MSF: Erbärmliche Zustände in libyschem Migranten-Lager | Aktuell Afrika | DW | 13.09.2019
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Migration nach Europa

MSF: Erbärmliche Zustände in libyschem Migranten-Lager

Abermals rücken die menschenunwürdigen Verhältnisse in libyschen Auffanglagern in den Fokus. Ärzte ohne Grenzen fordert, aus Seenot im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge nicht weiter nach Libyen zurückzubringen.

Libyen | Lager für Migranten Sintan (picture-alliance/dpa/MSF/J. Tubiana)

Migranten im Lager von Sintan

Libyen ist eines der wichtigsten Transitländer für Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa wollen. Für viele endet die Reise in einem Auffanglager. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières/MSF) berichtet von entsetzlichen Zuständen in dem Lager der Stadt Sintan im Westen des nordafrikanischen Bürgerkriegslandes.

Die Wasserversorgung funktioniere nur teilweise. Die rund 600 Flüchtlinge und Migranten in dem Lager, fast ausschließlich Männer, würden willkürlich festgehalten, weil sie keine Aufenthaltspapiere haben. Es gebe weder Anklage oder Gerichtsverfahren noch Aussicht auf Freilassung, erklärte Christoph Hey, MSF-Projektkoordinator, in Berlin. Libyen betrachtet Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere als illegale Einwanderer.

Libyen Tödlicher Überfall auf ein Internierungslager für Migranten in Tajoura (UNHCR)

Zwischen die Fronten geraten: Im Sommer war das Lager in Tadschura bombardiert worden - 53 Menschen wurden getötet

Die Räume in dem Lager, das von der international anerkannten Regierung des Landes unterhalten wird, seien nicht belüftet, Duschen und Toiletten in einem erbärmlichen Zustand, so Hey. Die Wasserversorgung funktioniere nur teilweise. Diese Bedingungen machten die Menschen anfällig für Krankheiten.

So seien in einem Raum 45 Somalier auf 70 Quadratmetern untergebracht. "Sie sehen die ganze Woche kein Tageslicht und haben keine frische Luft", sagte Hey. Er forderte, im Mittelmeer aufgenommene Migranten nicht mehr in das nordafrikanische Bürgerkriegsland zurückzubringen. Die katastrophale Zustände in libyschen Internierungslagern sind seit langem bekannt. Die UN hatten zuletzt im Juni die miserablen Zuständen in dem Lager in Sintan kritisiert.

Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen Chaos. Zwei Regierungen konkurrieren um die Macht. Der einflussreiche General Chalifa Haftar hatte im April eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis begonnen, wo die internationale anerkannte Regierung unter Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch ihren Sitz hat. Diese arbeitet mit zahlreichen Milizen zusammen. Libyens Küstenwache fängt regelmäßig im Mittelmeer Migranten ab, die nach Europa wollen.

Libyen Küstenwache Flüchtlinge (Getty Images/AFP/T. Jawashi)

Die libysche Küstenwache bringt Migranten, die in Seenot geraten, zurück aufs Festland (Archivbild)

UN bringen Menschen zurück in ihre Heimat

Derweil kehren in Libyen gestrandete Migranten freiwillig wieder in ihre Heimat zurück. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat in diesem Jahr bereits mehr als 7.200 Menschen aus Libyen ausgeflogen, die sich mitunter bereits jahrelang in Libyen aufgehalten hätten. Neben der IOM bringt auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR Menschen auf freiwilliger Basis zurück in ihre Heimatländer, die sich in Afrika und Asien befinden. Die Menschen fliehen vor Armut und Gewalt in ihren Herkunftsstaaten. Wie viele Geflüchtete sich derzeit Libyen aufhalten, ist unbekannt.

Sicherheitsrat verlängert Libyen-Mission

Der Weltsicherheitsrat hat derweil das Mandat der internationalen Unterstützungsmission in Libyen um ein Jahr bis September 2020 verlängert. Die 2011 gegründete "United Nations Support Mission in Libya" (UNSMIL) arbeitet mit der international anerkannten Übergangsregierung zusammen. Die UN-Mission soll bei der Suche nach einer friedlichen Lösung helfen. Nach einem angestrebten Waffenstillstand soll laut Plänen der UN ein politischer Übergangsprozess eingeleitet werden, der zu freien und fairen Wahlen führt.

uh/se (dpa, epd)

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