Merkel für Zurückhaltung bei Bankenfusion | Wirtschaft | DW | 19.03.2019
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Fusionspläne Deutsche Bank-Commerzbank

Merkel für Zurückhaltung bei Bankenfusion

Finanzminister Scholz wirbt seit Monaten für starke deutsche Banken. Dagegen nennt Kanzlerin Merkel eine mögliche Fusion von Deutsche und Commerzbank eine "privatwirtschaftliche Entscheidung".

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für Zurückhaltung der Regierung in den Gesprächen über eine mögliche Großbanken-Fusion in Deutschland ausgesprochen. Einen eventuellen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank bezeichnete Merkel als "privatwirtschaftliche Entscheidung".

Sie plädiere sehr dafür, dass sich die Bundesregierung nicht mit einem Votum einmische, sagte Merkel am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin. Aus Sicht der auch für die Bankenaufsicht zuständigen Bundesbank ist das Geschäftsmodell entscheidend bei einer Fusion von Kreditinstituten und nicht unbedingt die Größe.

"In jeder Hinsicht eine sehr schlechte Idee"

Eine klare Absage an eine Fusion der beide Banken erteilten die sogenannten "Wirtschaftsweisen". Für die Ökonomin und Regierungsberaterin Isabel Schnabel ist ein Zusammengehen der beiden größten Privatbanken Deutschlands "in jeder Hinsicht eine sehr schlechte Idee". So sei umstritten, ob die erhofften Synergieeffekte tatsächlich einträten, sagte die Professorin der Universität Bonn.

Nach einer Fusion würde die Staatsgarantie - der Bund ist seit der Finanzkrise mit 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt - steigen, weil man eine solche Bank sicherlich nicht untergehen lassen wolle, sagte Schnabel, die zusammen mit vier weiteren Ökonomen dem "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" angehört.

Deutsche Bank und Commerzbank haben mit Sondierungsgesprächen über eine Fusion begonnen. Sie betonten am vergangenen Sonntag zugleich, dass ein Zusammenschluss keine ausgemachte Sache sei. Nach Merkels Worten ist ein möglicher Zusammenschluss der beiden Finanzhäuser eine rein private Entscheidung - mit allen Herausforderungen, Chancen und Risiken. Die Bundesregierung habe dann ein Interesse daran, das Ergebnis zu bewerten, weil der Bund einen Anteil von gut 15 Prozent an der Commerzbank halte. Sie werde aber kein Votum abgeben, sagte die CDU-Politikerin.

Bankensterben geht weiter

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der ehemalige Deutschland-Chef der US-Bank Goldman Sachs, werben seit Monaten für starke deutsche Banken. Scholz betonte Anfang der Woche aber auch: "Es sind private Banken, sie treffen ihre eigenen Entscheidungen.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling sagte, die Aufsicht werde die Geschäftspläne gründlich analysieren. "Hier gibt es keinen Bonus, hier gibt es keinen Malus, und Champion ist keine aufsichtsrechtliche Kategorie", sagte Wuermeling bei einer Veranstaltung in Frankfurt, ohne Kreditinstitute zu nennen. Die Aufsicht sei bei Fragen von Zusammenschlüssen von Banken neutral. "Wir begleiten solche Prozesse zwar, aber wir initiieren sie sicher nicht."

Laut Wuermeling hat sich die Zahl der Kreditinstitute in Deutschland von fast 4500 im Jahr 1991 auf heute etwa 1800 verringert. "Und die Zahl wird weiter sinken", sagte der für Banken und Finanzaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand. Fusionen seien jedoch nicht das einzige Instrument, um etwa hohe Kosten für die Verwaltung aufzufangen. Sinnvoll könne auch die Zentralisierung einzelner Elemente beispielsweise in Verbünden, durch Kooperationen oder Auslagerung an Dritte sein. Das Problem der niedrigen Zinsen könnten jedenfalls auch Zusammenschlüsse nicht lösen.

hb/bea (dpa)

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