Mariam Sankara: ″Ein Krieg in Burkina Faso nützt niemandem″ | Afrika | DW | 22.09.2015
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Afrika

Mariam Sankara: "Ein Krieg in Burkina Faso nützt niemandem"

Die Krise in Burkina Faso erschüttert Mariam Sankara, Witwe von Ex-Präsident und Volksheld Thomas Sankara. Er wurde 1987 ermordet, die Umstände sind bis heute unklar. Putschführer Diendéré soll beteiligt gewesen sein.

DW: Waren Sie überrascht, als Sie vom Putsch erfuhren, den General Gilbert Diendéré am 17. September angeführt hat?

Mariam Sankara: Ja und nein. Ich war überrascht, weil wir nach dem Aufstand vom vergangenen Jahr jetzt so kurz vor den Wahlen standen. Aber die Tatsache, dass Ex-Präsident Blaise Compaoré damals geflohen ist und Diendéré, seine rechte Hand, nicht festgenommen wurde, hat uns stets beunruhigt. Wir wussten, dass jeden Moment etwas geschehen konnte. Auch, weil die Präsidialgarde RSP (die General Diendéré anführt, Anm. d. Red.) mehrfach die Kabinettssitzungen gestört und versucht hat, den Premierminister der Übergangsregierung festzunehmen.

Hätte man also Ihrer Meinung nach General Diendéré direkt nach dem Sturz von Compaoré im Oktober 2014 aus dem Verkehr ziehen sollen?

Genau. Das wäre die Lösung gewesen. Man hätte ihn zu dieser Zeit verhaften und die RSP auflösen müssen.

Die RSP ist die Elitetruppe des Landes, die den Präsidenten Blaise Compaoré schützen sollte. Sie gilt im Vergleich zur regulären Armee als sehr stark. Sie zu entwaffnen ist sicher nicht leicht, oder?

Ich denke, die RSP sieht selbst ein, dass sie Burkina Faso nicht nützt, sondern schadet. Ich hoffe, dass sie zur Vernunft kommen und ihre Waffen niederlegen wird, bevor es zu Blutvergießen kommt.

Einer der Streitpunkte in Burkina Faso ist die Frage, ob die Anhänger des Ex-Präsidenten Blaise Compaoré bei den Wahlen antreten dürfen oder nicht. Was sagen Sie dazu?

Auch die Partei von Compaoré hätte gleich nach dessen Flucht aus Burkina Faso aufgelöst werden müssen. Das ist nicht geschehen. Mit Compaoré sind viele andere aus dem Land geflohen und haben sich versteckt. Compaoré war nicht alleine, er hatte viele Unterstützer, viele Komplizen. Wenn die sich jetzt aber zur Wahl stellen dürfen, hieße das doch, dass Compaoré auch zurückkommen und kandidieren könnte. Ich finde, diese Personen sollten akzeptieren, dass sie nicht zur Wahl zugelassen werden. Ihnen wurde ja sogar die Möglichkeit gegeben, sich von anderen Parteimitgliedern ersetzen zu lassen. Es geht also nur um die Unterstützer Compaorés, nicht um seine Partei.

Der Untersuchungsrichter am Militärgericht in Ouagadougou hatte für den 17. September die Anwälte einberufen, die mit dem Fall Ihres verstorbenen Mannes Thomas Sankara betraut sind. Bei dem Termin sollte es um Untersuchungen zum Tode Ihres Mannes gehen. Am selben Tag hat General Diendéré geputscht, der Termin beim Richter wurde verschoben. Sehen Sie da eine Verbindung?

Ja, am 17. September wurden die Anwälte einberufen, und ich selber auch. Da ich aber nicht in Burkina Faso lebe, wäre die Familie meines verstorbenen Mannes hingegangen. Zwei Tage vorher hatte die Reform- und Versöhnungskommission einen Bericht vorgelegt, in dem es auch um die Auflösung der RSP ging. Und dieser Bericht hat bis zu 5000 Verbrechen aufgeführt. Wir wissen, dass Diendéré für viele davon verantwortlich ist. Was für ein Zufall, oder?

Viele gehen davon aus, dass General Diendéré an der Ermordung Ihres Mannes Thomas Sankara beteiligt war. Wie sehen Sie das?

Die Untersuchungen dazu liefen ja gerade, und ich hoffe, dass sie weitergehen. Diendéré war für das Kommando verantwortlich, das den Mord an Präsident Sankara gebilligt hat. Er steckt da mit drin, genau wie im Fall Norbert Zongo (ein Journalist aus Burkina Faso, der 1998 erschossen wurde, Anm. d. Red.). Und er ist auch in die Ereignisse vom 30. und 31. Oktober 2014 verwickelt (bei denen Präsident Blaise Comparoré aus dem Amt getrieben wurde und zunächst das Militär die Macht übernahm, Anm. d. Red.). Und natürlich in das, was sich in Burkina Faso jetzt gerade ereignet.

Befürchten Sie einen Bürgerkrieg, wenn die Putschisten die Macht nicht wieder abgeben?

Am besten wäre, die RSP kommt zur Besinnung legt die Waffen nieder. Das wäre die beste Lösung für Burkina Faso. In der RSP sind auch republikanische Militärs, da gibt es auch Patrioten. Die fordere ich auf, sich von den Putschisten zu distanzieren und sich der regulären Armee anzuschließen. Denn ein Krieg in Burkina Faso nützt niemandem. Das sollten auch die Putschisten akzeptieren und aufgeben, damit der Übergang zur Demokratie in unserem Land weitergehen kann.

Mariam Sankara ist die Witwe des 1987 ermordeten Präsidenten von Burkina Faso, Thomas Sankara. Sie lebt in Frankreich.

Das Interview führte Eric Topona.

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