Kritik an Kabuls Boykott von Moskauer Konferenz | Asien | DW | 09.11.2018
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Afghanistan-Konferenz in Moskau

Kritik an Kabuls Boykott von Moskauer Konferenz

Zu der eintägigen internationalen Friedenskonferenz für Afghanistan hat die Kabuler Regierung keine Vertreter entsandt. Ein Fehler, sagen afghanische Beobachter.

Im Februar dieses Jahres hatte Präsident Ashraf Ghani ein Friedensangebot an die Taliban gemacht, die Gruppe könne sogar als politische Partei anerkannt werden, sagte er. Trotz Kritik an seinem Vorgehen, weil aus einer Position der Schwäche resultierend, erneuerte Ghani sein Angebot im Juli. Er bot eine  Waffenruhe ohne Bedingungen an, gefolgt von einem Kleriker-Treffen, auf dem die Gewalt der Aufständischen als un-islamisch verurteilt wurde. Die Taliban ihrerseits wollten aber nur eine dreitägige Waffenruhe zugestehen.

Im Gegensatz zu diesen scheinbaren Gesprächsbemühungen steht die Abwesenheit von Regierungsvertretern aus Kabul bei der eintägigen internationalen Afghanistan-Konferenz, die heute in Moskau unter Vorsitz von Außenminister Lawrow stattfand. Die Taliban hatten ihrerseits Vertreter zu der Konferenz entsandt, um "Meinungen über Wege zu einer friedlichen Lösung auszutauschen." Die Konferenz war ursprünglich für den 4. September geplant. Damals hieß es von Seiten der Kabuler Regierung, man brauche mehr Zeit zur Vorbereitung.

Aghanistan, Kabul: Ashraf Ghani auf einer Pressekonferenz (picture-alliance/AP/R. Gul)

Präsident Ashraf Ghani schwankt zwischen Angebot und Verweigerung von Gesprächen

"Kabul hat Teilnahme von Afghanen hintertrieben"

Aus informierten Kreisen in Kabul heißt es allerdings, dass die Regierung Ghani jegliche Teilnahme von prominenten afghanischen Politikern an der heutigen Konferenz in Moskau aktiv hintertrieben habe. Dies behauptet jedenfalls ein früherer Taliban-Funktionär, Wahiod Muzdah, gegenüber der DW. Die russische Botschaft in Kabul habe auf Bitten  der dortigen Regierung Einladungsschreiben an verschiedene afghanische Politiker sowie an Ex-Präsident Karsai zurückgezogen – was wiederum von Kabuler Seite und von Karsais Sprecher bestritten wird.

Im Endeffekt nahm allein der hohe Friedensrat, ein unabhängiges Gremium, das im Auftrag der Regierung Gespräche mit den Taliban führen soll, von afghanischer Seite an dem Moskauer Treffen teil. Von Seiten der USA war nur ein Vertreter der amerikanischen Botschaft in Moskau als Beobachter anwesend.

"Washington will nicht, dass Russland eine größere Rolle im afghanischen Friedensprozess spielt", sagt Khalid Sadat, Politologe an der Universität Kabul, gegenüber der DW. "Washington setzt auf seinen Sonderbotschafter für Afghanistan, Salmai Khalilsad, und dass dieser Erfolge erzielen kann." Allerdings haben auch dessen jüngste Gespräche mit Taliban-Vertretern in Katar sowie mit pakistanischen und afghanischen Vertretern keine Fortschritte gebracht.

Afghanistan Kabul - Ashraf Ghani und Jens Stoltenberg (Reuters/M. Ismail)

NATO-Generalsekretär Stoltenberg in Kabul: "Taliban müssen Nutzlosigkeit ihres weiteren Kampfes einsehen"

"Kabuls Politik verlängert den Krieg"

"Jegliche Friedensinitiative, in welchem Land auch immer sie ergriffen wird, muss die Führung und Zuständigkeit Afghanistans im Friedensprozess anerkennen", erklärte der afghanischen Außenamtssprecher Sebgatullah Ahmadi gegenüber der DW zur Begründung für die Abwesenheit der Regierung auf der Moskauer Konferenz. Die Taliban ihrerseits beharren auf ihrer Position, dass sie erst dann zu Gesprächen mit Kabul bereit seien, wenn und nachdem die NATO ein Datum für Abzug aller ihrer Kräfte aus Afghanistan festgesetzt hat.

Der Experte Sadat hält jedenfalls die Entscheidung Kabuls, der Moskauer Konferenz fernzubleiben, für einen Fehler. Die Untergrabung von Friedensinitiativen wie jetzt in Moskau werde nur den Krieg in Afghanistan verlängern. "Als ein Land, das dringend Frieden benötigt, sollten wir auf keinen Fall Chancen für Gespräche mit den Taliban verstreichen lassen", sagt Sadat gegenüber der DW. "Je mehr Zeit vergeht, desto größter wird der Preis, den Bevölkerung und Regierung für Frieden zahlen müssen." 

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