Museumsinsel: Erneuter Angriff auf die Kultur | Aktuell Deutschland | DW | 24.10.2020
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Vandalismus

Museumsinsel: Erneuter Angriff auf die Kultur

Auf der Berliner Museumsinsel ist es erneut zu Vandalismus gekommen. Beschmiert wurde eine tonnenschwere Granitschale, auch "Biedermeierweltwunder" genannt.

Granitschale mit verschiedenen farbigen Schriftzügen beschmiert (Foto: Stefan Müchler/picture-alliance/dpa).

Mit knapp sieben Metern Durchmesser passte die Granitschale nicht ins Alte Museum. Seit 1831 steht sie nun davor

Was treibt diese Menschen um? Auf der Berliner Museumsinsel ist jetzt die große Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum mit Graffiti verschandelt worden. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, ist geschockt: "Die markante und weltberühmte Granitschale vor dem Alten Museum ist auf fürchterliche Weise beschmiert worden." Die Schale sei im Eigentum Berlins, werde aber von der Stiftung konservatorisch betreut, erklärte er.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Unbekannte in drei Museen am 3. Oktober mehr als 60 Objekte mit einer Flüssigkeit beschädigt hatten. Betroffen waren das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie.

Hermann Parzinger in tiefblauem Sakko und Krawatte spricht in ein Mikrofon und gestikuliert dabei mit der linken Hand (Foto: Christoph Soeder/picture-alliance/dpa).

Kunstschätze im freien Raum noch möglich? Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

"Es ist jetzt nicht mehr zu leugnen: Die Kultur wird angegriffen", so Parzingers düsteres Fazit. "Wir brauchen jetzt nicht nur verstärkten Schutz für unsere Schätze - wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir unsere kulturellen Werte verteidigen", stellte er fest.

Ähnliche Attacken in Nordrhein-Westfalen

Zuletzt war auch aus Nordrhein-Westfalen bekannt geworden, dass es einen ähnlichen Fall im Kreismuseum Wewelsburg gegeben hat. Im Juli hatte dort ein Unbekannter etwa 50 Objekte mit einer ölhaltigen Flüssigkeit beschädigt, darunter historische Grenzsteine, Kaminsimse und die Reproduktion eines Gemäldezyklus. In dem burgähnliches Renaissanceschloss in Büren sind das Historische Museum des Hochstifts Paderborn und eine NS-Gedenkstätte untergebracht. Die beschädigten Exponate sind mittlerweile restauriert.

Video ansehen 01:45

Anschlag auf Kunstwerke der Berliner Museumsinsel (21.10.2020)

Vor diesem Hintergrund sieht Kulturmanager Parzinger die Museen in Deutschland mit einem neuen Bedrohungsszenario konfrontiert. "Man muss sich eben auch überlegen, kann man Großobjekte wirklich noch so frei dem Besucher anbieten", kritisierte er dieser Tage in einem Rundfunkinterview und fügte hinzu, dies gelte auch für archäologische Großobjekte.

Zugleich warnte Parzinger aber davor, die Freiheit der Museen einzuschränken. Immer häufiger würden Ausstellungen angefeindet, etwa von rechtsextremen Gruppen oder wenn sie Themen des Islam aufgriffen. "Das ist mindestens genauso schlimm wie die Beschädigung von Objekten, weil es sozusagen die Freiheit des Gedankens und des Denkens beschädigt."

uh/sti (dpa, kna)

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