Lufthansa sucht Ausweg aus Flugbegleiter-Streik | Wirtschaft | DW | 08.11.2019
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Tarifstreit in der Luftfahrt

Lufthansa sucht Ausweg aus Flugbegleiter-Streik

Wende am ersten Streiktag: Die Lufthansa will den Tarifkonflikt mit den Flugbegleitern nun doch in einer Schlichtung lösen. Der Warnstreik aber geht heute in den zweiten Tag und Hunderte Flüge fallen aus.

Bei der Lufthansa haben die Flugbegleiter am Freitag ihren zweitägigen Streik fortgesetzt. Wie am Vortag fielen hunderte Flüge aus - vor allem an den beiden Drehkreuzen der Airline in Frankfurt und München. Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont. 

Denn nach einer monatelangen Gesprächspause erklärte Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr ausdrücklich, dass man nun auch wieder das Gespräch mit der Kabinengewerkschaft Ufo suche. Ziel sei es, die von Ufo angebotene Schlichtung zu vereinbaren. Bislang hatte der Konzern Gespräche mit dem Argument abgelehnt, dass der Ufo-Vorstand nicht vertretungsberechtigt sei. Vorangegangen war am Mittwochabend ein Gespräch mit den konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und der neuen "Cabin Union", das von der Ufo nicht wahrgenommen worden war. Die Ufo-Vertreter hatten nicht teilgenommen, weil sie vor dem Arbeitsgericht Versuche des Unternehmens abwehren mussten, den Streik zu untersagen. Lufthansa will nun mit allen drei Gruppen sprechen, die letztlich darum rangeln, wer für die rund 21.000 Flugbegleiter der Kerngesellschaft Lufthansa Tarifverträge abschließen kann.

Ufo zeigte sich bereit, über eine Schlichtung mit Lufthansa zu reden. Man werde die von Arbeitsdirektorin Bettina Volkens angeregten Gespräche über das Wochenende wahrnehmen, erklärte ein Ufo-Vertreter.  Der laufende Streik bei der Lufthansa solle unverändert auch am Freitag stattfinden. Ufo werde aber von einer Ausweitung auf andere Flugbetriebe des Konzerns absehen. 

Lufthansa Streik des Bodenpersonals UFO (picture-alliance/dpa/M. Balk)

Annulliert: Lufthansa sagte 1300 Flüge ab

In- und Auslandsflüge gestrichen

Der von Ufo ausgerufene Streik hat bereits am ersten Streiktag zu zahlreichen Flugausfällen geführt. Der bis Freitag geplante 48-stündige Ausstand hatte am Donnerstag um Mitternacht begonnen. Rund 1300 Flüge wurden abgesagt. Der Konzern strich für Donnerstag bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, so dass an den Drehkreuzen München und Frankfurt viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der Überseeflüge ausfallen muss. An Flughäfen im In- und Ausland wurden Verbindungen nach Frankfurt und München abgesagt. Zusammen mit 600 geplanten Stornierungen am Freitag sind der Airline zufolge rund 180.000 Passagiere betroffen. Den Kunden wurden Umbuchungen auf andere Gesellschaften und Tage sowie im innerdeutschen Verkehr auf die Bahn angeboten.

Dort war am Morgen sowohl in Hessen als auch bundesweit die Verkehrslage normal, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Auch in den Terminals der Flughäfen Frankfurt und München blieb es ruhig. Es habe keine langen Warteschlangen an den Schaltern gegeben, berichteten Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass sich die Passagiere im Vorhinein informiert haben", sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport.

Deutschland Symbolbild Streik Gewerkschaft Ufo gegen Lufthansa (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Die Gewerkschaft Ufo fordert für die Flugbegleiter bessere Bedingungen

Gewerkschaft Ufo fordert mehr Geld

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten. In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann.

Die Lufthansa war am Mittwoch in zwei Gerichtsinstanzen mit dem Versuch gescheitert, den Streik noch mit juristischen Mitteln zu stoppen. Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt als auch das hessische Landesarbeitsgericht lehnten eine Einstweilige Verfügung gegen den Ufo-Streik ab. Nach Einschätzung der Richter sind die Tarifverträge korrekt gekündigt worden, der Streikbeschluss sei gültig. Angriffe der Lufthansa-Anwälte gegen die kurzfristig geänderte Arbeitskampfordnung der Gewerkschaft lehnten sie ebenfalls ab. Hier handele es sich um interne Regelungen der Ufo ohne Außenwirkung. 

as/sti (dpa, afp, rtr)

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