Lebensgrundlage von Milliarden Menschen in Gefahr | Aktuell Welt | DW | 29.04.2020
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Arbeitsmarkt

Lebensgrundlage von Milliarden Menschen in Gefahr

Durch die drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist die Weltwirtschaft eingebrochen. Fast der Hälfte aller Arbeitskräfte droht nach Angaben der UN-Organisation der Verlust der Existenzgrundlage.

Volkswagen unterstützt soziales Projekt in Südafrika (picture-alliance/dpa/Volkswagen/F. Gentsch)

Arbeiterinnen in Südafrika

Insgesamt gibt es laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit fast 3,3 Milliarden Arbeitskräfte. Für fast jeden Zweiten bedeutet die Corona-Pandemie eine existenzielle Bedrohung der Lebensgrundlage. Betroffen seien vor allem 1,6 der zwei Milliarden Menschen, die irregulärer Arbeit nachgehen, also ohne Arbeitsverträge, und die oft von der Hand in den Mund leben, berichtet die ILO in Genf: "Für Millionen Arbeiter bedeutet kein Einkommen kein Essen, keine Sicherheit, keine Zukunft. Millionen Unternehmen rund um die Welt können kaum atmen. Sie haben keine Ersparnisse oder Zugang zu Krediten. Dies sind die wahren Gesichter der Arbeitswelt. Wenn wir ihnen jetzt nicht helfen, werden sie einfach untergehen."

Einkommensverluste zwischen 60 und 80 Prozent

Das Einkommen dieser Menschen sei im weltweiten Durchschnitt um 60 Prozent eingebrochen, in Afrika und Lateinamerika sogar um mehr als 80 Prozent. "Wir müssen an das menschliche Elend und die Not denken, die hinter diesen Zahlen stecken", sagte ILO-Direktor Guy Ryder. Er rief die Länder auf, soziale Hilfsprogramme aufzulegen und die internationale Gemeinschaft, ärmere Länder zu unterstützen.

Allein im zweiten Quartal dieses Jahres rechnet die ILO mit dem Verlust rund 305 Millionen Vollzeitstellen. Die Kalkulation der ILO basiert auf einem erwarteten Wegfall von Arbeitsstunden im zweiten Quartal verglichen mit dem letzten Quartal vor der Krise, dem vierten Quartal 2019. Diesen Wegfall von Arbeitsstunden rechnete die ILO in Jobverluste um. Bei ihren Berechnungen geht die ILO von in vielen Ländern noch üblichen 48-Stunden-Wochen aus. Auf eine europäische Woche mit 40 Arbeitsstunden oder weniger berechnet wäre der Arbeitsplatzverlust noch größer.

47 Millionen Arbeitgeber, gut die Hälfte aller Arbeitgeber weltweit, seien in den am schwersten betroffenen Sektoren aktiv, darunter an erster Stelle der Groß- und Einzelhandel. Zusammen mit den Selbstständigen seien insgesamt 436 Millionen Betriebe weltweit von schweren Einbrüchen bedroht.

Die ILO betonte, dass sich die wirtschaftliche Lage in allen Regionen der Welt infolge der Corona-Krise immer weiter verschlimmere. Mit Abstand am härtesten treffe es die Arbeitnehmer im informellen Sektor, die ohne Arbeitsverträge arbeiten.

qu/kle (dpa, rtr, epd)

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