Kurzarbeit in Corona-Krise kostet in Deutschland 46 Milliarden Euro | Aktuell Deutschland | DW | 19.02.2022
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Coronavirus

Kurzarbeit in Corona-Krise kostet in Deutschland 46 Milliarden Euro

Die Corona-Pandemie hat viele Arbeitnehmer in Deutschland zeitweise in die Kurzarbeit gezwungen. Die Bundesagentur für Arbeit hat nun erstmals die Gesamtkosten der Zahlungen für das Kurzarbeitergeld berechnet.

Seit Beginn der Corona-Krise in Deutschland Anfang 2020 habe die Kurzarbeit Kosten von etwa 42 Milliarden Euro verursacht, teilte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Detlef Scheele, mit. "Sollte die Krise in diesem Jahr zu Ende gehen, dürften es am Ende vielleicht 46 Milliarden Euro gewesen sein", sagte er der Düsseldorfer Zeitung "Rheinische Post". Dies sei "gut angelegtes Geld", betonte Scheele. Der Anstieg der Arbeitslosenzahl wäre "bis zu drei Mal teurer geworden". Auch sei die aktuelle Entwicklung bei der Kurzarbeit besser als noch Ende 2021 erwartet. "Die Zahlen bei der Kurzarbeit gehen nicht so hoch, wie wir das zu Beginn der vierten Corona-Welle im November noch prognostiziert hatten." Im Jahresschnitt 2022 "steuern wir auf gut 300.000 Menschen in Kurzarbeit zu".

Das Defizit der Bundesagentur werde am Jahresende allerdings über der Summe von einer Milliarde Euro liegen, die bisher kalkuliert worden sei, erläuterte der BA-Chef. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung steige 2023 wie bereits geplant auf 2,6 Prozent, müsse danach aber nicht weiter erhöht werden.

Inzidenz sinkt abermals

In Deutschland sinken derweil sowohl die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz als auch die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Inzidenz pro 100.000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 1350 an. Am Vortag hatte der Wert bei 1372 gelegen. Vor einer Woche betrug die Sieben-Tage-Inzidenz noch 1474. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten binnen eines Tages 189.105 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 209.789 Ansteckungen. Experten gehen allerdings von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt.

Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 210 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 198 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 13.445.094 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Corona-infizierten Patienten in den Kliniken je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen lag am Freitag bei 6,24. Am Donnerstag lag sie bei 5,97. Darunter sind auch viele Menschen mit positivem Corona-Test, die eine andere Haupterkrankung haben.

WHO: Pandemie noch nicht vorbei

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte davor, die Corona-Pandemie voreilig für beendet zu erklären. In einigen Ländern gebe es eine hohe Impfquote verbunden mit einer geringeren Gefährlichkeit der Omikron-Variante, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Dies nähre das gefährliche Narrativ, dass die Pandemie vorbei sei. "Aber das stimmt nicht", betonte er. Nicht, wenn 70.000 Menschen pro Woche an einer vermeidbaren und behandelbaren Krankheit sterben. Nicht, wenn 83 Prozent der Bevölkerung Afrikas noch nicht einmal eine erste Impfdosis erhalten hätten. Nicht, wenn Gesundheitssysteme noch immer unter der Zahl der Fälle ächzten. Und nicht, wenn es ein höchst übertragbares Virus gebe, das fast unkontrolliert zirkuliere. Die Bedingungen seien ideal, dass noch mehr übertragbare, gefährliche Varianten entstehen könnten, warnte der WHO-Generaldirektor.

WHO Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus

Man könne die Pandemie aber als globale Gesundheits-Notsituation beenden - man verfüge dazu über die Instrumente und das Know-how, so der WHO-Chef. In dem Zusammenhang erneuerte Tedros das WHO-Ziel, insbesondere von den reichen Staaten 16 Milliarden Dollar einzusammeln, um damit Impfstoffe, Tests, Medikamente und Masken in ärmeren Ländern zielgerichtet zur Verfügung zu stellen.

Besserer Schutz für Journalisten

Angesichts einer zunehmenden Bedrohung von Journalisten bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen verstärken viele Bundesländer ihre Schutzmaßnahmen für Medienschaffende. In mehreren Ländern bieten die deutschen Behörden bei Kundgebungen inzwischen spezielle Schutzzonen oder "Safe Spaces" an, von denen aus Journalistinnen und Journalisten sicher berichten können. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes unter den Landesinnenministerien und Landeskriminalämtern. Die Polizei in Sachsen, wo im vergangenen Jahr mit 27 Fällen besonders viele einschlägige Straftaten registriert wurden, setzt bei Bedarf sogenannte Medienschutzteams ein, um Berichterstatter direkt zu schützen.

Der Deutsche Journalisten-Verband hatte im Januar eine Zunahme gewaltsamer Übergriffe auf Pressevertreter bei "Querdenker"-Aktionen beklagt. Medienschaffende würden von Demonstranten unter anderem bedroht, bespuckt und attackiert, erklärte der Verband. Er forderte von Politik und Sicherheitsbehörden einen besseren Schutz von Journalistinnen und Journalisten.

kle/se (afp, dpa, epd)

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