Komponist und ″El Sistema″-Gründer Antonio Abreu ist tot | Aktuell Amerika | DW | 25.03.2018
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Venezuela

Komponist und "El Sistema"-Gründer Antonio Abreu ist tot

Der venezolanische Musiker und Komponist starb nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren, wie seine Familie mitteilte. Berühmt geworden war Antonio Abreu durch ein weltweit beachtetes Jugendmusikprojekt.

José Antonio Abreu war Ökonom, Pianist, Cembalo- und Orgelinterpret. Weltbekannt aber wurde er in den 1970er-Jahren durch die Gründung des vielfach kopierten Musikbildungsprogramms Venezuelas: das Kinder- und Jugendorchesterprojekt "El Sistema" (Das System).

Gemeinsam mit elf weiteren Musikern gründete Abreu 1975 das Projekt in einem Arbeiterviertel von Caracas, um jungen Menschen über die Musik einen Ausweg aus der Armut ermöglichen. Mit der Zeit entstand ein Netz von Klassikorchestern und Chören für Kinder und Jugendliche, das sich heute über das ganze Land erstreckt. Mittlerweile besteht "El Sistema" aus mehr als 1500 Orchestern und Chören mit insgesamt rund 900.000 Mitwirkenden.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro würdigte Abreus "großes moralisches, ethisches und kulturelles Vermächtnis" und ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Der Maestro ist von uns gegangen. Danke für alles, was Sie uns gegeben haben", so Maduro.

Antonio Abreu - Träger des Bundesverdienstkreuzes

Der venezolanische Bildungsminister Elías Jaua schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, der "große Venezolaner" und "Maestro" habe den Kindern und Jugendlichen Venezuelas ein "schönes Erbe" hinterlassen. Gustavo Dudamel, Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic Orchestra und Abreus berühmtester Zögling, twitterte: "Mit hingebungsvoller Liebe und ewiger Dankbarkeit für meinen Mentor und Vater von El Sistema" - zusammen mit einem Foto von ihm und "El Maestro".

Jose Antonio Abreu, Dirigent Venezuela (Getty Images/AFP/T. Coex)

Jose Antonio Abreu bei einer Probe mit jugendlichen Musikern in Caracas

Abreu erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1993 den Internationalen Musikpreis der UNESCO, 2005 das Bundesverdienstkreuz für seine außerordentlichen Verdienste um die musikalische Erziehung, 2008 den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis für Kunst und ein Jahr später den Orden der französischen Ehrenlegion.

Unklares Verhältnis zu Venezuelas Machthabern 

Der britische Star-Dirigent Sir Simon Rattle, einer der wichtigsten ausländischen Mitarbeiter von "El Sistema", erklärte 2010, Abreu habe den Friedensnobelpreis verdient. Tatsächlich wurde sein Name zwei Jahre später für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Jose Antonio Abreu, Dirigent Venezuela (picture-alliance/dpa/F. Neumayr)

Abreu eröffnete 2013 die Salzburger Festspiele

Während der zweiten Amtszeit des venezolanischen Präsidenten Carlos Andres Pérez (1989 bis 1993) war Abreu Kulturminister. Zur Zeit der Präsidentschaft von Hugo Chávez (1999 bis 2013) erlebte "El Sistema" einen außergewöhnlichen Aufschwung. Die Opposition warf Abreu eine "zu große Nähe zu den Machthabern" vor.

Wie seine Angehörigen mitteilten, starb Abreu am Samstag nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren in Caracas.

cw/mak (afp, dpa)

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