Mazedonien bekommt neuen Staatsnamen | Aktuell Europa | DW | 17.06.2018
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Streit mit Griechenland

Mazedonien bekommt neuen Staatsnamen

Der historischer Streit um einen Staatsnamen scheint beigelegt: Skopje und Athen haben ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet. Damit trägt Mazedonien in Zukunft einen anderen Namen.

Alexis Tsipras und Zozan Zaev (Foto: Reuters/A. Konstantinidis)

Der griechische Premierminister Tsipras (rechts) und sein mazedonischer Amtskollege Zaev vor der Unterzeichnung

Die Außenminister von Griechenland und Mazedonien haben ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet, das den jahrzehntealten Streit um den Staatsnamen Mazedonien beenden soll. Das im grenznahen Ort Psarades unterzeichnete Dokument sieht vor, dass Mazedonien künftig den offiziellen Namen "Republik Nord-Mazedonien" trägt. Es muss noch von den Parlamenten beider Staaten und in einem Referendum in Mazedonien gebilligt werden. Als Gegenleistung will Athen den Weg des Nachbarlandes zur NATO und in die EU nicht länger blockieren. 

Bei der Unterzeichnung waren auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn sowie Vertreter der Vereinten Nationen (UN) anwesend. Die Zeremonie wurde direkt im Fernsehen beider Nachbarstaaten übertragen. "Wir machen einen historischen Schritt", erklärte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras. Ein neues Zeitalter der Kooperation und der Stabilität beginne für die beiden Nachbarstaaten. Dem schloss sich der mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev an: "Unsere Staaten lassen die Vergangenheit zurück und schauen in die Zukunft." Beide Regierungschefs betonten, dass dieses Abkommen ein Muster dafür sei, wie Streitigkeiten dieser Art überwunden werden könnten. 

Streit mit historischem Hintergrund

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert stritten sich Mazedonien und Griechenland um das Erbe des antiken hellenistischen Helden Alexander des Großen. Der makedonische König hatte sich ein Weltreich erobert, das bis zum Indus reichte; er starb im Jahre 323 vor Christus in Babylon. Athen beansprucht sein kulturelles Vermächtnis. Doch auch Mazedonien vereinnahmt Alexander für sich.

Als Mazedonien 1991 seine Unabhängigkeit vom Vielvölkerstaat Jugoslawien ausrief, brach ein Streit mit seinem südlichen Nachbarn Griechenland über die Symbole des jungen Staates aus. Bis zum jetzt ausgehandelten Kompromiss drehte sich einer der Konflikte um den Namen: Mazedonien (Makedonija) heißt genauso wie der grenzende griechische Landesteil (Makedonia). Das wollte Athen nicht akzeptieren, weshalb Griechenland bislang auch den Beitritt Mazedoniens in die NATO und die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU blockierte. Für seine Aufnahme 1993 in die Vereinten Nationen nannte sich der junge Staat "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien". Das reichte Griechenland aber nicht, um sein Veto gegen eine Aufnahme Mazedoniens in die NATO und gegen Verhandlungen über einen Beitritt zur Europäischen Union aufzugeben.

Auch um die Flagge Mazedoniens wurde heftig gestritten. Ursprünglich zeigte sie die sechzehnstrahlige goldene "Vergina-Sonne", das Emblem von Alexanders Herrscherhaus. Als Voraussetzung für ein Ende eines griechischen Wirtschaftsembargos änderte Skopje jedoch das Symbol im Herbst 1995 in eine achtstrahlige Sonne um.

jmw/sti (afp, dpa)

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