Kommentar: Varoufakis geht zu spät | Europa | DW | 06.07.2015
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Europa

Kommentar: Varoufakis geht zu spät

Premier Tsipras opfert seinen Finanzminister Varoufakis. Stoppt das den Grexit noch? Der Professor hat auf der ganzen Linie versagt, meint Bernd Riegert.

Mit seinem überraschenden Abgang hat der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis seinem Land wohl den bisher größten Dienst erwiesen. Sein Abgang erleichtert neue Verhandlungen über ein drittes Rettungspaket mit den Geldgeber enorm, wenn es síe überhaupt noch geben sollte.

Niemand traute dem selbstgefälligen Provokateur in der Runde der Euro-Finanzminister. Varoufakis hat es mit seiner schnoddrigen Verhandlungstaktik geschafft, das Vertrauen der übrigen 18 Minister zu zerstören. Er hatte keine Verbündeten, nie. Er konnte die europäischen Parnter, die er brauchte, nie überzeugen.

Doch sein Rückzug kommt zu spät. Zusammen mit seinem Premierminister hat der Ökonom sein Land in den Bankrott geführt. Es ist nur noch einen Wimpernschlag vom Ausscheiden aus der Euro-Zone entfernt.

Der unangepasste Popstar der Syriza-Bewegung mag ein brillanter Wissenschaftler gewesen sein, ein guter Politiker war er nie. Das hat er mehrfach über sich selbst gesagt. Nun hat er aus dieser Selbsterkenntnis endlich die Konsequenz gezogen.

Frechheit siegt am Ende doch nicht

Europa-Korrespondent Bernd Riegert

Bernd Riegert ist Europa-Korrespondent in Brüssel

In den fünf Monaten seiner Amtszeit hat er stur an seinen Thesen aus dem Wahlkampf und seinen Büchern festgehalten. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, ein Profi beim Gewähren von Interviews.

Dann fing Yanis Varoufakis an, die Unwahrheit zu sagen, zu tricksen, seine Verhandlungspartner zu beschimpfen und zu beleidigen. Er brach alle Spielregeln der Euro-Gruppe und hat bis zum Schluss nicht eingesehen, dass es Hilfe von den Kreditgebern nur gegen Bedingungen geben kann.

Yanis Varoufakis hat seinen "Partnern", die er als Erpresser, Terroristen und Folterknechte beschimpfte, oft zu widersprüchliche Signale gegeben. Einerseits hat er gesagt, die Deutschen hätten schon zu viel für die Rettung Griechenlands bezahlt, er wolle nicht noch mehr Geld, andererseits verlangte er von den Kreditgebern die Alimentierung Griechenlands und einen gigantischen Schuldenerlass. Das konnte niemand in der Euro-Gruppe verstehen.

Keine Reformen - nirgends

In seinem Ministerium, das er wohl selten von innen sah, hat er nicht viel bewirkt. Nicht, dass Yanis Varoufakis am Zustand seines Ministeriums Schuld wäre. Das haben viele seiner Vorgänger besorgt.

Seine Schuld ist, dass er durchgreifende Reformen nicht angepackt hat. Er hat viel geredet und wenig gehandelt. Die Steuereinnahmen des Staates sind eingebrochen. Dafür hat er eine Mitverantwortung.

Schon fast zynisch hat er über die griechische Steuerpolitik gesagt, nicht die Höhe der Mehrwertsteuer sei in Griechenland das Problem. Die Steuerverwaltung sei einfach unfähig, sie zu erheben und einzutreiben. Als Minister hätte er wenigstens versuchen können, das zu ändern.

Der Rücktritt ist eine Erlösung für die Eurogruppe und hoffentlich auch für die Griechen. Er kam nicht ganz freiwillig, wenn man die verschwurbelten Statements im Blog von Varoufakis richtig interpretiert. Premier Alexis Tsipras hat Varoufakis als Angebot an die Gläubiger geopfert. Dieses Opfer hätte vor zwei, drei Wochen vielleicht noch helfen können, jetzt kommt es wahrscheinlich zu spät.

Nun kann der schrille Professor Yanis Varoufakis endlich seinen Marktwert als eloquenter Rebell im Medienzirkus nutzen. Er wird sicher ein Buch über seine kurze Zeit als schlechtester Finanzminister und größte Nervensäge der Euro-Zone schreiben und seinen "übermenschlichen" Einsatz gebührend würdigen. Bitte kaufen Sie das Buch nicht, hören Sie sich seine Vorträge nicht an und schauen Sie keine Talk-show mit ihm.