Neuer sichert sich WM-Ticket | FIFA WM 2018 in Russland | DW | 02.06.2018
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WM 2018

Neuer sichert sich WM-Ticket

Beim Testspiel gegen Österreich muss die DFB-Elf eine Niederlage einstecken. Für Bundestrainer Löw dürfte das Spiel dennoch einige Erkenntnisse über die noch offenen Personalfragen liefern.

Manuel Neuer tauchte blitzschnell ab und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch ins Seitenaus. Glanzparade. Und spätestens nach einer weiteren Blitzreaktion in der zweiten Halbzeit - dieses Mal gegen den einschussbereiten Marko Arnautovic - war klar, dass Torwart Neuer sein WM-Ticket sicher in der Tasche hat. Die wenigen Unsicherheiten in den ersten Spielminuten dürften bei der Leistungs-Beurteilung durch das Trainerteam um Joachim Löw  nicht weiter ins Gewicht fallen. "Es war ein gutes Comeback nach so lange Zeit", sagte Löw im ZDF. "Er hat ein paar Bälle gut rausgeholt und hat gute Paraden gezeigt. Von daher war es absolut zufriedenstellend bei ihm."

Neuers gute Leistung bei der 1:2-Niederlage gegen Österreich ist gleichbedeutend mit dem Aus von Kevin Trapp, der es wohl nicht in den Flieger nach Russland schaffen wird. Mit Marc-Andre ter Stegen hat Löw einen mehr als zuverlässigen Schlussmann in der Hinterhand. Dem Leverkusener Bernd Leno bleibt vermutlich der dritte Platz auf der Torhüter-Rangliste.

Kein Ticket für Jonathan Tah

Auch sicher dabei ist Verteidiger Jerome Boateng. Obwohl er noch nicht ganz fit ist, wird er wohl kaum auf der Streichliste von Löw landen. Genauso wie Mats Hummels und Teamkollege Niklas Süle. Alle drei kennen sich vom FC Bayern München und dürften auch bei der Nationalmannschaft einen Platz sicher haben. "Wir haben Top-Spieler da hinten drin. Das wird für den Trainer nicht einfach", sagte Süle.

Neben den drei genannten Abwehrrecken kann Löw sich auf Matthias Ginter verlassen, der in der Innenverteidigung, aber auch auf der Außenbahn einsetzbar ist und gegen Österreich gar nicht erst zum Einsatz kam. Sorgen, nicht in Russland dabei zu  sein, macht hat sich der Defensivspieler von Borussia Mönchengladbach keine. "Wir sind natürlich alle neugierig, wen es treffen wird. Aber ich bin relativ entspannt", sagte Ginter im DFB-Trainingslager.

Deutschland - Frankreich Antonio Rüdiger (picture-alliance/Revierfoto)

Dürfte gegen Jonathan Tah die Nase vorne haben: Antonio Rüdiger

Eng wird es dagegen für Jonathan Tah, der erst drei Länderspiele absolviert hat und in Österreich nicht eine Minute spielte. Gedanken macht sich sicherlich auch Antonio Rüdiger, wobei der Chelsea-Profi noch realistische Chancen auf ein WM-Ticket hat. Tah fehlt hingegen die internationale Erfahrung und er verpasste im Saisonendspurt zudem verletzungsbedingt einige Bundesliga-Spiele. Auch im Trainingscamp in Südtirol hat der Leverkusener nicht gänzlich überzeugt. Rüdiger dagegen zeigte gegen Österreich eine solide Leistung und kann sich auch auf seine internationale Erfahrung verlassen.

Löw: "Ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten"

Sebastian Rudy hat zwar auch viel Erfahrung und durfte in dieser Saison mit dem FC Bayern seinen ersten deutschen Meistertitel feiern, trotzdem dürfte es nicht für einen Platz im endgültigen Kader reichen. Die Konkurrenz auf seiner Position ist mit Sami Khedira, Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Leon Goretzka zu groß. Dem Bundestrainer dürfte diese Entscheidung besonders schwer fallen, da Rudy auch vor zwei Jahren bereits aus dem vorläufigen Kader gestrichen wurde.

"Wir werden uns die Köpfe nochmal heiß reden. Wenn es am Sonntag zur finalen Entscheidung geht, ist das natürlich kein schönes Gefühl“, sagte Löw, der am Montagmorgen mit den Spielern sprechen wird, die es nicht in den endgültigen Kader schaffen werden.

Trainingslager Deutsche Nationalmannschaft - Marco Reus (picture-alliance/dpa/Reviewfoto)

Endlich ist er wieder dabei - Marco Reus will unbedingt mit zur WM nach Russland

Besonders viele Daumen dürften die Fans, aber auch das Trainerteam, BVB-Star Marco Reus drücken. Der 29-Jährige hatte die letzten beiden Turniere wegen einer Verletzung verpasst. Vor vier Jahren verlor er seinen Kaderplatz sogar erst am Vorabend des Abfluges nach Brasilien im letzten Testspiel gegen Armenien in Augsburg. Dieses Mal soll er fester Bestandteil beim Projekt Titelverteidigung sein, sofern er gesund bleibt. "Er ist ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. In manchen Situationen ist er schon eine Rakete", lobte Löw den Offensivspieler. "Ich nehme ihn als geschickten und intelligenten Spieler wahr. Er ist raffiniert im Torabschluss. Er macht auf mich einen guten Eindruck.“

Werner: "Ich fliege noch etwas unter dem Radar" 

Im Sturm führt kein Weg an Timo Werner vorbei. Der Stürmer von RB Leipzig hat in der abgelaufenen Saison wettbewerbsübergreifend in 45 Spielen 21 Tore erzielt und war an weiteren zehn direkt beteiligt. Druck vor der WM in Russland, seinem ersten großen Turnier, verspüre er keinen, sagte Werner in einem Interview mit der Zeitung Die Welt. "Ich lege meinen Fokus nicht darauf, Torschützenkönig zu werden. Ich bin nicht so vermessen, dass ich mir das als Ziel setze", sagte der Torjäger und ergänzte: "Ich fliege noch etwas unter dem Radar und kann eigentlich nur gewinnen. Das ist mein großer Vorteil."

Petersen muss kämpfen

Unter dem Radar fliegt auch Nils Petersen, den der Bundestrainer überraschend für den vorläufigen Kader nominiert hatte. "Er macht einen guten Eindruck, steht nicht nur vorne und arbeitet viel. Er hat sich jeden Tag entwickelt. Ich bin absolut zufrieden mit ihm“, sagte Löw. Beim Duell mit den Österreichern durfte der Freiburger in seinem ersten A-Länderspiel gleich von Beginn an ran.

Ein paar gute Offensiv-Aktionen, aber vor allem seine hohe Laufbereitschaft sowie sein Engagement in der Defensive sollten bei dem Bundestrainer positiv in Erinnerung bleiben. In gut 70 Minuten machte Petersen zwar nicht den Unterschied, zeigte aber, dass er für seine erste Weltmeisterschaft bereit wäre. "Natürlich will man unbedingt dabei sein", sagte Petersen nach dem Duell gegen Österreich. "Wenn man am Ende nicht unter den 23 Spielern ist, geht das Leben aber auch weiter." Ob er das Nominierungs-Duell gegen Mario Gomez aber wirklich gewinnen kann, entscheidet Löw. Bis Montag 12 Uhr muss der DFB seinen finalen Kader der FIFA melden.

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