NATO probt Einsatz im großen Stil | Globale Zusammenarbeit | DW | 02.11.2013
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Globale Zusammenarbeit

NATO probt Einsatz im großen Stil

Nach dem Ende des ISAF-Einsatzes will die NATO mehr Manöver durchführen. Die Übung, die Anfang November begonnen hat, ist die größte seit sieben Jahren und findet am östlichen Rand des Bündnisgebietes statt.

Zwölf Jahre haben sie in Afghanistan zusammengearbeitet: Deutsche und Italiener, Polen und Amerikaner, Türken und Letten. Nach mehr als einem Jahrzehnt sind die Soldaten der NATO ISAF-Truppen ein eingespieltes Team. Für insgesamt 130.000 Männer und Frauen aller 28 Mitgliedsstaaten gehörten die gemeinsame Arbeit und Kommunikation zum Alltag.

Doch damit ist für die große Mehrheit Schluss, wenn die NATO Ende 2014 ihren Einsatz in Afghanistan beendet. Um die Zusammenarbeit nicht einrosten zu lassen, wird die NATO in den kommenden Jahren mehr Übungen abhalten. "Vom Einsatz in die Alarmbereitschaft", so nennt NATO-Oberbefehlshaber Philip Breedlove die Strategie.

"Steadfast Jazz": Truppenübung mit 6000 Soldaten

Die größte Truppenübung dieser Art seit sieben Jahren führt die NATO vom 2. bis 9. November in Polen, Lettland und in der Ostsee durch. An dem Manöver "Steadfast Jazz" nehmen alle 28 NATO-Mitgliedsstaaten und die Partnerländer Schweden, Finnland und die Ukraine teil. 6000 Soldaten, 350 Fahrzeuge, 60 Flugzeuge und Helikopter, 12 Schiffe und ein U-Boot werden sich für die Übung einfinden.

Ein NATO-Offizieller sagte im Gespräch mit der DW, dass sowohl der humanitäre, als auch der Kampfeinsatz und die Verteidigung des NATO Territoriums geprobt werden sollen. Neben den Übungen vor Ort wird eine Cyberattacke simuliert werden, die von Führungskräften "am Schreibtisch" abgewehrt werden soll.

Die amerikanischen Militärschiffe Carl Vinson (r.) USS Bunker Hill (l.) in der Bucht von Manila (Foto: AFP/Getty Images)

Großaufgebot für "Steadfast Jazz"

Bei dem Manöver "Steadfast Jazz" wird hauptsächlich die NATO Response Force (NRF) üben. So nennt sich die Eingreiftruppe der NATO, die innerhalb kürzester Zeit für einen Einsatz bereit ist, und überall hingeschickt werden kann, um zu helfen - so wie beispielsweise nach Hurricane Katrina in den USA oder nach dem großen Erdbeben in Pakistan 2005.

Verbundenheit durch mehr Übungen

Bei Übungen wie "Steadfast Jazz" könne man mit der NRF in kleinem Rahmen ausprobieren, was gut laufe, erklärt NATO-Experte Karl-Heinz Kamp im DW-Interview. Die Eingreiftruppe diene der NATO quasi als Versuchslabor für die Veränderungen, die nach dem ISAF-Einsatz auf das Bündnis zukommen.

"Der NATO Kampfeinsatz in Afghanistan hatte aus bündnispolitischer Sicht den Vorteil, dass alle 28 Staaten permanent miteinander arbeiteten", sagt Kamp, der am 4. November akademischer Direktor der Bundessicherheitsakademie in Berlin wird. Zuvor war er sechs Jahre lang Forschungsdirektor am NATO Defense College in Rom. "In Afghanistan hat die NATO bestimmte Fähigkeiten gewonnen, die andere Institutionen so nicht haben: Gleiche Sprache, gleiche Kommandoregelung, gleiche Verfahren. Das ist eben so, als wenn alle das gleiche Computerprogramm benutzen und nicht 28 unterschiedliche."

Anders Fogh Rasmussen (Foto: Reuters)

Rasmussen will garantieren, dass die NATO-Truppen weiterhin gut zusammenarbeiten

Die gemeinsamen Strukturen wird es in dieser Form nach 2014 nicht mehr geben. Deswegen rief NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen 2012 die "Connected Forces Initiative" ins Leben. Die Initiative soll dafür sorgen, dass die Streitkräfte der NATO-Länder weiterhin verbunden (engl.: connected) bleiben - durch eine gemeinsame Ausbildung so wie durch mehr Übungen, wie die DW von NATO-Seite erfuhr.

Russland ist nicht der Feind

Dass "Steadfast Jazz" in Polen und Lettland, weit im Osten des NATO-Gebietes, stattfindet, sei aber keinesfalls ein Zeichen an Russland, betont Oberbefehlshaber Breedlove. Es gehe um die "Einübung von kämpferischen Fähigkeiten, wie sie in jeder Armee üblich sind". Während des Kalten Krieges galten die Sowjetunion und ihr Militärbund "Warschauer Pakt" als Hauptfeind der NATO.

Ekkehard Brose (Foto: privat)

Brose: Die Übung geht nicht gegen Russland

"Wenn man übt ist immer sehr schnell die Frage gestellt: Für welchen Fall eigentlich? Wer soll denn angreifen?", sagt Ekkehard Brose, Gastwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik und bis vor kurzem stellvertretender deutscher NATO-Botschafter in Brüssel. "Wenn man in Europa übt, dann heißt es im nächsten Satz immer gleich: Ist das gegen Russland gerichtet?" Die Antwort darauf sei ein klares Nein, was schon daraus hervorginge, dass Russland einer der engsten Partner der NATO ist.

Ein Zeichen setzen

Im September hielten die russische und die weißrussische Armee ihr eigenes Truppenmanöver ab. Die Militärübung "Sapad" fand unter anderem an der Grenze zu Polen und den baltischen Staaten statt. NATO-Offizielle waren dazu als Beobachter eingeladen. Und die NATO hat russische Offiziere zu "Steadfast Jazz" eingeladen, sagt Breedlove. Alles soll ganz transparent ablaufen.

Zuletzt war es zu Spannungen gekommen, weil Russland im Frühjahr angab, in Weißrußland, an der Grenze zu Polen und Litauen, einen Luftstützpunkt zu planen. NATO-Experte Kamp sieht "Steadfast Jazz" eher als Beruhigung für Polen und das Baltikum. "Die NATO muss den Ländern, die sich militärisch bedroht fühlen, signalisieren, dass sie sie schützt", sagt Kamp. "Die Übung ist wesentlich mehr nach innen als nach außen gerichtet für die NATO. Sie ist ein Zeichen der Rückversicherung."

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