Nawalny-Mitarbeiter: ″Uns imponiert, was der Westen tut″ | Europa | DW | 25.09.2020
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Russland

Nawalny-Mitarbeiter: "Uns imponiert, was der Westen tut"

Die russischen Behörden setzen Alexej Nawalny erneut zu, berichtet der Chef seines Antikorruptionsfonds der DW. Nach dem Giftanschlag und der Behandlung in der Uniklinik Charité erholt der Kreml-Kritiker sich in Berlin.

DW Interview Zhanna Nemtsova mit Ivan Zhdanov, Anti-Korruptions-Stiftung (DW)

Iwan Schdanow, Chef von Nawalnys Fonds zur Bekämpfung von Korruption, in einem früheren DW-Gespräch 2019

Deutsche Welle: Herr Schdanow, wie geht es Alexej Nawalny gesundheitlich? Was erzählt er Ihnen?

Iwan Schdanow: Wir unterhalten uns über seine Frau Julia. Mit ihm selbst kann ich noch nicht sprechen, weil er noch nicht ganz bei Kräften ist. Es ist noch zu früh zu sagen, wie lange er in Berlin bleiben muss, aber er wird ganz sicher eine Reha in Deutschland machen.

Wie sicher ist es, dass Alexej Nawalny nach Russland zurückkehren wird, wenn er wieder gesund ist?

Alle, die Alexej kennen, wissen absolut sicher, dass er niemals das Leben im Ausland in Betracht gezogen hat. Ich bin mir sicher, er hat seine Pläne nicht geändert. Darum können wir davon ausgehen, dass er nach Russland zurückkehrt.

Die russischen Behörden haben Nawalnys Bankkonten eingefroren und seine Eigentumswohnung beschlagnahmt. Das Ganze soll in Verbindung mit einem Gerichtsprozess stehen, in dem der Unternehmer Jewgeni Prigoschin eine Rolle spielt, dem eine Nähe zum Kreml nachgesagt wird. Aber dieser Fall ist zwei Jahre alt. Warum geht die russische Justiz ausgerechnet jetzt gegen Nawalny vor?

Ich würde das nicht nur mit Jewgeni Prigoschin in Zusammenhang bringen. Das Ganze ist ein Teil des ständigen Drucks, der auf unseren Antikorruptionsfond FBK und seine Mitarbeiter ausgeübt wird. Immer wieder werden die Konten eingefroren, unter dem Vorwand, es gebe einen illegalen Geldverkehr. Das ist ziemlich kleinlich, zumal dieses Mal nicht einmal die ganze 78 Quadratmeter große Wohnung Nawalnys im Moskauer Schlafviertel Marjino beschlagnahmt wurde, sondern nur ein Drittel davon. 

Video ansehen 01:27

Alexej Nawalny aus Krankenhaus entlassen

Es kursieren viele verschiedene Versionen von Nawalnys Vergiftung. Warum? Wem nutzt diese Vielzahl?

Das ist zweifelsohne die Taktik des Kremls. Nach dem Motto: Wir haben kein Nowitschok hergestellt (das Nervengift, mit dem Nawalny vergiftet wurde, Anm. d. Red.). Wenn es überhaupt eine Vergiftung war, dann hat er sich selbst vergiftet, und dann nicht mit Nowitschok, sondern mit etwas anderem, was Probleme mit dem Stoffwechsel verursacht hat. Das Ganze kommt von den Kreml-Denkern und dient einem Zweck: die einzig vernünftige und offensichtliche Version einer Vergiftung mit Nowitschok zurückzuweisen. Es gibt keinen Zweifel an den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und drei unabhängigen Chemie-Labors (aus Deutschland, Frankreich und Schweden, Anm. d. Red.), die die Spuren der Vergiftung nachgewiesen haben.

Video ansehen 02:57

Oft vergiftet: Russische Oppositionelle

Laut einer Version sollen sogar Leute aus Nawalnys engem Kreis in das Attentat verwickelt sein.

Das ist absolut unglaublich. Alle Mitarbeiter, die ihn gut kennen, haben ganz sicher nichts mit der Produktion von Nowitschok oder anderen chemischen Waffen zu tun. Und ganz sicher kann man diesen Giftstoff nicht unter alltäglichen Bedingungen herstellen. Diese Version ist ziemlich absurd.

Als Folge der Vergiftung von Nawalny sind Sanktionen des Westens gegen Russland im Gespräch. Auf dem Spiel könnte das deutsch-russische Gaspipelineprojekt Nord Stream 2 stehen. Sind Sie mit der Reaktion des Westens zufrieden?

Zweifelsohne imponiert uns alles, was der Westen gerade tut. Ich meine den neuen Tonfall gegenüber Moskau und natürlich die Tatsache, dass Angela Merkel im Grunde Nawalny das Leben gerettet hat, indem sie seinen Transfer nach Deutschland durchgesetzt hat. Wir können diesen Schritt nur bewundern und danke sagen!

Iwan Schdanow ist Direktor des vom russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny gegründeten Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK).

Das Gespräch führte Juri Rescheto.

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