Miroslav Klose, der Nachwuchsdiplomat | Fußball | DW | 07.06.2018
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WM 2018

Miroslav Klose, der Nachwuchsdiplomat

Miroslav Klose ist im DFB-Team für das Stürmer-Training verantwortlich. Und offenbar dafür, möglichst wenig zu verraten. Bei der letzten Pressekonferenz in Südtirol erfahren die Medienvertreter wenig Neues.

Richtig angeeckt ist Miroslav Klose in seiner Karriere eigentlich nie. Er hat eher durch Tore geglänzt, denn durch markige Worte. Klose spricht langsam, überlegt, bevor er sich festlegt. Das hat sich auch in seiner jetzigen Rolle als "Stürmer-Trainer" bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht geändert. Vielleicht auch deshalb wurde er vom DFB in die Abschluss-Pressekonferenz in Eppan geschickt, kurz bevor der Tross Südtirol in Richtung Leverkusen verließ. Denn die Stimmung unter den Medienvertretern war aufgewühlt, nachdem Bundestrainer Joachim Löw nach der endgültigen Kader-Bekanntgabe am Montag keine Nachfragen zugelassen und nachdem sich Mesut Özil um den DFB-Medientag und damit um eine Stellungnahme zu seiner Erdogan-Propaganda gedrückt hatte.

Und so durfte Klose seine Stürmer loben: "Mario Gomez habe ich schon als Mitspieler unheimlich geschätzt, spielerisch, menschlich", was natürlich auch für Timo Werner gelte. Und die Entscheidung, Leroy Sane aus dem Kader für Russland zu streichen, sei "eine Entscheidung für Julian (Brandt) und keine gegen Leroy gewesen." Ein Diplomat im Trainingsanzug eben.

Testspiel: Oesterreich - Deutschland Leroy Sane (picture-alliance/Ulmer/M. Ulmer)

"Keine Entscheidung gegen Leroy..."

Das ist Oliver Bierhoff schon lange. Wobei der nur noch selten Trainingsanzüge trägt, schon eher den eleganten Designer-Anzug und heute ein dunkles T-Shirt. Die Wortwahl aber ist ähnlich. Bierhoff lobte die Südtiroler Gastgeber für ihre "große Herzlichkeit", alle seien "traurig, jetzt schon gehen müssen, wir hatten eine sehr schöne Zeit." Um dann bei so viel Harmonie und Urlaubsgenuss doch noch auf das Ziel der zu Ende gehenden Reise einzugehen, nämlich die WM: "Bei aller guten Atmosphäre hier möchten alle, dass es losgeht".

"Ergebnis gegen die Saudis ist zweitrangig"

Bevor es aber losgeht, steht noch ein letzter Test auf dem Programm, gegen Saudi Arabien, am Freitag um 19:30 Uhr MESZ (im DW-Audio-Livestream) in Leverkusen. Dann soll endlich wieder gewonnen werden. Seit fünf Partien wartet das DFB-Team auf einen Sieg. Zuletzt setzte es sogar die 1:2-Niederlage in Klagenfurt. "Österreich war trotz den negativen Ausganges wichtig für die Belastung", konnte Bierhoff dem Spiel doch noch etwas Positives abgewinnen. Natürlich. Gegen Saudi-Arabien sollte sich das auch in Zahlen auswirken: "Es gibt gewisse taktische, spielerische Vorgaben. Die sollen umgesetzt werden. Natürlich die Basisvorgaben wie Konzentration und Abstimmung. Situationen, die wir im Training einstudiert haben. Wir wollen das Spiel gewinnen, trotz allem ist das Ergebnis nicht erstrangig."

Die Asiaten dürften dabei nicht mehr als Kanonenfutter sein, auch wenn Klose warnt: "Saudi Arabien kann man nicht mir der Mannschaft vergleichen, die 2002 gespielt hat", referiert Klose, der damals beim 8:0 in Japan und Südkorea selbst auf dem Platz gestanden hat. "Ist eine ganz andere Mannschaft. Man sieht, was der Trainer in kurzer Zeit eingeimpft hat. Ob sie es umsetzen können, werden wir sehen." Überhaupt, so glaubt Bierhoff, brauche man nicht die absoluten Top-Gegner: "Die hatten wir im Vorfeld, sondern Gegner, wie Saudi Arabien, gegen die wir die Möglichkeit haben, nochmal einiges zu testen".

"Hakt das Thema Özil ab!"

Einziges Reibungsthema an diesem so glatten Donnerstagmittag in Südtirol: die Fragen nach Mesut Özil und seiner PR-Aktion für den türkischen Präsidenten Erdogan, den er "meinen Präsidenten" nannte. Da versteinerten sich Bierhoffs Gesichtszüge, da begann seine Stimme leicht zu zittern: "Jetzt reicht es dann auch. Pfiffe für Özil gab es auch vor der Geschichte. Hakt es ab", forderte Bierhoff von den Pressevertretern. "Bei aller Verärgerung: Wir sind ein Team, eine Familie, auch mit den Fans, hoffe, dass sich jeder zurückhält und an das Wohl der Mannschaft denkt."

Gegen die Saudis am Freitag wird Özil eh nicht mitmachen können. Eine leichte Knieprellung hindert ihn derzeit am vollen Trainingsumfang. Heute hat er sich nur warm gemacht, danach individuell trainiert. "Man will kein unnötiges Risiko eingehen", beschwichtigte Bierhoff. "Nichts Dramatisches, aber nichts, warum man über den Schmerz hinweggehen sollten. Ich gehe davon aus, das es für die WM kein Thema ist."

Die zwei Wochen von Eppan enden also wieder einmal mit Friede, Freude, Sonnenschein. Schlechte Nachrichten: Gibt es nicht. Und wenn es sie doch gibt, spricht man nicht darüber.

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