Mit Großrazzia und Verbot gegen Berliner Salafisten-Verein | Aktuell Deutschland | DW | 25.02.2021
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Islamismus

Mit Großrazzia und Verbot gegen Berliner Salafisten-Verein

Jama'atu Berlin soll die Terrormiliz IS verherrlicht und den Tod Andersgläubiger befürwortet haben. Mehr als 800 Polizisten durchsuchten in der Bundeshauptstadt und in Brandenburg Wohnungen von Mitgliedern.

Polizeibeamte im Einsatz im Märkischen Viertel im Berliner Stadtteil Reinickendorf

Polizeibeamte im Einsatz im Märkischen Viertel im Berliner Stadtteil Reinickendorf

Der Berliner Senat und die Polizei sind mit einer Großrazzia gegen eine radikal-islamistische Vereinigung in der Hauptstadt vorgegangen. Die Senatsinnenverwaltung teilte mit, die "Jihad-salafistische Vereinigung Jama'atu Berlin alias Tauhid Berlin" sei verboten worden. Ihr werde vorgeworfen, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu verherrlichen, die Tötung Andersgläubiger zu befürworten und stark antisemitisch ausgerichtet zu sein.  Zudem strebe die Vereinigung eine Ordnung an, in der Gott der alleinige Souverän und die Scharia das einzig legitime Gesetz ist. Der Vereinigung würden etwa 20 Mitglieder zugerechnet, hieß es weiter.

Gegen Verfassung und Völkerverständigung

Die Vereinigung Jama'atu Berlin sei eine sehr junge und radikale Vereinigung, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel auf einer Pressekonferenz. Sie richte sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung. "Das Verbot ist ein weiteres und klares Signal an alle religiösen Extremisten." Nach Geisels Einschätzung ist die Gefahr des islamistischen Terrorismus weiterhin hoch.

Bislang keine Festnahmen

Die Polizei in Berlin und Brandenburg durchsuchte zahlreiche Wohnungen, mehr als 800 Beamte waren im Einsatz. Derlei Aktionen gab es unter anderem im Märkischen Viertel in Reinickendorf, in Moabit und in Neukölln. Beteiligt waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK) und die Bundespolizei. Über Festnahmen wurde bisher nichts bekannt.

Polizisten in Aktion im Stadtteil Moabit

Polizisten in Aktion im Stadtteil Moabit

Jama'atu Berlin betrieb nach ersten Informationen keine eigene Moschee, die Mitglieder trafen sich wohl in privaten Räumen. Von dem Trend, dass sich radikale Salafisten zunehmend nicht mehr in Moscheen, sondern in Privatwohnungen treffen würden, hatte der Berliner Verfassungsschutz bereits vor einiger Zeit berichtet.

Verbindung zu Anis Amri

Ergänzend berichtete der "Tagesspiegel", die Mitglieder der kleinen Gruppe würden sich aus der bereits früher geschlossenen Fussilet-Moschee kennen. Dort verkehrte auch Anis Amri, der 2016 das Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz verübte.

sti/gri (afp, dpa, epd)