Leeuwarden startet ins Kulturhauptstadtjahr - mit kreativem Eigensinn | Kultur | DW | 26.01.2018
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Kultur

Leeuwarden startet ins Kulturhauptstadtjahr - mit kreativem Eigensinn

Valletta hat es vor einer Woche mit einem großen Fest vorgemacht. Jetzt beginnt auch Leeuwarden in Friesland, die zweite Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2018, mit den Eröffnungsfeierlichkeiten.

Es ist soweit. LF2018, unter dieser Kurzformel startet Leeuwarden-Fryslân an diesem Wochenende (26. - 28. Januar 2018) in das Europäische Kulturjahr. Die Hauptstadt der Provinz und andere Städte Frieslands haben sich viel vorgenommen: Das Programm des Jahres soll nachhaltig wirken und umweltfreundlich sein; man will von anderen europäischen Gesellschaften und Institutionen lernen und Kinder aus Problemvierteln mit weltberühmten Künstlern zusammenarbeiten lassen.

Ganz in diesem Sinne hat das Kulturhauptstadtjahr am Freitag (26.01.2018) in den friesischen Schulen begonnen. Pünktlich um 12 Uhr sangen zum Jahresauftakt die Kinder in fast allen Grundschulen 'Seis oere thús', das Lied von LF2018. Wer wollte, konnte diesen außergewöhnlichen Beginn online über #2018begjint mitverfolgen. Mit einer Nacht der Geschichtenerzähler beginnt das öffentliche Programm. In Museen, Kirchen, auf alten Booten und in privaten Wohnzimmern sollten am Freitagabend Hunderte Bürger Geschichten der Provinz Friesland erzählen. 

LF2018 setzt auf die Kreativität der Gemeinschaft

Die "mienskip", die Gemeinschaft, ist den Friesen wichtig. Auch beim Programm für das Jahr der Kulturhauptstadt wurde die Bevölkerung direkt beteiligt Die Bürger waren aufgerufen, über die Ideen und Standorte abzustimmen. Neben dem Hauptprogramm mit rund 100 Veranstaltungen gibt es viele weitere Programmpunkte von örtlichen Initiativen und für die lokale Bevölkerung. "Die Kulturhauptstadt lebt in den Herzen der Friesen", sagt der Direktor der Kulturhauptstadt, Tjeerd van Bekkum. "Die Gemeinschaft ist ein Nährboden von Kreativität."

Am Eröffnungswochenende füllen sich nun die Straßen und Plätze von Leeuwarden und anderen Städten mit Musik und Theater von internationalen Künstlern, die gemeinsam mit lokalen Akteuren auftreten. Die ganze Provinz ist Kulturhauptstadt, vom Wattenmeer an der Nordsee bis in die Wälder. Vom 1. bis 10. Juni zum Beispiel finden in Oranjewoud im Südosten von Friesland Konzerte in Wäldern und auf Landgütern statt, unter anderen mit dem britischen Violinisten Nigel Kennedy und dem jungen luxemburgischen Pianisten und Komponisten Francesco Tristano.

11 Wasserkunstwerke erinnern an vergangene Zeiten

Eines der größten Projekte ist "11Fountains", elf Wasserkunstwerke in elf Städten. Sie nehmen Bezug auf eine der bekanntesten Traditionen in Friesland: Die "Elfstedentocht" ist ein fast 200 Kilometer langes Eislaufrennen auf zugefrorenen Kanälen und Flüssen, das elf Städte in der Provinz miteinander verbindet. Seit 1909 wurden allerdings erst 15 Rennen gelaufen, zuletzt 1997. Weil die Winter milder und das Eis dünner wird - es muss an allen Stellen mindestens 15 Zentimeter dick sein - wird die Elfstedentocht zunehmend zu einer Erinnerung an vergangene Zeiten.

Für das Projekt "11Fountains" haben Künstler aus aller Welt große Wasserkunstwerke für die elf Städte entlang der Strecke geschaffen. Im Mai werden sie enthüllt. Sie sollen auch nach dem Ende des Kulturhauptstadt-Jahres stehen bleiben.

Kunst mit "Gefühl für den Ort"

Entlang der Nordseeküste entstehen im Wattenmeer unter dem Titel "Sense of Place" 25 Kunstwerke. Auf der Insel Vlieland legen Künstler, Autoren, Fotografen und Landschaftsarchitekten sieben Terrassen im Meer an, die Ende April vorgestellt werden. Mit ihnen werden besondere Orte der Insel markiert und die Geschichten der Bewohner dahinter dokumentiert.

Europäische Kulturhauptstadt 2018 - Leeuwarden (picture-alliance/dpa/F. Gentsch)

Der Wettergott meint es nicht freundlich mit Leeuwarden am Eröffnungswochenende

Und auf der Insel Terschelling entsteht ein gigantisches Labyrinth aus Drahtzäunen, die Struktur gleicht - aus der Luft betrachtet – dem abstrakten Gemälde "Pier en Oceaan" von Piet Mondriaan. Das Kunstwerk dient gleichzeitig dem Schutz der Küste.

Kultur mit Eigensinn

Seit das Wattenmeer 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt wurde, darf dort zwar kein künstliches Land mehr gewonnen werden, wie es jahrhundertelang in den Niederlanden betrieben wurde. Die Drahtkonstrukte helfen aber, einige Gebiete vor ständiger Überflutung zu schützen und dadurch zum Beispiel Seegras und Muschelbänke wachsen zu lassen: Ein Projekt, das Historie, Innovation und Kultur verbindet.

Die Friesen an der Nordsee pflegen bis heute ihre Selbstständigkeit und ihre Eigensinnigkeit. Das Programm, das die Macher zusammengestellt haben, spiegelt diese Eigenständigkeit und den Mut, anders zu sein, und gleichzeitig den Sinn der niederländischen Friesen für Tradition, Gemeinschaft und Geschichte.

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