Koreagipfel abgesagt: Seoul unter Schock | Asien | DW | 24.05.2018
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Brief aus Washington

Koreagipfel abgesagt: Seoul unter Schock

Am 12. Juni wollten sich US-Präsident Trump und Nordkoreas Kim Jong Un in Singapur treffen. Doch jetzt sagte Trump ab - per Brief. Die südkoreanische Regierung steht unter Schock.

Auf die Nachricht von der Absage folgte die Krisensitzung: Südkoreas Präsident beriet mit seinen führenden Sicherheitsberatern über das weitere Vorgehen. Aus dem Seouler Präsidentenamt hieß es zunächst, dass man die Hintergründe und Umstände für Trumps Entscheidung in Erfahrung bringen müsse - ein klares Zeichen für den Schock, den die Absage des Gipfels in Seoul hinterlassen hat. Schließlich war Moon erst am Mittwoch zu gemeinsamen Gesprächen mit dem US-Staatschef in Washington.

"Die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und die Etablierung von Frieden sind historische Aufgaben, die weder aufgegeben noch verschoben werden können”, sagte Südkoreas Präsident Moon schließlich: "Ich bin sehr perplex, und es ist äußerst bedauerlich, dass der US-Nordkorea-Gipfel nicht wie geplant am 12. Juni stattfinden wird”.

Kein Kommentar aus Japan

Unterdessen wächst die Gefahr, dass Trumps Entscheidung zu einem Riss in der jahrzehntealten Allianz zwischen Seoul und Washington führen könnte. Auch in China und Russland wird man den US-Präsidenten für das Scheitern des Gipfeltreffens verantwortlich machen. Japans Premierminister Shinzo Abe, der sich derzeit zu Gesprächen mit Putin in Russland befindet, ist bislang mit keiner Stellungnahme an die Öffentlichkeit getreten.

"Trump sagt das Treffen mit Kim aufgrund dessen scheinbarer Feindseligkeit ab. Aber wer ist hier feindselig? Wir können diese Verzerrung nicht unkommentiert stehen lassen", schreibt die Friedensaktivistin Christine Ahn auf ihrem Twitter-Account. Ahn hat unter anderem die Nichtregierungsorganisation Women Cross DMZ gegründet.

Sie spiegelt eine Wahrnehmung wider, die viele Südkoreaner teilen: Während Pjöngjang in den letzten Wochen mit durchaus beachtlichen Zugeständnissen seinen guten Willen gezeigt hat, verärgerte der US-Präsident mit seinen "Libyen-Vergleichen", der Aufkündigung des Iran-Vertrags und der Entsendung von B-52-Langstreckenbombern vor Nordkoreas Landesgrenze die Parteikader in Pjöngjang.

Schock in Nordkorea

Der CNN-Journalist Will Ripley befindet sich gerade zur Berichterstattung über die Sprengung der nordkoreanischen Atomtestanlage Punggye-ri in Nordkorea. Als die Nachricht über Trumps Absage an das Gipfeltreffen öffentlich wurde, saß Ripley in einem Raum mit Regierungsbeamten. "Ich kann versichern, dass jeder aufrichtig schockiert war; schließlich haben sie gerade ihre Atomtestanlage gesprengt”, teilte Ripley auf seinem Sender mit.

Nordkorea Atomtestgelände Punggye-ri (Reuters/2018 DigitalGlobe, a Maxar company)

"Schließlich haben sie gerade ihre Atomtestanlage gesprengt” - Fassungslosigkeit in Nordkorea

Von der NGO Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) heißt es in einer ersten Stellungnahme: "Die Welt kann Donald Trump nicht blind vertrauen, den Weltfrieden sicherzustellen. Nord- und Südkorea könnten dennoch dem Abrüstungsvertrag beitreten und die koreanische Halbinsel schlussendlich denuklearisieren."

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