Konjunkturpakete: Fünf Stellschrauben für Jobs und Klima | Wissen & Umwelt | DW | 18.06.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Wissen & Umwelt

Konjunkturpakete: Fünf Stellschrauben für Jobs und Klima

Die globale Wirtschaft bricht ein. Mit viel Geld wollen Regierungen gegensteuern. Es geht um Jobs und um eine Wirtschaft mit Zukunft, die zum Klimaschutz passt. Die DW schaut auf fünf Maßnahmen mit viel Potential.

750 Milliarden Euro will die EU in den Wiederaufbau investieren. Mit Fokus auf Zukunftstechnologien soll der European Green Deal zum Motor für neue Arbeitsplätze werden. Das deutsche Konjunkturpaket von 130 Milliarden Euro setzt nun ebenfalls Impulse für mehr Klimaschutz. Die DW schaut auf fünf Ideen.

1. Energie

Die Zukunft gehört vor allem der Solarenergie. Schon heute erzeugt sie oft den günstigsten Strom.  Zusammen mit der Windkraft und Speichertechnologien sorgen die erneuerbaren Energie für eine preiswerte Energieversorgung  und neue Jobs. Laut einer finnischenStudie der LUT University wird sich die Zahl der Arbeitsplätze bei einer Umstellung auf erneuerbare Energien im Vergleich zu heute um fast 50 Prozent erhöhen. 

Bei einem ambitionierten Umstieg der Energieversorgung bis 2040 sei laut aktueller LUT-Folgestudie die Einhaltung des Parisers 1,5-Grad Ziels noch möglich. 

Bislang wird der Ausbau von Sonnen- und Windenergie jedoch oft ausgebremst

Mehr dazu: Klimaneutrale Energie weltweit mit mehr Jobs und günstiger: Wie geht das?

Infografik: Was kostet Strom heute in Europa? Kostenvergleich aller Technologien Windkraft Photovoltaik Solarpanels Erdgas Steinkohle Braunkohle Atomkraft Verglichen werden die Kosten für die Stromerzeugung von neuen und alten Anlagen und die Folgekosten für Gesundheit, Umwelt und Klima. Die Externen Kosten sind bei Kohlekraft und Atomkraft Kernkraft besonders hoch. Bisher gibt es eine Verzerrung des Wettbewerbs, da die Kostenverursacher nichts zahlen. Mit Steuern oder z.B. einem Preis für CO2 oder Uran können diese Kosten eingepreist werden.

2.   Mobilität

Die meisten unserer genutzten Transportmittel wie etwa Autos brauchen Erdöl und verursachen damit  CO2-Emissionen. Die Konjunkturprogramme geben nun Impulse für eine andere Art von Mobilität. Gefördert werden sollen der Ausbau des Zug- und öffentlichen Nahverkehrs, Radwege, Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur für Elektroautos.

Eine besondere Herausforderung ist die Wende in der Schifffahrt und im Flugverkehr. Hier sind Batterien keine Option, sie wären zu groß und zu schwer. Der Flugverkehr lässt sich durch Verlagerung auf die Schiene reduzieren. Zudem kann Diesel und Kerosin durch synthetische Kraftstoffe ersetzt werden, die aus grünem Strom und Wasserstoff klimaneutral erzeugt werden könnten. 

Mehr dazu: Luftfahrtkrise: Start für Klimaschutz?

Teststrecke mit Oberleitung auf der Autobahn 5 bei Frankfurt. Ein E-LKW fährt mit dem Strom der Oberleitung. Während der Fahrt kann er den Stromabnehmer an und abkoppeln. So kann er auch überholen. Zudem kann eine Batterie aufgeladen werden. Für die Elektrifizierung des Schwerlastverkehr sind Oberleitungen volkswirtschaftlich besonders günstig und das effizienteste System.

PKW fahren zukünftig vor allem mit Batterie; bei Bus und LKW helfen Oberleitungen zum Laden während der Fahrt

3. Wohnen

Durch das Heizen mit Kohle, Öl und Erdgas wird weltweit viel CO2 freigesetzt. Häuser lassen sich sanieren und brauchen dann rund 80 Prozent weniger Energie. Der restliche Wärmebedarf lässt sich vor allem mit strombetriebenen Wärmepumpen decken sowie zu einem kleineren Teil auch mit Sonnenkraft und Biomasse.

Diese Modernisierung schafft Jobs und belebt die Konjunktur. In Deutschland ließen sich so laut Studie mit einem staatlichen Zuschuss von 12 Milliarden Euro 80.000 Jobs in den nächsten fünf Jahren sichern. Positiver Nebeneffekt: Die Heizkosten sinken. 

Mehr dazu: Klimafreundlich wohnen. Wie geht das? 

Wohnanlage in Frankfurt. Oben auf dem Dach sind solarthermische Kollektoren für Warmwasser und Heizung und Solarmodule (Panels), für die Stromerzeugung. Im Gebäude ist ein großer Wassertank, der die Wärme für die Heizungen und Heißwasser speichert. Mit Hilfe von einem zusätzlichen Wärmespeicher (Eisspeicher) im Garten und Wärmepumpen nutzt die Wohnanlage das ganze Jahr die Energie aus der Sonne und braucht kein Erdöl und Erdgas. In der Wohnanlage werden keine Zusatzkosten für Heizung erhoben. Ein Teil Wohnung sind besonders günstig (Sozialwohnungen)

Wohnsiedlung in Frankfurt: Solarkollektoren und Wärmepumpe heizen das ganze Jahr, Energiekosten werden gespart

4. Produktion    

Die Industrie ist abhängig von endlichen Rohstoffen wie Öl, Gas und Kohle. Das lässt sich ändern: Chemikalien, Kunststoffe und Stahl können mit Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen klimaneutral produziert werden.

Allerdings gibt es diese Kraftstoffe bisher kaum. Im Vergleich zu denen aus Erdöl sind sie bislang zu teurer und konnten sich ohne Förderung am Markt nicht durchsetzen. Nun soll die Produktion aufgebaut werden. Die deutsche Regierung will mit dem Konjunkturpaket sieben Milliarden Euro investieren.

Mehr dazu: Synthetische Kraftstoffe für Luftfahrt und Industrie

Aus Strom, Wasser wird in dieser Pilotanlage in Dresden mit Hilfe der Elektrolyse (SOEC) von der Firma Sunfire Wasserstoff und dann mit Hilfe von CO2 synthetisches Öl. Klimaneutrale Kraftstoffe lassen sich so herstellen. Die Technik hat eine große Zukunft und ist ein sehr wichtiger Schlüssel für die zukünftige Energieversorgung.

Hier in Dresden wird aus Windstrom Wasser und CO2 synthetisch Öl hergestellt. Nun soll die Massenproduktion beginnen.

5. Ernährung

Potential für neue Jobs bietet auch die Landwirtschaft. Der Anbau von ökologischen Lebensmitteln ist im Vergleich zum konventionellen Landbau deutlich arbeitsintensiver.

Die EU Kommission will mit der Farm to Fork Strategy die landwirtschaftliche Produktion verändern und damit mehr Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität erreichen. Geplant ist eine Halbierung beim Einsatz von Pestiziden auf dem Acker und Antibiotika in der Tiermast bis 2030. Für Mensch und Tier ist das gesünder. 

Umweltverbände fordern zudem eine Neujustierung der EU-Zuschüsse an die Landwirte. Wer nachhaltig produziert, soll zukünftig belohnt werden und mehr Geld bekommen.

Mehr dazu: Klimarettung mit mehr Humus im Boden

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema