Kroatien: Mit Bundesliga-Erfahrung ins WM-Finale? | Sport | DW | 11.07.2018
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Kroatien: Mit Bundesliga-Erfahrung ins WM-Finale?

Das DFB-Team ist bekanntlich schon längst nicht mehr bei der WM dabei. Die Bundesliga ist aber noch ganz gut vertreten - dank Kroatien. Im Halbfinale gegen England drücken viele Deutsche den Kroaten die Daumen.

FIFA Fußball-WM 2018 in Russland | Fans von Kroatien in Deutschland (picture-alliance/Pacific Press/A. Pohl)

Auch in Deutschland unterstützen Tausende Fans das kroatische Team

Auf den Straßen in Stuttgart, München und in anderen Städten haben Fans in den rot-weißen Karo-Shirts zu Tausenden die bisherigen Erfolge ihrer Helden in Russland gefeiert und hoffen nun auch auf einen Sieg Kroatiens am Mittwoch im Halbfinale gegen England (Anpfiff 20.00 Uhr MESZ, ab 19.45 Uhr im DW-Liveticker). Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben hierzulande 441.000 Kroaten mit Migrationshintergrund. "Wir können uns vorstellen, was in Europa los ist. Es gibt ja auch viele Kroaten in Deutschland. Es ist toll, Nachrichten aus aller Welt zu bekommen", sagt Hoffenheims kroatischer Bundesliga-Angreifer Andrej Kramaric. 

"Es ist einfach etwas ganz Besonderes mit dem Nationalteam nach all diesen Jahren", sagt Mario Mandzukic mit Blick auf den dritten Platz der Generation um den damaligen Torjäger und heutigen Verbandsboss Davor Suker 1998 in Frankreich. Mandzukic kam im Bosnienkrieg wie viele seiner Landsleute als Flüchtlingskind nach Deutschland. In der Bundesliga spielte er für den VfL Wolfsburg und den FC Bayern München.

"Deutschland ist unsere zweite Heimat"

Abwehrspieler Dejan Lovren kam als Dreijähriger nach München, lebte dort sieben Jahre. Der Profi des FC Liverpool spielte nie in Deutschland, spricht aber fließend Deutsch. "Ich hatte Glück mit Deutschland. Wenn sie uns dort nicht aufgenommen hätten, weiß ich nicht, wo wir hätten hingehen können", erzählte Lovren einmal. "Meine Mutter sagt immer: Deutschland ist unsere zweite Heimat - und das stimmt." Mit sechs oder sieben sei er immer zum Training des FC Bayern gegangen. "Ich habe mit den Superstars von damals Fotos gemacht: mit Bixente Lizarazu und Lothar Matthäus."

FIFA Fußball-WM 2018 in Russland | Dejan Lovren, Kroatien (Reuters/C. Recine)

Dejan Lovren nach dem Sieg im Elfmterschießen gegen Russland

Gleich sechs ehemalige und vier aktuelle Bundesliga-Spieler stehen im Team von Trainer Zlatko Dalic: neben Kramaric noch die große Offensiv-Entdeckung Ante Rebic von Eintracht Frankfurt sowie Tin Jedvaj von Bayer Leverkusen und Marko Pjaca vom FC Schalke 04. Vedran Corluka, heute Lokomotive Moskau, und Domagoj Vida von Besiktas Istanbul absolvierten einst eine halbe beziehungsweise ganze Saison bei Bayer Leverkusen, schafften aber nie den Durchbruch. Milan Badelj stand von 2012 bis 2014 beim Hamburger SV unter Vertrag und kickt seitdem für den AC Florenz. Noch bekannter ist Ivan Perisic von Inter Mailand: Mit Borussia Dortmund war er 2012 deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, drei Jahre später holte er den Cup auch mit dem VfL Wolfsburg. 

Ivica Olic: Kämpferherz auf der Bank

Der in der Schweiz geborene Ivan Rakitic nutzte einst Schalke als Sprungbrett und ist heute Mittelfeld-Star beim FC Barcelona. "Wir setzen uns nicht noch mehr unter Druck mit dieser Sache von 1998. Das ist schon beeindruckend, was diese Mannschaft damals erreicht hat, aber wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben", sagt der 30-Jährige. "Wir möchten weiter diese WM genießen, das ist einfach das Größte für uns."

FIFA Fußball-WM 2018 in Russland | Ivica Olic, Co-Trainer Kroatien (Reuters/D. Sagolj)

Olic (M.) ist als Assistent zum Zuschauen verdammt

Ivica Olic wird wieder auf der Bank sitzen: Der 38-Jährige, einst ein Rackerer in der Offensive des Hamburger SV, FC Bayern und VfL Wolfsburg, ist mittlerweile Assistent von Dalic. "Er hat als Spieler fast alles erlebt und sein Kämpfergeist, sein Optimismus und seine positive Art sind für uns sehr nützlich", sagt der Nationaltrainer. Olic hatte im vergangenen Jahr - wie einst der 98er-Torjäger Suker - seine Karriere bei 1860 München beendet. Das Zuschauen muss er noch lernen. Nach den Elfmeterschießen im Achtelfinale gegen Dänemark und im Viertelfinale gegen Russland war er fix und fertig: "Furchtbar, ich konnte da nicht hinschauen." Beim Spiel gegen England sollte Olic aber hinschauen. Schließlich könnte er Zeitzeuge eines historisches Ereignisses werden: des ersten Einzugs Kroatiens in ein WM-Finale. 

sw/sn (dpa, sid)

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