach von einem ermutigendem Schritt. Nun müsse das Ganze wissenschaftlich noch breiter aufgestellt werden, damit es dem gesamten Riff zugute komme.

Korallen Great Barrier Reef (picture-alliance/dpa)

Durch den Klimawandel und die Verschmutzung der Ozeane sterben immer mehr Korallen ab

Mehr als die Hälfte der Korallen sind bereits abgestorben 

Gute Nachrichten werden auch dringend gebraucht, denn von 1985 bis 2012 hat das Riff bereits die Hälfte seiner Korallen verloren. Das Great Barrier Reef, von der UNESCO 1981 zum Weltnaturerbe erklärt, ist das weltgrößte Korallenriff. 400 von weltweit 700 Korallenarten sind dort beheimatet. 500 Fischarten sowie 4000 verschiedene Weichtiere leben dort, darunter gefährdete Tiere wie der Dugong (Seeschwein) oder die Große Grüne Meeresschildkröte. 

Der Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Ozeane bedrohen das Ökosystem immens. Doch auch die Wasserverschmutzung durch Schifffahrt und Landwirtschaft in der Nähe der Küste spielen eine Rolle bei der Zerstörung der Korallen.

Bislang befürchteten Wissenschaftler, dass im Jahr 2100 vom Great Barrier Reef nicht mehr viel übrig sein wird. Diese Einschätzung könnte nun überholt sein.

se/rb (afp, gbrmpa.gov.au)