Neue Hängepartie im Mittelmeer? | Aktuell Europa | DW | 05.07.2019
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Migration

Neue Hängepartie im Mittelmeer?

Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" hat 65 auf dem Mittelmeer gerettete Migranten an Bord. Das Schiff steuerte trotz eines Verbots das italienische Lampedusa an. Deutschland kündigte an, Migranten aufzunehmen.

Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff Alan Kurdi (picture-alliance/AP/Sea-eye.org/F. Heinz)

Es ist nicht der erste Einsatz der "Alan Kurdi" - hier ein Archivbild vom April 2019

Die "Alan Kurdi" befand sich am Samstagvormittag nach Angaben von "Sea-Eye" etwa eine Seemeile vor den italienischen Hoheitsgewässern und rund 13 Seemeilen vor der italienischen Insel Lampedusa. Die Besatzung werde aber vorerst nicht in italienische Hoheitsgewässer einfahren. Das sagte "Sea-Eye"-Einsatzleiter Gorden Isler der Deutschen Presse-Agentur.

Der italienische Zoll habe der Besatzung am Morgen ein Dekret des italienischen Innenministers Matteo Salvini ausgehändigt, mit dem die Einfahrt in die Hoheitsgewässer des Landes untersagt wurde. "Wir beachten erstmal dieses Verbot", versicherte Isler. Ohne triftigen Grund werde "Sea-Eye" nicht gegen das Dekret verstoßen. Eine per Mail an die Behörden in Rom und Valletta, der Hauptstadt Maltas, geschickte Bitte um Zuweisung eines sicheren Hafens für die "Alan Kurdi" sei bis zum Vormittag ohne Antwort geblieben

Salvini macht Druck

Zuvor hatte Deutschland der EU-Kommission angeboten, Migranten der "Alan Kurdi" und eines weiteren Rettungsschiffs im Mittelmeer aufzunehmen. "Auch im Fall der 'Alan Kurdi' und der 'Alex' sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer. Dies habe er bereits am Freitagvormittag der Europäischen Kommission mitgeteilt und um Koordinierung gebeten. Die "Alex" ist ein Schiff der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans. Sie hat aktuell 54 Migranten an Bord.

Nach dem Drama um die "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete droht neuer Streit zwischen Deutschland und Italien. Dessen rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini hatte zuvor betont, die "Alan Kurdi" könne nicht nach Italien fahren - auch nicht im Fall einer späteren Verteilung der Migranten auf andere europäische Staaten.

Österreich Innsbruck Horst Seehofer und Matteo Salvini (Getty Images/A. Gebert)

Italiens Innenminister Salvini (rechts) macht Druck: Der deutsche Innenminister Seehofer (links) reagiert

"Die italienische Insel [Lampedusa] ist der am nächsten gelegene europäische Hafen. Dort könnten die Geretteten schließlich an einen sicheren Ort gebracht werden, denn so verlangt es das internationale Recht", heißt es in einer Erklärung der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch".

Die meisten der Geretteten sind Jugendliche

Wie "Sea-Eye" mitteilte, gaben 39 der 65 Migranten an, noch minderjährig zu sein. Der Jüngste von ihnen sei erst zwölf Jahre alt. Insgesamt 48 der Geflüchteten stammten aus Somalia in Ostafrika, zwei seien Libyer. Einer der Somalier habe erzählt, dass er schon vor drei Jahren aus seiner Heimat aufgebrochen sei, drei Monate für die Durchquerung der Wüste benötigt habe und einen Freund verloren habe, der an der libyschen Grenze erschossen worden sei.

Die "Alan Kurdi" befand sich Schiffspositionsdiensten im Internet zufolge am Samstagmorgen etwa 50 Kilometer südlich von Lampedusa. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 13 Kilometern pro Stunde würde die Fahrt bis zur Insel nur noch rund vier Stunden dauern.

pgr/ml/haz/wa (dpa, afp)

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