Mord an Victor Jara: Militärs in Chile verurteilt | Aktuell Amerika | DW | 04.07.2018
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Chile

Mord an Victor Jara: Militärs in Chile verurteilt

Vor 45 Jahren wurde in Chile der populäre Sänger Victor Jara kurz nach einem Militärputsch ermordet. Erst jetzt werden die Täter bestraft. Ein Gericht verurteilte neun Ex-Offiziere zu langjährigen Haftstrafen.

Victor Jara Chile Musiker (picture-alliance/AP Photo)

Der chilenische Sänger Victor Jara in einem undatierten Archivbild

Wie die Justiz in Santiago de Chile mitteilte, wurden acht Offiziere im Ruhestand wegen des Mordes an Jara sowie an dem früheren Gefängnisdirektor Littré Quiroga Carvajal im September 1973 zu 15 Jahren und einem Tag Gefängnis verurteilt. Ein neunter Ex-Militär soll wegen Beihilfe fünf Jahre und 61 Tage einsitzen. Überdies wurden alle neun Angeklagten wegen der Entführung von Jara und Quiroga zu drei weiteren Jahren Haft verurteilt. Zur Tatzeit hatten die Soldaten Ränge vom Leutnant bis hin zum Brigadegeneral.

Einen Tag nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 gegen den linksgerichteten Präsidenten Salvador Allende war Jara festgenommen worden. Das Eingreifen des Militärs war damals vom US-Geheimdienst CIA unterstützt worden. Drei Tage später wurde die Leiche des 40-jährigen Sängers, Komponisten und Theaterdirektors gefunden; sie wies 44 Schusswunden und Folterspuren auf. Auch Quiroga wurde vor seinem Tod gefoltert. Beide Männer hatten der kommunistischen Partei angehört und Allende unterstützt.

Gefoltert im Sportstadion

Der für seine Protestlieder bekannte Pazifist Jara war mit rund 5000 weiteren politischen Gefangenen in ein Sportstadion in Santiago de Chile gebracht worden, wo er verhört, gefoltert und schließlich umgebracht wurde. Seine Peiniger hatten nach Augenzeugenberichten mit Gewehrkolben und Stiefeltritten die Finger des Sängers und Gitarristen gebrochen. Durch seinen gewaltsamen Tod wurde Jara zum Idol für Künstler, die unter dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet (1915-2006) unterdrückt wurden. Nach dem Sturz Pinochets wurde das Stadion nach Jara benannt. Während der von Pinochet angeführten Militärdiktatur (1973-1990) wurden rund 40.000 Menschen illegal inhaftiert und systematisch gefoltert. Mehr als 3.000 von ihnen wurden getötet.

Nach Jaras Tod startete seine Familie, darunter seine aus Großbritannien stammende Frau Joan und seine Tochter Amanda, einen langen Kampf für Gerechtigkeit. 2009 ließen sie die Leiche exhumieren und eine umfassende Autopsie durchführen.

Im Juni 2016 verurteilte ein US-Gericht den ehemaligen chilenischen Leutnant Pedro Pablo Barrientos Núñez in einem Zivilprozess, wegen des Mordes an Jara 28 Millionen Dollar (24 Millionen Euro) Entschädigung an dessen Angehörige zu zahlen. Barrientos lebt in Florida. Chile scheiterte zunächst mit seiner Forderung nach einer Auslieferung von Barrientos, weil dieser die US-Staatsbürgerschaft hat. Der Prozess gegen den Mann war von der amerikanischen Menschenrechtsgruppe Center for Justice and Accountability angestrengt worden, die im Auftrag der Witwe, der Tochter und der Stieftochter des Ermordeten handelt.

kle/sam (dpa, afp, rtre)

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