1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
KonflikteIran

Neue Eskalation am Golf - Iran erklärt Meerenge für gesperrt

11. Juni 2026

Der Konflikt zwischen den USA und Iran eskaliert erneut: Raketen, Drohnen und Explosionen erschüttern die Region. Die Straße von Hormus rückt erneut in den Fokus.

https://p.dw.com/p/5FAzn
Arabisches Meer 2026 | Kampfjets auf der Startbahn der "USS Abraham Lincoln" bei Operation "Epic Fury" (13.05.2026)
Die USA koordiniert die Angriffe auf den Iran von seinen Kriegsschiffen aus - hier der Flugzeugträger USS Abraham LincolnBild: U.S. Navy/ZUMA/picture alliance

Der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist in der Nacht zum Donnerstag erneut eskaliert. Nach US-Luftschlägen in der Region griffen die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben zuletzt US-Flugzeuge auf dem Stützpunkt Al-Asrak in Jordanien mit zwölf ballistischen Raketen an. Dies meldet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.

Zuvor hatte das US-Militär nach Angaben des Zentralkommandos (CENTCOM) Überwachungsanlagen und Luftverteidigungssysteme des Irans attackiert. Dies seien Einsätze zur Selbstverteidigung und ‌eine Reaktion auf iranische Bedrohungen ⁠für ⁠US-Truppen und Handelsschiffe.

Iran meldet Angriffe 

Iranische Staatsmedien meldeten Explosionen im Bereich mehrerer Hafenstädte entlang der Südküste. Demnach wurden zwei Menschen verletzt. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna und dem Rundfunk wurden Explosionen nahe den Städten Minab und Sirik beobachtet. Weitere Detonationen gab es Berichten zufolge auch auf der Insel Gheschm und in der Hafenstadt Bandar Abbas.

Iran Karadsch 2026 | Handybild einer Rauchwolke am Horizont in der Dämmerung (11.06.2026)
Rauchwolken steigen über Karadsch auf, nachdem die Stadt von den USA beschossen wurdeBild: REUTERS

In der Nacht soll es außerdem nahe der iranischen Hauptstadt Teheran mehrere Angriffe gegeben haben. Der staatliche iranische Rundfunk meldet Explosionen in der Pendlermetropole Karadsch, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karadsch seien Kampfdrohnen gesichtet worden. Details dazu liegen nicht vor.

Die Eskalation zog in der Nacht unmittelbar weitere Kreise. In Kuwait fing die Armee nach eigenen Angaben feindliche Geschosse aus dem Iran ab. Die Zivilluftfahrtbehörde des Landes sperrte daraufhin ​den Luftraum und leitete Flüge um. Die Sperrung wurde am Morgen wieder aufgehoben.

Auch der Flughafen in Kuwait nahm am Morgen den Betrieb wieder auf. Im benachbarten Bahrain heulten nach Angaben des Innenministeriums die Warnsirenen.

In den beiden Golfstaaten befinden sich wichtige US-Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt sind. Sie wurden in der Nacht aus dem Iran beschossen.

Gegensätzliche Darstellungen zur Straße von Hormus

Während der jüngsten Welle gegenseitiger ​Angriffe hatten die USA und der Iran völlig gegensätzliche Darstellungen zur derzeitigen militärischen und politischen Lage abgegeben.

Staatliche ​iranische Medien ‌meldeten, die strategisch wichtige Straße von Hormus sei gesperrt und US-Schiffe seien attackiert worden. Das oberste iranische Militärkommando teilte zudem mit, dass die Anordnung auch Öltanker und Handelsschiffe umfasse und erklärte, dass jedes Schiff, das eine Durchfahrt versuche, beschossen würde. Iranischen Medien zufolge sollen bereits ‌zwei Schiffe getroffen worden sein, die das Verbot missachtet und eine Durchfahrt durch die Meerenge versucht hätten.

Oman Musandam 2026 | Drohnenaufnahme von Schiffen in der Straße von Hormus (08.06.2026)
Schiffe vor Anker in der Straße von Hormus (am Montag) - unklar bleibt, ob die Meerenge nun komplett gesperrt istBild: REUTERS

Dies dementierte ‌das ​US-Militär umgehend. Es seien keine US-Kriegsschiffe getroffen worden und Handelsschiffe passierten die Meerenge weiterhin, teilte das US-Zentralkommando (CENTCOM) mit. "Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormus ein und heraus," so CENTCOM.  Irans Staatsmedien nannten diese Behauptung falsch.

Nach Ende der Angriffe droht Trump erneut

Das US-Militär stellte seine erneuten Angriffe gegen den Iran später wieder ein, wie CENTCOM am frühen Morgen mitteilte. Es seien militärische Aufklärungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsstellungen im ganzen Land attackiert worden, die eine Bedrohung für die US-Streitkräfte und internationale Handelsschiffe dargestellt hätten. Das US-Militär bleibe wachsam und kampfbereit, hieß es weiter.

Allerdings drohte US-Präsident Donald Trump einem Fernsehbericht zufolge Teheran in martialischen Worten mit weiteren heftigen Bombardierungen.

USA Washington 2026 | Donald Trump bei der Weltpremiere des Films "Melania"
US-Präsident Donald Trump droht Iran weiter (Archivbild)Bild: mpi34/MediaPunch/IMAGO

Auch auf politischer Ebene blieben die Aussagen widersprüchlich: Trump erklärte zunächst, er stehe in direktem Kontakt mit der Führung in Teheran und wolle die Angriffe bald stoppen, weil der Iran ihn darum gebeten ​habe. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter wies dies als falsche Behauptung und Vorwand des US-Präsidenten zurück, um einen Krieg zu vermeiden.

Nach US-Beschuss: drei indische Seeleute tot

Bereits am Mittwoch hatte das US-Militär im Golf von Oman einen Öltanker beschossen, der iranisches Öl transportiert und Anweisungen ignoriert haben soll. Nach dem Vorfall wurden nach indischen Angaben 21 Seeleute von Bord gerettet.  Indiens Schifffahrtsminister bestätigte inzwischen, dass die drei vermissten indischen Besatzungsmitglieder tot geborgen worden seien.

Das US-Zentralkommando teilte zuvor mit, man habe den Maschinenraum der unter der Flagge von Palau ‌fahrenden "Settebello" beschossen. ⁠Dessen ⁠Besatzung habe zuvor wiederholt Anweisungen der US-Streitkräfte missachtet. Das Schiff habe die laufende Blockade verletzt, indem es versucht habe, Öl aus dem Iran zu transportieren. 

Brüchige Waffenruhe gescheitert

Damit ist die ohnehin brüchige Waffenruhe in der Region, die Anfang April in dem seit vier Monaten andauernden Konflikt vereinbart worden war, erneut gescheitert. ⁠Dem ​US-Militär zufolge galten die erneuten Angriffe in der Nacht der Selbstverteidigung.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte die ​Strategie der Regierung in Washington zuvor so erklärt: "Wenn wir mit Bomben verhandeln müssen, werden wir mit Bomben verhandeln." US-Präsident Trump hatte die Lage zuvor verbal angeheizt ​und erklärt, er habe im ‌Mai das US-Militär angewiesen, Öltanker in einem geheimen Einsatz bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu unterstützen.

Weiter diplomatische Bemühungen?

Trotz der ⁠militärischen Auseinandersetzungen gibt es jedoch weiterhin diplomatische ​Bemühungen. Noch am Mittwoch erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, der Iran müsse seine Gespräche mit den USA nach den letzten Angriffen neu bewerten. Mit ihren fortgesetzten Verstößen gegen die Waffenruhe schadeten die USA dem diplomatischen Prozess, erklärte Baghaei laut Nachrichtenagentur SNN weiter.

Iran Teheran 2026 | Pressekonferenz von Esmaeil Baghaei (04.05.2026)
Der Iran - hier Außenamtssprecher Esamaeil Baghaei - gibt sich weiter gesprächsbereit (Archivbild)Bild: Fatemeh Bahrami/Anadolu Agency/IMAGO

Seit dem 8. April gilt in dem Krieg eigentlich offiziell eine Waffenruhe. Diplomatische Bemühungen zur dauerhaften Beilegung der Kämpfe führten bisher zu keiner Einigung.

as/AR (rtr, dpa, afp, ap)