Meinung: Schalke hat das Virus | Sport | DW | 28.02.2021
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Bundesliga

Meinung: Schalke hat das Virus

Die Bundesliga-Mannschaft des FC Schalke 04 leidet. Der ganze Verein erlebt einen schweren Verlauf, und es ist noch nicht einmal ausgemacht, wer den Patienten von der Intensivstation holen kann, kommentiert Marko Langer.

Bill Shankly war nicht Trainer auf Schalke. Das ist einerseits verwunderlich, weil ja schon so viele Fußball-Lehrer Trainer auf Schalke waren. Andererseits ist das gar nicht erstaunlich, weil Mr. Shankly der große alte Mann des FC Liverpool ist - der Verein hat sich den Meistermacher von einst an der Anfield Road in Bronze aufgestellt.

Was das nun mit dem GAU (größter anzunehmender Unfall) an diesem 23. Spieltag beim FC Schalke zu tun hat? Nun, von Shankly gibt es dieses klassische Fußball-Lehrer-Zitat: "Einige Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist." Und mit höflicher Anleihe beim großen Schotten erlauben wir uns hier eine Analogie zwischen Fußball (eigentlich: Sache von Leben) und Corona-Pandemie (im schlimmsten Fall: die Sache mit dem Tod). Der Befund: Schalke 04 hat sich ein - für einen Fußballverein - ähnlich schlimmes Virus eingefangen. Der Klub hat Fieber, seine Geschmackssinne verloren, er erlebt einen schweren Verlauf. Wenn nicht bald etwas passiert, wird "Königsblau" - wie wir es kannten und liebten - an diesem Virus zugrunde gehen.

Abstandsregel einhalten

Das wissen inzwischen auch alle verfügbaren Fußball-Experten und halten deshalb weit mehr als 1,5 Meter Abstand auf den erneut vakanten Trainerposten im Ruhrgebiet. Hier kann man im Moment nur verlieren, sich anstecken, und die Regeln des Geschäfts verbieten die Diagnose, die über den Tag hinaus reicht. Sie lautet: Schalke wird lange brauchen, bis es wieder so fit ist, dass man mithalten kann. Die nächsten Schritte werden beschwerlich, sie führen fast zwingend in die Rehabilitation (also: 2. Liga) - und es wäre schon ein medizinisches Wunder, wenn der Patient über die Relegation bereits wieder das Krankenbett verlassen dürfte. Aus Sicht von Bundesliga-Ärzten kaum zu verantworten. 

Marko Langer Kommentarbild App PROVISORISCH

Marko Langer, DW-Autor

Schon quälend, dieser Corona-Vergleich. Es braucht ja gar keine Inzidenzwerte oder Infektionsstatistiken, um das Dilemma zu beschreiben. Zwei Zahlen reichen, vielleicht drei. Die erste Zahl: 9 Punkte. Die zweite: demnächst der fünfte Trainer (nur in dieser Saison). Die dritte, die überall zu lesen ist: 240 Millionen Euro Schulden. Hat schon jemand nach einem staatlichen Rettungsschirm für Schalke gerufen? Man könnte zynisch werden.

Keine Statue

Und so werden weder die Trainer David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens noch Christian Gross eine Bronzestatue bekommen, der ebenfalls entfernte Sportvorstand Jochen Schneider schon gar nicht. Vielleicht kann sich Aufsichtsratschef Dr. Jens Buchta zumindest eine lobende Erwähnung verdienen für seine Worte zum Reihen-Rauswurf an diesem Sonntag: "Wir brauchen nicht drum herum zu reden: Die sportliche Situation ist eindeutig, deshalb müssen wir bei jeder noch zu treffenden Personalentscheidung auch über die Saison hinausdenken." Doch der Mann ist Jurist. Er ist kein Notarzt und übrigens auch kein Insolvenzverwalter. Zur Erinnerung: 240 Millionen Miese. Höchste Zeit, über die Saison hinauszudenken

Gut bezahlte Quatschköpfe

Und nun? Tapfer bleiben, Schalke-Fans! Auch die benachbarten Vereine VfL Bochum und Rot-Weiß Essen haben eine stolze Tradition. Gut bezahlte Quatschköpfe kann man sich da schon lange nicht mehr leisten. Der Sport-Informationsdienst hat nachgezählt, dass zum Beispiel Nabil Bentaleb in seiner Zeit bei Schalke fünfmal suspendiert, aussortiert und wieder in den Kader aufgenommen wurde. Andere Spieler wie Ex-Weltmeister Shkodran Mustafi müssen nun achtgeben, dass sie sich nicht anstecken in diesem Hotspot, wo 2018 noch die Vizemeisterschaft gefeiert wurde. Im Moment hilft nur: Quarantäne, Isolierung aus der ersten Liga. Der Verfasser dieser Zeilen wünscht von Herzen gute Genesung.

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