Neue Gewalt in Rustenburg | Aktuell Wirtschaft | DW | 05.10.2012
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Aktuell Wirtschaft

Neue Gewalt in Rustenburg

Bei Auseinandersetzungen zwischen streikenden Arbeitern und der Polizei in der südafrikanischen Bergbauregion wurde ein Kumpel getötet. Die Unternehmen verschärfen die Lage noch mit Massenentlassungen.

Die Polizei habe bei Zusammenstößen mit streikenden Arbeitern in der nordwestlichen Stadt Rustenburg auf eine Menschenmenge geschossen und dabei einen Mann getötet, berichteten Aktivisten. Demnach feuerten Polizisten am Donnerstagabend vor einem Bergwerk des Unternehmens Anglo American Platinum auf eine Menge streikender Arbeiter. Der getötete Bergmann sei nach dem Vorfall nicht geborgen worden. Die Polizei erklärte, die Beamten hätten Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt.

Anglo America Platinum - der größte Platinhersteller der Welt - reagierte inzwischen mit drastischen Maßnahmen. Nach einem Bericht des südafrikanischen Nachrichtensenders E-News entließ der Konzern 12.000 streikende Minenarbeiter. Nach drei Wochen wilder Arbeitskämpfe habe Anglo America Platinum Verluste in Höhe von 700 Millionen Rand (umgerechnet etwa 64 Millionen Euro) zu beklagen, erklärte das Unternehmen dem Sender zufolge.

Etwa 100.000 Kumpel im Streik

Südafrikas Präsident Jacob Zuma rief zum Ende jeglicher Gewalt auf. "Wir sollten nicht den Eindruck erwecken, eine Nation zu sein, in der ständig gekämpft wird", sagte er bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern. Erst vor wenigen Tagen hatte die US-Ratingagentur Moody's Südafrikas Kreditwürdigkeit herabgestuft.

Südafrikas Staatschef Jacob Zuma (Foto: AFP/Getty Images

Ruft zur Beendigung der Gewalt auf: Südafrikas Staatschef Jacob Zuma

Die Region von Rustenburg wird seit Wochen von Gewalt an Minen erschüttert. Im Platinbergwerk Marikana wurden Mitte August 34 streikende Bergleute von Polizisten erschossen. Dies war der tödlichste Polizeieinsatz seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994. Bereits einige Tage zuvor hatte es bei Protesten an der Mine zehn Tote gegeben, darunter auch Polizisten. Erst vor wenigen Tagen wurden wieder fünf Menschen im Zusammenhang mit Streiks von Minenarbeitern getötet.

Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur APP streiken in ganz Südafrika derzeit etwa 100.000 Bergarbeiter. Betroffen sind neben Platin- inzwischen auch Gold- und andere Minen. Die Arbeitskämpfe weiteten sich aus, nachdem die Kumpel des Bergwerks Marikana eine Lohnerhöhung von mehr als 20 Prozent erhalten hatten.

Minister Rösler besucht Südafrika

Derzeit besucht Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler Südafrika. Anlass ist das 60-jährige Bestehen der deutsch-südafrikanischen Industrie- und Handelskammer. Dabei kritisierte der FDP-Politiker, dass die wirtschaftliche Bedeutung Afrikas von Deutschland noch immer unterschätzt werde. Bisher seien die wirtschaftspolitischen Anstrengungen von Ländern wie Frankreich oder Belgien in Afrika größer gewesen als die Deutschlands.

Mit Südafrika strebe Berlin eine "langfristige Rohstoffpartnerschaft" an, wie es sie bereits mit der Mongolei und Kasachstan gebe, so Rösler weiter. Er betonte die grundsätzlich guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Seit 1994 hätten deutsche Firmen 4,2 Milliarden Euro in Südafrika investiert; hinzu kämen die Investitionen in Milliardenhöhe aus den Erlösen von lange in Südafrika ansässigen Firmen wie BMW, Daimler und VW. Das Volumen des Handels zwischen beiden Ländern beträgt etwa 15 Milliarden Euro. Kritisch merkte der Minister an, dass vor allem die Korruption in Südafrika den deutschen Firmen im Land zu schaffen mache. Zudem täten sich trotz des seit vielen Jahren erfolgreichen Engagements deutscher Unternehmen vor allem mittelständische Firmen mit den vielen bürokratischen Vorgaben schwer.

sti/SC (afp, rtr)