Mit Tränengas auf Demonstranten in Beirut | Aktuell Nahost | DW | 15.01.2020
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Woche des Zorns

Mit Tränengas auf Demonstranten in Beirut

Seit etwa drei Monaten protestieren die Menschen im Libanon. Das Land ist im wirtschaftlichen Niedergang und die Politik beschäftigt sich mit sich selbst. An diesem 90. Protesttag eskalierten die Demonstrationen.

Es ist die "Woche des Zorns" im Libanon. Nach einer längeren Pause über den Jahreswechsel konzentrierten sich die Proteste in der Hauptstadt Beirut auf ein sehr belebtes Geschäftsviertel, insbesondere vor der Zentralbank des Landes. Aber auch in anderen Stadtteilen und Städten wurde wieder demonstriert. Sicherheitskräfte schossen mit Tränengas auf die Demonstranten vor der Zentralbank, die ihrerseits mit Steinen warfen, Scheiben einschlugen und Müllcontainer anzündeten. Mindestens 65 Menschen sind verletzt worden.

Libanon, Beirut: Erneute Proteste am Abend (Getty Images/AFP/M. Tahtah)

Die Wut auf den Stillstand im Land schlägt um in Gewalt

Eine korrupte Elite

"Wir sorgen uns um unser Erspartes", sagte ein 40-jähriger Demonstrant. Im Libanon sei es nicht einfach zu sparen. "Wir vertrauen den Banken nicht mehr". Das kleine Land am Mittelmeer befindet sich in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Das libanesische Pfund hat stark an Wert verloren. Wegen der Krise zahlen Banken nur noch sehr beschränkt Dollar aus, die neben dem Pfund im Libanon genutzte Währung. Die Demonstranten beklagen, eine korrupte Elite habe das Land zugrunde gewirtschaftet. "Was wir heute verdienen, reicht nicht einmal für das Nötigste", sagte eine dreifache Mutter, die sich Protesten in einem Vorort von Beirut angeschlossen hatte.

Libanon, Beirut: Erneute Proteste am Abend (Getty Images/AFP/M. Tahtah)

Die Banken werden mit den korrupten Eliten gleichgesetzt

Zurück auf die Straße

Seit Mitte Oktober wird der Libanon von beispiellosen Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft erschüttert. Unter dem Druck der Straße trat Ministerpräsident Saad Hariri zurück. Dem mit der Regierungsbildung beauftragten Universitätsprofessor Hassan Diab ist es bisher nicht gelungen, ein neues Kabinett zu bilden. Er möchte eine Regierung aus Technokraten. Die wichtigsten politischen Blöcke ringen im Hintergrund jedoch um Einfluss. Besonders stark ist die schiitische Hisbollah-Organisation, die enge Kontakte zum Iran pflegt.

"Wir haben Diab mehrere Wochen gegeben, um eine Regierung zu bilden", sagte ein Demonstrant in Beirut. "Jetzt ist es genug, wir sind wieder zurück auf der Straße."

fab/qu (dpa, afp, rtre, ape)

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