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Politik

200 Gefangene in der Ukraine ausgetauscht

29. Dezember 2019

Es ist ein markantes Zeichen der Hoffnung in dem seit Jahren andauernden Konflikt: Drei Wochen nach dem Normandie-Gipfel haben die Ukraine und die pro-russischen Rebellen ihre Übereinkunft umgesetzt.

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Ukraine - Russland Gefangenenaustausch | Grenzübergang Mayorsk
Ein ukrainischer Kriegsgefangener sieht endlich seine Mutter wiederBild: Getty Images/AFP/G. Savilov

In der Ostukraine haben die beiden Konfliktparteien insgesamt mehr als 200 Gefangene ausgetauscht: Die ukrainische Regierung gab am Nachmittag bekannt, dass ihr 76 Menschen aus dem Gewahrsam der Rebellen übergeben wurden. Die von Russland unterstützten Separatisten vermeldeten ihrerseits die Rückkehr von 123 Gefangenen in die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. In anderen Quellen ist von 77 bzw. 124 freigelassenen Personen die Rede.

Der Austausch war eines der erklärten Ziele des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In den vergangenen 24 Stunden hatten sich Umfang und Modalitäten des Austauschs immer weiter konkretisiert. Zunächst hatte das ukrainische Präsidialamt erklärt, der Austausch finde am Kontrollposten Majorske in der Region Donezk statt. Ukrainische Medien berichteten, die pro-russischen Rebellen würden hauptsächlich Angehörige der ukrainischen Armee sowie inhaftierte Aktivisten und Journalisten freilassen.

Ukraine - Russland Gefangenenaustausch | Grenzübergang Mayorsk
Separatistische Rebellen sind nach dem Gefangenenaustausch wieder freiBild: Getty Images/AFP/G. Savilov

Reportern war Zugang nicht gestattet

Auf Live-Aufnahmen, die vom ukrainischen Präsidentenbüro übertragen wurden, waren zwei Busse zu sehen, die auf einem von ukrainischen Soldaten bewachten Feld in der Nähe des Dorfes Odradivka im von Kiew kontrollierten Gebiet - etwa zehn Kilometer von der Frontlinie entfernt - ankamen. Als die Freigelassenen ihre Verwandten wiedersehen konnten, spielten sich ergreifende Szenen ab. Journalisten war der Zugang zu dem Gebiet nicht gestattet.

Auch Frauen sind unter den Gefangenen, die Kiew und die Rebellen austauschen (Foto: Reuters/A. Ermochenko)
Auch Frauen sind unter den Gefangenen, die Kiew und die Rebellen austauschtenBild: Reuters/A. Ermochenko

Formel "Alle gegen alle"

Beim Ukraine-Gipfel vor gut drei Wochen in Paris war der Austausch nach der Formel "Alle gegen alle" bis Ende Dezember vereinbart worden. Die Einigung zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin kam unter Vermittlung von Deutschland und Frankreich bei einem Gipfeltreffen in Paris zustande.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßten den Austausch. Vor den Feierlichkeiten zum Jahreswechsel und der orthodoxen Weihnacht sei dies "eine lang ersehnte humanitäre Geste, die dazu beitragen sollte, das Vertrauen zwischen beiden Seiten wiederherzustellen", teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz mit. Der Schritt müsse nun von einer vollständigen und umfassenden Umsetzung des Waffenstillstands flankiert werden.

Erst Anfang September hatten Kiew und Moskau 70 Gefangene - 35 auf jeder Seite - ausgetauscht. Das war als Zeichen möglicher Fortschritte bei einer Lösung des Ukraine-Konflikts gewertet worden. Unter den Freigelassenen waren die 24 ukrainischen Matrosen gewesen, die mehrere Monate in russischer Haft gesessen hatten. In Freiheit kam außerdem der ukrainische Regisseur Oleg Senzow.

Die Staatschefs Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj, beim Gipfel in Paris    (Foto: Imago Images/ITAR-TASS)
Die Staatschefs Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj, beim Gipfel in Paris Bild: Imago Images/ITAR-TASS

In den ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk stehen sich Kiewer Regierungstruppen und prorussische Separatisten gegenüber. In dem Konflikt sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen seit 2014 rund 13.000 Menschen ums Leben gekommen.

ehl/sti/qu (dpa, afp, rtr)