NATO-Ware auf Peshawars Schmuggelmärkten | Asien | DW | 10.09.2013
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Asien

NATO-Ware auf Peshawars Schmuggelmärkten

Die Drei-Millionen-Stadt Peshawar im Nordwesten Pakistans ist geographisch und ethnisch eng mit Afghanistan verflochten. Das fördert den Schmuggel. Derzeit wird vor allem mit NATO-Gütern gehandelt.

Der Kharkhano-Markt im pakistanischen Peshawar ist landauf, landab für seine Schmuggelware westlicher und fernöstlicher Provenienz berühmt. Hier bleiben keine Wünsche offen, von Präzisionsgewehren aus US-Produktion bis hin zu Laptops chinesischer Marken ist alles im Angebot. Der Markt befindet sich am Rande Peshawars, direkt angrenzend an den Verwaltungsbezirk Khyber Agency. In diesem Bezirk an der Grenze zu Afghanistan haben Stämme und Clans das Sagen; der pakistanische Staat hat dort faktisch nur begrenzte Zuständigkeit.

Aus den Stammesgebieten im Nordwesten finden die illegalen Waren ihren Weg auch auf die Märkte Peshawars. Zur Zeit sind in großer Menge Ausrüstungsgegenstände der NATO-Truppen darunter, die sich auf ihren Abzug vom Hindukusch vorbreiten. Was die Soldaten nicht mehr benötigen, landet - auf welchen Wegen auch immer - oftmals als Schmuggelware auf den Märkten von Peshawar und Khyber Agency. Zum Teil stammt die Ware auch aus Überfällen Aufständischer auf Lastwagen, die Waffen und Ausrüstung der NATO transportieren. Das Beutegut wird danach oft an örtliche Händler verkauft.

Reger Handel unter den Augen der Behörden

Autos und Marktstand in Peshawar (Foto: Faridullah Khan/DW)

Regierung machtlos gegen den Schmuggel

Zum militärischen Angebot auf den Märkten gehören Pistolen und Sturmgewehre, Nachtsichtgeräte, Messer, Uniformen, Schlafsäcke, Laptops, Kameras und Medikamente. Stark nachgefragt, aber nicht ganz so leicht zu bekommen, sind Präzisionsgewehre. Dafür ist eine Bestellung einschließlich einer Anzahlung nötig. Käufer sind vor allem Mitglieder der Stammesmilizen. Der Preis für solche High-Tech-Waffen hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht und kann bis zu 8.000 Euro betragen. Zwar werden Waffen nicht offen wie Gemüse angeboten, aber ein entschlossener Käufer wird das Gewünschte ohne größere Schwierigkeiten finden.

"Auf diesen Märkten werden keine illegalen Waren angeboten", sagt dagegen ein Polizeibeamter an einem Kontrollposten nahe Peshawar gegenüber der Deutschen Welle. Auf diesen Märkten gebe es Sachen aus chinesischer Produktion, wie überall im Lande. "Sie werden keine einzige Waffe auf den Märkten von Peshawar finden", so der Polizist. Allerdings würden illegale Waffen ganz offen in den Stammesbezirken in der Nachbarschaft gehandelt. "Dort haben wir keine Zuständigkeit", sagt der Polizist. "Aber ich kann versichern, dass keine illegalen Waffen nach Peshawar geschmuggelt werden."

Zia-ul Haq Sarhadi, Direktor des "Pak-Afghan Business Forum", nimmt solche Aussagen nicht ernst: "Die pakistanischen Behörden kontrollieren den Grenzverkehr der LKWs nicht, die zwischen Afghanistan und Pakistan hin- und herfahren." Während der vergangenen zehn Jahre hätten sich die Behörden "unfähig gezeigt, die Schmuggelaktivitäten an der Grenze in den Griff zu bekommen", sagt der Experte aus der Geschäftswelt.

US-Waren besonders beliebt

NATO- und US- Waren in Peshawar (Foto: Faridullah Khan/DW)

Auf dem Markt ist das Label USA kein Hassobjekt - im Gegenteil

Die in Pakistan stark nachfragten Produkte aus den USA sind auf den Schmuggelmärkten Peshawars oftmals preiswerter als in regulären Geschäften. Ein Paar Stiefel aus US-Produktion beispielsweise ist schon für 3.000 Rupien (20-25 Euro) zu haben, in den Geschäften der Innenstadt muss man dafür mindesten 20.000 Rupien hinlegen.

Die Markthändler behaupten, sie würden keine gestohlenen Waren anbieten. Sie seien billiger, weil kein Einfuhrzoll darauf erhoben worden sei. Nach Recherchen der Deutschen Welle stammen aber viele dieser Waren aus LKW-Ladungen, die von kriminellen Banden oder Extremisten geplündert wurden. Dass LKW-Fahrer ihre Ladung stehlen und für geringen Peis verkaufen, ist auch keine Seltenheit.

Der Händler Inayat Khan aus Peshawar vertraute der Deutschen Welle an, dass viele der angeblichen US-Produkte gar nicht von dort stammten. "Viele Sachen sind aus China. Die Markthändler heften einfach ein Made-in-USA-Label dran und erzielen so einen höheren Preis."

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