Marcus Sorg: Vollblut-Trainer auf Zeit | Sport | DW | 03.06.2019
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Löw-Ersatz in der Verantwortung

Marcus Sorg: Vollblut-Trainer auf Zeit

Nicht Bundestrainer Joachim Löw, sondern Assistent Marcus Sorg leitet die Geschicke der deutschen Nationalmannschaft bei den anstehenden EM-Qualifikationsspielen. Kritik gibt es an der Wahl des Vorbereitungsortes.

Es war ein ungewöhnlicher Ort, an den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montagmorgen geladen hatte. Im VIP-Raum des Stadions "De Koel" des niederländischen Erstligisten VVV Venlo ging es zudem in ungewohnter Besetzung um den Ausblick auf die bevorstehenden EM-Qualifikationsspiele am kommenden Samstag in Weißrussland und drei Tage später in Mainz gegen Estland (beide 20.45 Uhr MESZ, ab 20.30 Uhr im DW-Audio-Livestream).

Neben DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Torwarttrainer Andreas Köpke gab nicht Bundestrainer Joachim Löw, sondern Marcus Sorg Auskunft. Der 53-Jährige ist eigentlich Assistenztrainer und arbeitet Löw bei den Treffen der Nationalmannschaft zu. Allerdings ist Bundestrainer derzeit krankgeschrieben, ihm soll beim Krafttraining eine Hantel unglücklich getroffen haben. Deshalb steht er in den kommenden Tagen nicht zur Verfügung.

Kein Alltag

Sorg steht plötzlich in der Verantwortung, hat nach dem Bundeskanzler zumindest gefühlt das wichtigste Amt im Staate inne. Die Aufregung um diese Personalie war zu erwarten. Sorg selbst versucht allerdings die Ruhe zu bewahren. "Ich sehe mich nicht in der Rolle des Bundestrainers. Der Fokus liegt in der normalen Arbeit als Assistenztrainer", sagte Sorg in Venlo.

Dennoch steht Sorg selbstredend im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Bierhoff versuchte deshalb sämtliche Skepsis an den Fähigkeiten des Löw-Vertreters vom Tisch zu wischen. "Mit Marcus Sorg haben wir einen Vollblut-Trainer, der mit für den Aufschwung in den letzten Wochen gesorgt hat", sagte der DFB-Direktor.

Die Situation ist allerdings keinesfalls Alltag. Noch nie hatte der Bundestrainer in seinen rund 13 Jahren als Chef gefehlt. "Es ist speziell und ungewohnt, wenn der Cheftrainer nicht dabei ist. Die Schwerpunkte sind alle schon vorbereitet", sagte Sorg, der sich nach eigenen Worten regelmäßig telefonisch mit Löw austauscht. "Die letzte Entscheidung hat der Bundestrainer", stellte der Assistent klar.

Mini-Trainingslager in Venlo

Vertrauen einander: Assistent Marcus Sorg (r.) und Bundestrainer Joachim Löw (l.) (picture-alliance/dpa/J. Woitas)

Vertrauen einander: Assistent Marcus Sorg (r.) und Bundestrainer Joachim Löw (l.)

Am Freitag geht es nach einigen Trainingseinheiten in Richtung Minsk. "Die Spieler müssen wieder schnell in die Spur kommen. Das Anforderungsprofil an Nationalspieler ist, dass sie wieder hochfahren und sich konzentrieren können", sagte Sorg. "Über allem steht das Spiel in Weißrussland. Wir wollen eine optimale EM-Qualifikation spielen. An unserer Zielsetzung hat sich nichts geändert."

Für Verwirrung sorgte die Quartierwahl des deutschen Teams. Dass der DFB-Tross ausgerechnet beim großen Rivalen Niederlande seine Zelte aufschlug, erforderte Klärungsbedarf. "Weil wir diese Spiele sehr ernst nehmen, haben wir gedacht, dass wir ein Mini-Trainingslager starten können, wo wir ein paar Dinge machen können", sagte Bierhoff. Deshalb sei die Wahl auf Venlo gefallen, weil es nicht ganz so einfach gewesen sei, ein Hotel für rund 70 Leute zu buchen. "Ich wollte wissen, wo das halbe Ruhrgebiet am Wochenende einkaufen geht", scherzte Bierhoff, um dann ernst nachzulegen: "Wir sehen da keine Grenzen mehr."  

Am Mittwoch wird die DFB-Elf eine Trainingseinheit im ausverkauften Aachener Tivoli-Stadion vor 30.000 Zuschauern  absolvieren. Der DFB hatte die Nähe zu diesem Austragungsort gesucht. "Dort gab es die besten Verfügbarkeiten", sagte Bierhoff.

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