Mehr als 800 Tote nach dem Tsunami in Indonesien | Aktuell Welt | DW | 30.09.2018
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Naturkatastrophe

Mehr als 800 Tote nach dem Tsunami in Indonesien

Erst bebt auf Sulawesi die Erde, dann rollt eine riesige Tsunamiwelle über die Küste der indonesischen Insel. Nach und nach gelangen Retter in abgeschnittene Gebiete. Nur langsam wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar.

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Schweres Erdbeben verwüstet Urlaubsparadies Lombok

Tausende von Häusern, Kliniken, Einkaufszentren und Hotels seien in Palu eingestürzt, sagte ein Sprecher des indonesischen Katastrophenschutzes. Es sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Opfer weiter steige, wenn es genauere Informationen aus entlegeneren Gebieten der Insel geben werde. In einer neuen Zwischenbilanz bezifferten die Behörden die Zahl der Toten auf mindestens 832. Vizepräsident Jusuf Kalla wurde mit der Bemerkung zitiert, dass es Tausende Tote geben könnte. 

Kritik an Tsunami-Warnsystem

Es mehrt sich die Kritik, dass das Tsunami-Warnsystem nicht richtig funktionierte. Der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho, sagte: "Es gab keine Sirene. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst." Das nationale Zentrum für Meteorologie und Geophysik hatte zwar eine Tsunami-Warnung ausgegeben, hob sie nach nur einer halben Stunde aber wieder auf - aus Sicht von Kritikern viel zu früh.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm an den indonesischen Präsidenten Joko Widodo: "Die Nachricht von dem verheerenden Tsunami, der auf der Insel Sulawesi zahlreiche Opfer gefordert und große Zerstörungen hinterlassen hat, erschüttert mich zutiefst". Ähnlich äußerte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der auch darauf hinwies, dass das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht bekannt sei. Außenminister Heiko Maas teilte mit: "Erneut wurden Hunderte Menschen durch einen Tsunami getötet, erneut bringt eine Naturkatastrophe unfassbares Leid über eine ganze Region."

Keine Nachrichten aus Donggala

Präsident Widodo ist inzwischen der Katastrophenregion eingetroffen. Er forderte die Rettungsmannschaften auf, ununterbrochen nach Opfern weiterzusuchen.  

Auf der Insel Sulawesi hatte am Donnerstag ein Erdbeben der Stärke 7,5 eine bis zu sechs Meter hohe Flutwelle ausgelöst. Sie traf die Touristenstadt Palu und die Region Donggala. Über die Lage in Donggala liegen dem Katastrophenschutz noch keine Informationen vor. "Wir hören nichts aus Donggala, was extrem besorgniserregend ist. Mehr als 300.000 Menschen leben dort", erklärte das Rote Kreuz. "Das ist schon jetzt eine Tragödie, aber es könnte noch viel schlimmer werden." Vizepräsident Jusuf Kalla sagte, die Zahl der Toten könnte in die Tausende steigen.

Indonesien nach dem Erbeben und Tsunami in Palu l medizinische Versorgung (picture alliance/AP/T. Syuflana)

Das Krankenhaus ist eingestürzt, Verletzte werden deshalb im Freien behandelt

In beiden Orten leben insgesamt mehr als 600.000 Einwohner. Es kam zu mehreren starken Nachbeben. Immer noch seien Menschen unter den Trümmern verschüttet, sagte der Chef des Katastrophenschutzes, Willem Rampangilei. "Wir haben Schwierigkeiten, schweres Gerät in die Gegend zu bringen, weil viele Straßen nach Palu zerstört sind." Am Strand von Palu befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks zahlreiche Menschen, die ein Stadtfest vorbereiteten. Viele Opfer seien von der Flutwelle überrascht und fortgeschwemmt worden, sagte der Behördensprecher. Manche hätten überlebt, weil sie auf hohen Bäumen Zuflucht suchten.

Die Infrastruktur liegt am Boden

Der Tsunami riss auch ganze Brücken weg. Außerdem wurde die wichtigste Autobahnverbindung nach Palu durch einen Erdrutsch abgeschnitten. Rund um die Stadt kam es zu einem großen Strom- und Telefonnetzausfall. Der örtliche Flughafen ist nur für Hilfslieferungen geöffnet. Das Beben hat Schäden am Tower und der Startbahn verursacht. Aus dem örtlichen Gefängnis entkamen einem Agenturbericht zufolge mehr als die Hälfte der 560 Häftlinge, nachdem Mauern der Haftanstalt eingestürzt waren.

Indonesien nach dem Tsunami in Palu (Getty Images/AFP/B. Ismoyo)

Der Schock sitzt tief und dennoch beginnen nur wenige Stunden nach dem Tsunami die Aufräumarbeiten

Indonesien - mit mehr als 260 Millionen Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Staaten - liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer geologisch sehr aktiven Zone. Dort bebt die Erde immer wieder. Im August kamen bei einer Reihe von Erschütterungen mehr als 500 Menschen auf der Touristeninsel Lombok ums Leben.

Am zweiten Weihnachtstag 2004 hatte ein Erdbeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra einen Tsunami ausgelöst. In der Folge dieser verheerenden Naturkatastrophe starben in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen.

haz/fab/as (rtr, dpa, ap)

 

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