Luftfahrt sucht Klimaschutz | Wissen & Umwelt | DW | 29.09.2016
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Wissen & Umwelt

Luftfahrt sucht Klimaschutz

Der Luftverkehr boomt und verursacht immer mehr Klimagase. Auf der Vollversammlung der Internationalen Luftfahrtorganisation suchen derzeit 191 Staaten in Montréal nach einer Lösung des Problems. Wird dies gelingen?

Derzeit liegt der Anteil des Luftfahrt am globalen CO2-Ausstoß bei etwa zwei Prozent. Da jedoch der Luftverkehr jährlich um rund fünf Prozent wächst, wird sich trotz neuer, sparsamer Flugzeuge nach Prognosen der EU-Kommission der CO2-Ausstoß bis 2050 vervierfachen.

Ein zusätzliches Problem für das Klima ist die Verbrennung des Treibstoffs in großer Höhe. Vor allem die Bildung von Ozon und Wolken heizen die Atmosphäre zusätzlich kräftig auf. Nach Angaben des Bundesumweltamtes (UBA) ist deshalb der Treibhauseffekt des verbrannten Kraftstoffs von Flugzeugen zwei bis fünf Mal höher als der von Fahrzeugen auf dem Boden.

Wenn die Entwicklung des Wachstums so bleibt und Flugzeuge weiterhin die gleiche Menge der klimawirksamen Gase ausstoßen, "dann würde der Flugverkehr mit seinen Emissionen bis 2050 rund 27 Prozent der verbleibenden Budgets verbrauchen das zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels noch bleibt", warnt der Klimaexperte des World Wildlife Fund for Nature (WWF) Lou Leonard.

Auf der Versammlung der UN-Luftfahrtkommission ICAO im kanadischen Montréal ringen derzeit Vertreter von 191 Staaten um einen Ausweg aus dem Dilemma. Bis zum 7. Oktober diskutieren die Staatsvertreter, wie die Klimaschäden aus dem Luftverkehr reduziert werden können.

Flugzeug am Himmel mit Kondensstreifen (picture-alliance/dpa)

Neben dem CO2 ist vor allem die Ozon- und Wolkenbildung ein sehr großes Problem für den Klimaschutz im Luftverkehr.

Trotz Paris: Weiter mehr Treibhausgase aus dem Luftverkehr  

Auf der UN-Klimakonferenz in Paris einigten sich die Staaten darauf, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter (ca. 1850) deutlich unter zweit Grad Celsius gehalten werden soll und Anstrengungen unternommen werden, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Zur Zielerreichung muss nach Ansicht des Weltklimarats der CO2-Ausstoß aus der Verbrennung von fossilen Energien bis spätestens 2050 beendet sein. Regelungen für den internationale Schiffs- und Luftverkehr wurden im Pariser Klimaabkommen jedoch nicht getroffen. 

Auf der UN-Versammlung in Montreal verfolgen die Regierungsvertreter bisher insgesamt keine CO2-Reduktion des Flugverkehrs, stattdessen will die zivile Luftfahrtorganisation einen Teil der Klimaschäden zukünftig kompensieren.

Nach dem derzeitigen Vorschlag sollen die Airlines ab 2021 in einer freiwilligen Pilotphase und ab 2027 verpflichtend  einen Teil ihrer Emissionen durch Klimaschutzprojekte ausgleichen. Dabei kauft der Luftverkehrssektor Emissionsgutschriften aus Projekten, bei denen die gleiche Menge von CO2 eingespart wird. So kommt es zum Ausgleich des CO2-Ausstoß aus dem Luftverkehr, Aufforstungsprojekte ließen sich damit beispielsweise finanzieren.

Untergräbt ICAO die Klimaziele?

Christoph Bals von Germanwatch in Bonn mit Mikrophon (DW/M.Müller)

Christoph Bals warnt vor Scheinlösungen

Nach Ansicht von Umweltschützern reichen die Vorschläge für die Pariser Klimaziele bei weitem nicht aus. "Mit ihrem Vorschlag verfehlt die Luftfahrtorganisation ICAO krachend ihr schwaches selbst gesetztes Ziel, im internationalen Flugverkehr ab 2020 kein weiteres Wachstum der CO2-Emissionen mehr zuzulassen", warnt Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Auf heftige Kritik stößt bei ihnen auch, dass die ICAO mit der geplanten Kompensation zwar den CO2 Ausstoß der Flugzeuge ausgleichen will, nicht aber die klimaschädliche Ozon- und Wolkenbildung des Flugverkehrs. 

Zudem wurden bisher keine Kriterien festgelegt, die sicherstellen, dass die geplanten Ausgleichsprojekte wirklich dem Klimaschutz dienen und sozial verträglich sind. "Der Entwurf greift zu spät, er ist zu schwach und seriöse Projekte zur Umsetzung sind nicht sicher gestellt. In dieser Form ist das neue Instrument nicht geeignet, seinen Beitrag zum Klimaziel von Paris zu leisten", so das Fazit von Bals. 

Barbara Hendricks und Ronald Pofalla vor dem Sonderzug der DB zum Klimagipfel nach Paris (picture-alliance/dpa/G. Fischer)

Zug statt Flug: Umweltministerin Hendricks setzt ein Zeichen und fährt von Berlin nach Paris 900 Kilometer mit dem Zug.

Wie lassen sich Klimaschäden vermeiden?

Um die Klimaschäden zu vermeiden, empfehlen Umweltorganisationen und das Umweltbundesamt (UBA) möglichst auf Flugreisen zu verzichten. Nach Berechnungen des UBA ist jeder Flugkilometer fünf Mal klimaschädlicher als die selbe Strecke mit der Bahn.

Wer auf das Flugzeug nicht verzichten kann, sollte nach der Empfehlung des UBA die Klimabelastung möglichst kompensieren. Verschiedene Anbieter bieten diese Dienstleistung an und finanzieren damit Klimaschutzprojekte.

Die Bundesregierung geht beim Klimaausgleich inzwischen mit gutem Beispiel voran und kompensiert mit Klimaschutzprojekten die dienstlichen Flugreisen und Autofahrten von 16 Ministerien und 58 Bundesbehörden seit 2014. Die Regierung will damit nach eigenen Angaben "ein wichtiges politisches Signal für zusätzliche, freiwillige Aktivitäten für den Klimaschutz" setzen und zugleich andere Institutionen und Unternehmen ermutigen, die Emissionen von Dienstreisen zu kompensieren.

Als weiteres Instrument zur Eindämmung des Flugverkehrs empfiehlt das UBA die Abschaffung zahlreicher Subventionen, damit das Fliegen nicht vom Staat künstlich verbilligt wird. Abgeschafft werden sollte die Befreiung des Kerosins von der Energiesteuer, die Befreiung internationaler Flüge von der Mehrwertsteuer und die Beihilfen für Flughäfen. "Anders wird die Eindämmung des Wachstums im Flugverkehr nicht zu erreichen sein", betont das Bundesumweltamt.

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