Lernen im Schlaf – auch nachts nimmt das Gehirn Worte auf | Wissen & Umwelt | DW | 31.01.2019
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Schlafforschung

Lernen im Schlaf – auch nachts nimmt das Gehirn Worte auf

Schweizer Forscher haben schlafende Probanden Phantasie-Worte lernen lassen. Das Hirn kann also auch unbewusst Informationen aufnehmen. Als Ersatz für das Vokabelpauken taugt die Methode aber nicht.

Menschen können im Schlaf unbewusst neue Begriffe lernen und diese mit bestimmten Assoziationen verbinden. Das zeigten die Berner Psychologieprofessorin Katharina Henke und ihre Kollegen Marc Züst und Simon Ruch mit einem Experiment im Schlaflabor.

Die Forscher spielten 41 Probanden im Schlaf per Kopfhörer Wortpaare vor. Davon war jeweils ein Begriff ein reines Phantasie-Wort. Der andere war ein bekanntes Wort mit einer typischen Eigenschaft. Nach dem Aufwachen konnten die Studienteilnehmer die Begriffe und deren Bedeutung wieder abrufen, berichten die Forscher am 31. Januar 2019 im Fachjournal "Current Biology".

Ist das groß oder ist das klein?

So hörte zum Beispiel ein schlafender Proband das Wortpaar "Guga – Vogel", ein anderer "Guga – Elefant". Am nächsten Tag wurden die Probanden gefragt, ob Guga etwas großes oder kleines ist, ob es etwa in eine Schuhschachtel passt.

Solange die Worte in der als "Up-State" bezeichneten Tiefschlafphase abgespielt wurden, konnten die Probanden 60 Prozent der Phantasiewörter richtig einordnen. In dieser sehr kurzen Schlafphase sind alle Gehirnzellen gemeinsam aktiv. Die Phasen dauern jeweils nur etwa eine halbe Sekunde. Sie wechseln sich mit sogenannten "Down-State" Phasen ab, in denen es keine Aktivität zwischen den verschiedenen Gehirnbereichen gibt. 

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Schlafforschung - Lernen im Schlaf (picture-alliance/dpa/Marc Züst/Simion Ruch/Universität Bern/Institut für Psychologie)

Das Elektroenzephalogramm zeigt an, in welchem Zustand der Tiefschlafphase sich der Proband in Bern gerade befindet.

In welcher der Phasen sich das Gehirn genau in dem Moment des Vokabel-Lernens befand, ermittelten die Forscher durch ein Elektroenzephalogramm (EEG). Dieses misst die elektrischen Signale im Gehirn. 

Bitte nicht den Sprachkurs beim Schlafen laufen lassen!

Mitautor Züst warnte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) allerdings davor, die Studienergebnisse falsch zu interpretieren: Zwar zeige das Experiment, dass es möglich ist, im Unbewussten zu lernen. Aber es sei nicht sinnvoll, sich nachts mit Vokabeln berieseln zu lassen, in der Hoffnung, dass etwas hängen bleibe. Vielmehr stört eine permanente Geräusch-Berieselung den gesunden Schlaf. Insofern könnte dies auch ungewollte Folgen haben. 

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Dem gestörten Schlaf auf der Spur

Trotzdem könnte die Erkenntnis, dass unbewusstes Lernen möglich ist, bei der Therapie verschiedener Krankheitsbilder helfen. Peter Young, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sagte: "Dies ist eine neue Dimension des Verständnisses von Schlaf." Er könne sich vorstellen, dass die Erkenntnisse bei der Rehabilitation nach Unfällen oder Krankheiten helfen könnten.

Beim Schlafen verarbeiten wir, was wir im wachen Zustand gelernt haben

Es ist bereits länger bekannt, dass im bewussten Zustand Erlerntes durch den Schlaf verfestigt wird, sagte Young: "Wer abends Flöte spielt, kann das Stück oft morgens besser, weil der Lerneffekt bei gutem Schlaf konsolidiert wird." Vor diesem Hintergrund zeige die neue Studie noch einmal "die Wichtigkeit von Schlaf für Lernvorgänge."

Mitautor Henke sieht auch mögliche Anwendungsfelder bei Menschen mit Lernschwierigkeiten. Möglicherweise könne ein zweistufiges Lernverfahren entwickelt werden, bei dem das Lernen im wachen Zustand durch das unbewusste Lernen im Schlaf ergänzt wird.

fs/af (dpa)

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