Wirtschaftsweise: Kaum Wachstum in Deutschland | Wirtschaft | DW | 19.03.2019
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Konjunktur

Wirtschaftsweise: Kaum Wachstum in Deutschland

Die Konjunktur in Deutschland wird sich stark abkühlen, erwarten die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem aktuellen Gutachten. Damit sind sie pessimistischer als die Bundesregierung.

Die Ökonomen und Regierungsberater erwarten in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von nur noch 0,8 Prozent, wie der  Sachverständigenrat (SVR) an diesem Dienstag in seiner neuen Prognose mitteilte.

Im November hatten die Experten noch plus 1,5 Prozent vorhergesagt. "Die Hochkonjunktur der deutschen Wirtschaft ist vorerst vorüber", sagte der Chef des Gremiums, Christoph Schmidt. "Eine Rezession ist angesichts der robusten Binnenkonjunktur aber aktuell nicht zu erwarten."

In einem DW-Exklusiv-Interview hatte Schmidt in der vergangenen Woche auch über die Auswirkungen eines schwächeren Wachstums für Deutschland gesprochen.

Löhne dürften weiter steigen

Mitverantwortlich seien die "vorübergehenden" Produktionsprobleme in der Auto- und Chemieindustrie. Gleichzeitig habe sich auch die "Grunddynamik" der deutschen Wirtschaft verlangsamt: Die Exportnachfrage aus wichtigen Absatzmärkten sei deutlich schwächer, in vielen Branchen seien Kapazitätsgrenzen erreicht. Auch Arbeitskräfteengpässe spielten eine Rolle.

"Eine Rezession ist angesichts der robusten Binnenkonjunktur aber aktuell nicht zu erwarten", versicherte Schmidt. Die Anzahl der Erwerbstätigen werde weiter steigen und die Löhne und Gehälter dürften ebenso zulegen. Vom privaten Konsum, den Bauinvestitionen und dem Staat dürften positive Wachstumsimpulse ausgehen, erwarten die Wirtschaftsweisen.

Für das Jahr 2020 erwarten die Wissenschaftler wieder ein Wachstum um 1,7 Prozent  - vor allem wegen deutlich mehr Arbeitstagen. Bereinigt um diesen Effekt werde das Wachstum bei 1,3 Prozent liegen.

Prof Dr Christoph M Schmidt Präsident des RWI und Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Imago/IPON)

Wirtschaftsprofessor Christoph Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrats

"Potenzial für eine Rezession"

Allerdings warnten sie vor großen Risiken: Neben dem unsicheren Ausgang der Brexit-Verhandlungen trügen hierzu insbesondere die ungelösten Handelskonflikte zwischen den USA, Europa und China sowie die Gefahr einer stärker als erwarteten Wachstumsabschwächung in China bei.

"Angesichts der bereits nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik hätte eine Spirale aus protektionistischen Maßnahmen das Potenzial, die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abgleiten zu lassen", so die Wirtschaftsweisen.

Wegen der internationalen Handelskonflikte und der Unsicherheit über den EU-Austritt Großbritanniens haben zuletzt viele Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen gesenkt. Die Bundesregierung rechnet für 2019 mit einem Prozent Wachstum, nach 1,4 Prozent im vorigen Jahr. Das IWH-Institut aus Halle erwartet sogar, dass die Konjunktur nur noch um 0,5 Prozent anzieht.

Geringere Steuereinnahmen

Die deutsche Wirtschaft war im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gewachsen. 2017 hatten das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent zugelegt.

An diesem Mittwoch will Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Eckpunkte für den Haushaltsentwurf für 2020 und die mittelfristige Finanzplanung ins Kabinett einbringen. Oberste Priorität ist den Angaben zufolge, erneut eine "Schwarze Null" zu schaffen, also einen Haushalt ohne neue Schulden. Angesichts rückläufiger Steuereinnahmen muss die schwarz-rote Koalition wohl den Gürtel enger schnallen.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wurde 1963 per Gesetz eingerichtet, um die Politik zu beraten. Neben Schmidt gehören dem Gremium gehören Lars Feld, Isabel Schnabel, Volker Wieland und als neues Mitglied Achim Truger an.

bea/hb (rtr, dpa, afp)

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