Lauter düstere Zahlen aus der Wirtschaft | Wirtschaft | DW | 06.05.2020
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Konjunktur

Lauter düstere Zahlen aus der Wirtschaft

Die Corona-Krise trifft die deutsche Industrie in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Unternehmen bekommen kaum noch Aufträge, Autos verkaufen sich nicht mehr, die EU-Kommission erwartet eine "tiefe" Rezession.

Die deutschen Industriebetriebe sammelten im März 15,6 Prozent weniger Aufträge ein als im Vormonat. Das ist der stärkste Rückgang seitdem das Bundeswirtschaftsministerium diese Zahlen sammelt. Die Aufträge aus dem Inland sanken um 14,8 Prozent zum Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar um 16,1 Prozent zurück.

Ökonomen befürchten, es könne sogar noch schlimmer kommen. "Der März ist der Tragödie erster Teil", sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. "Der Einbruch der Auftragseingänge zeigt die Wucht, mit der Corona auf die deutsche Industrie trifft. Und dennoch ist das erst die eine Hälfte der Wahrheit, denn zu dem Kollaps der Neuaufträge wird auch eine Welle von Auftragsstornierungen kommen."

"Aufräumarbeiten noch Jahre"

Auch das Wirtschaftsministerium stellt zu der Bilanz ernüchtert fest: "Es ist von kräftigen Produktionsrückgängen ab März wegen Corona auszugehen." Schon im März brachen die Bestellungen bei Investitionsgütern brachen im März mit 22,6 Prozent überdurchschnittlich ein - dazu gehören Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen, die dann in der Produktion anderer Unternehmen eingesetzt werden könnten.

"Das Tief kommt dann möglicherweise im April, dann dürfte auch die Konsumgüterindustrie den Einbruch zu spüren bekommen", erwartet LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. "Eine Besserung ist nicht vor Mai zu erwarten, vorausgesetzt dass wir Lockerungen ohne erneutes Aufflammen der Pandemie sehen. Die Aufräumarbeiten werden die Wirtschaft noch Jahre beschäftigen."

"Beispielloser Markteinbruch"

Von einem "beispiellosen Markteinbruch" ist auch bei den deutschen Autoherstellern die Rede. Die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland sind allein im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 61 Prozent eingebrochen, meldete das Kraftfahrtbundesamt am Mittwoch. Insgesamt wurden rund 120.000 Pkw neu zugelassen - so wenig wie noch nie in einem Monat im wiedervereinigten Deutschland. Im April hatten die deutschen Pkw-Hersteller ihre Produktion nahezu vollständig eingestellt, die Autohändler öffneten erst gegen Ende des Monats wieder.

Deutschland Köln 2012 | Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe (picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd)

"... wie seit der großen Depression nicht mehr"

"Ökonomischer Schock"

Für die gesamte europäische Wirtschaft erwartet die EU-Kommission in diesem Jahr eine tiefe Rezession. Die Brüsseler Behörde geht in ihrer Frühjahrsprognose für das Jahr 2020 von einem Einbruch der EU-Wirtschaftsleistung von 7,4 Prozent aus. Das Ausmaß der Krise und die Stärke des anschließenden Aufschwungs dürften aber voraussichtlich von Land zu Land deutlich unterschiedlich ausfallen, so EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni.

Die Kommission erwartet, dass es Italien, Spanien, Griechenland und Kroatien mit einem Einbruch von jeweils über neun Prozent und Frankreich mit minus 8,2 Prozent am stärksten trifft. Deutschland muss nach der Prognose mit einem Minus von 6,5 Prozent rechnen. "Europa erlebt einen ökonomischen Schock, wie es ihn seit der großen Depression in den 1930er Jahren nicht mehr gegeben hat", fasste Wirtschaftskommissar Gentiloni die Prognose zusammen.

ar/hb (rtr, afp, dpa) 

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