Mindestens 66 Flüchtlinge bei Schiffbrüchen im Mittelmeer gestorben | Aktuell Welt | DW | 08.01.2018
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Wege der Migration

Mindestens 66 Flüchtlinge bei Schiffbrüchen im Mittelmeer gestorben

Es ist die erste Flüchtlingstragödie im neuen Jahr. Die Migranten starben, als ihre beiden Boote nahe der libyschen Küste kenterten. Mehr als 350 Menschen konnten von der Küstenwache gerettet werden.

Auch am vergangenen Wochenende haben wieder mindestens 66 Menschen bei einer Überfahrt über das Mittelmeer ihr Leben verloren. 64 Flüchtlinge starben am Samstag bei einem ersten schweren Unglück. Das habe die Befragung von Migranten, die nach dem Schiffbruch ihres Schlauchbootes gerettet worden seien, ergeben, twitterte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo. Am Sonntag ereignete sich ein weiteres Unglück unweit der libyschen Küste mit mindestens zwei Toten, wie die libysche Küstenwache mitteilte.

Nach dem Unglück am Samstag konnten laut IOM acht Menschen nur noch tot geborgen worden. Nach Angaben der Überlebenden, die mittlerweile in Italien angekommen sind, seien bei der Abfahrt des Schlauchbootes 150 Menschen an Bord gewesen, hieß es. 86 Menschen konnten am Samstag von der italienischen Küstenwache und der Marine gerettet werden, darunter waren zahlreiche Kinder und Frauen. Die übrigen Menschen, vermutlich sind es 56, gelten als vermisst.

Bis zu einer Million Migranten hoffen auf Überfahrt 

Libyens Küstenwache rettete nach eigenen Angaben am Sonntag 272 Flüchtlinge von Schlauchbooten im Mittelmeer. Zwei Frauen - darunter eine Schwangere - hätten jedoch nur noch tot geborgen werden können, gab die Küstenwache bekannt. Die im Wasser treibenden Boote seien vor der Küste nahe der Hauptstadt Tripolis im Westen des Landes entdeckt worden. Unter den Geretteten seien 56 Kinder und 53 Frauen. Die Flüchtlinge stammten aus unterschiedlichen Ländern Afrikas. Die libysche Marine rechne damit, dass sich in den kommenden Tagen noch mehr Menschen auf marode Boote mit ineffizienten Motoren wagen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Tripolis. Das Wetter solle besser werden und sich damit auch das Meer vor der libyschen Küste beruhigen.  Schätzungen zufolge sitzen zwischen 400.000 und eine Million Migranten in dem von Gewalt zerrissenen nordafrikanischen Libyen fest und hoffen auf eine Überfahrt nach Europa.

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Libyen ist das wichtigstes Transitland für Flüchtlinge, die nach Europa wollen. Die Migrationsroute über das Mittelmeer ist die gefährlichste der Welt. 2017 starben nach IOM-Angaben mehr als 3000 Menschen in den Fluten. Der Großteil der im Mittelmeer Geretteten wird nach Italien gebracht - dort ist die Migrationskrise vor den Wahlen im März dominierendes Wahlkampfthema. Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi bezeichnete alle illegalen Migranten in Italien als Kriminelle. "Sie arbeiten schwarz, prostituieren sich, begehen Raubüberfälle und Diebstähle, handeln mit Drogen und so weiter. Wie kann man vor ihnen keine Angst haben?", fragte er. "Diese Menschen haben keine Möglichkeit, einem regulären Job nachzugehen, weshalb sie gezwungen sind, zum Überleben das Gesetz zu brechen", sagte er der konservativen Zeitung "Il Foglio". Dem italienischen Innenministerium zufolge kamen in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits 330 im Mittelmeer gerettete Menschen in Italien an. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt mehr als 119.300 - und deutlich weniger als 2016. Damals wurden rund 181.000 Menschen gezählt, die aus dem Wasser gerettet und anschließend nach Italien gebracht wurden. 

sth/sti (dpa/KNA)

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