Liebling des Westens: Gorbatschow wird 90 | Aktuell Europa | DW | 02.03.2021
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Russland

Liebling des Westens: Gorbatschow wird 90

Sein Wirken ist mit dem Ende der Sowjetunion verbunden. Und seine "Perestroika" klingt vor allem in den Ohren westlicher Beobachter gut. Der oberste Russe gratulierte Michael Gorbatschow dennoch zum runden Geburtstag.

Berlin | Gemälde an einem Rest der Berliner Mauer - Gorbatschow sitzt hinter einem Steuer mit dem kommunistischen Hammer-Symbol

"Gorbi" als Gemälde an einem Rest der Berliner Mauer

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Friedensnobelpreisträger und früheren Kremlchef Michail Gorbatschow zu dessen 90. Geburtstag als Persönlichkeit von Weltrang gewürdigt. "Sie gehören mit Recht zu jenen schillernden, ungewöhnlichen Menschen; herausragenden staatlichen Funktionären der Gegenwart, die einen bedeutenden Einfluss auf den Gang der nationalen und Weltgeschichte ausgeübt haben." Das schrieb Putin in einem vom Kreml veröffentlichten Glückwunschtelegramm an Gorbatschow, der seinen Geburtstag wegen angeschlagener Gesundheit und der Corona-Pandemie weitgehend isoliert begeht.

Der Reformer

Als einer der Väter der Deutschen Einheit sicherte sich "Gorbi", wie ihn die Deutschen achtungsvoll nennen, seinen Platz in der Geschichte schon vor rund 30 Jahren. Der frühere Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gilt als einer der größten Reformer des 20. Jahrhunderts.

Michail Gorbatschow in den 1980er Jahren

Michail Gorbatschow in den 1980er Jahren

Zu seinem Jubiläum blickt der ehemalige Sowjetpräsident auf viele geopolitische Großtaten zurück: etwa auf die Deutsche Einheit, die er damals mit Kanzler Helmut Kohl (1930-2017) aushandelte. Damit beendete er den Kalten Krieg. Unvergessen ist auch seine Politik von "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umgestaltung), mit der er die Menschen einst von kommunistischer Gewaltherrschaft befreite.

Der Schuldige

Doch heute geben viele Russen Gorbatschow die Schuld am Zerfall der Sowjetunion vor 30 Jahren. Für den demokratisch gesinnten Teil der russischen Gesellschaft hingegen ist er bis heute ein Freiheitssymbol. Mit seiner politischen Stiftung und als Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" gilt er weiter als eine wichtige Stimme in Russland. Immer wieder kritisierte der Politiker zunehmende Repressionen unter Putin - und warnte vor einem Rückfall in die Diktatur.

Dass vor diesem Hintergrund aus Berlin freundschaftliche Würdigungen kommen, ist nicht verwunderlich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte mit diesen Worten: Gorbatschows "mutiges Wirken im Zeichen des Friedens und der Freiheit" sei "in Deutschland unvergessen", schrieb der Bundespräsident dem Jubilar. Gorbatschow habe mit seinem politischen Handeln, aber auch mit seinem Vertrauen in ein geeintes Deutschland entscheidend dazu beigetragen, "dass die Teilung des europäischen Kontinents friedlich überwunden wurde". Gorbatschow solle wissen, dass "wir Deutsche Ihnen für Ihren unschätzbaren Beitrag zur friedlichen Einheit Deutschlands auf immer dankbar sein werden".

Michail Gorbatschow und Angela Merkel bei einem Treffen im November 2014 im Kanzleramt in Berlin

Michail Gorbatschow und Angela Merkel bei einem Treffen im November 2014 im Kanzleramt in Berlin

Auch Kanzlerin Angela Merkel würdigte in einem Glückwunsch-Schreiben den Einsatz des früheren Kreml-Chefs für die friedliche Überwindung des Kalten Krieges: "Ihr wichtiger Beitrag für eine Wiedervereinigung in Freiheit bleibt in Deutschland ebenso unvergessen wie Ihr beständiges persönliches Engagement für freundschaftliche Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern."

ml/sti (dpa, rtr, afp)

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Held oder Verräter? Michail Gorbatschow und die Russen

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