Kommentar: Trump gegen Huawei - Das Ende des Smartphones? | Kommentare | DW | 26.05.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Handelsstreit USA-China

Kommentar: Trump gegen Huawei - Das Ende des Smartphones?

Der Handelskonflikt zwischen Washington und Peking schaukelt sich immer weiter hoch. Derzeit im Visier: Huawei, erfolgreicher Telekommunikationskonzern aus China. Wo soll das bloß enden, fragt sich Henrik Böhme.

Jeden Tag stellt sich die Frage: Was kommt als Nächstes? Seit sich die Hoffnung, Amerikaner und Chinesen könnten sich auf ein Handelsabkommen einigen, bis auf Weiteres zerschlagen hat, geht der bange Blick auf die Twitter-Timeline des US-Präsidenten. Wen knöpft er sich heute vor in diesem "Tech-Cold-War"?

Im Moment ist es Huawei, ebenso erfolgreicher wie umstrittener Anbieter von Mobilfunk-Netzwerktechnik und Smartphones. Mittels eines Kniffs von Donald Trump, nämlich den nationalen Telekommunikations-Notstand auszurufen, ist die chinesische Firma plötzlich ernsthaft in Bedrängnis geraten. In den USA und anderen Ländern beim Ausbau des Mobilfunknetzes auf die allerneueste 5G-Technik ausgeschlossen worden zu sein, schien noch verkraftbar. Jetzt aber, mit Ausfuhrverboten für US-Firmen, die Huawei mit Bauteilen beliefern, und ohne Zugriff auf das Android-Betriebssystem samt wichtiger Google-Apps, könnte es eng werden.

Peking gegen Apple?

Wird sich Peking das gefallen lassen?Natürlich nicht. Wie werden sie antworten? Es liegt nahe, sich Apple als Ziel auszusuchen. Zunächst könnte es ein Verkaufsverbot in China geben. Klingt noch milde, könnte Apple aber schon mal hart treffen. Im Januar war das zu besichtigen. Da musste der Konzern allein wegen sinkender Verkaufszahlen in China eine Umsatzwarnung herausgeben - erstmals seit zehn Jahren. Sollte das China-Geschäft gänzlich ausfallen, könnte der Überschuss von Apple um satte 30 Prozent einbrechen, haben Analysten von Goldman Sachs errechnet.

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Eskalationsstufe Nummer 2: ein Herstellungsverbot für iPhone und Co. in China. Die allermeisten Geräte des Premium-Herstellers werden im Reich der Mitte, zum Beispiel bei Firmen wie Foxconn, zusammengeschraubt. Darunter würden freilich auch diese Auftragsfertiger leiden, aber vor allem für Apple wäre das ein K.o.-Schlag. Selbst wenn man anderswohin ausweichen könnte, nach Indonesien oder Vietnam: Das dauert! Und die Hoffnung von Donald Trump - "dann machen wir das eben zu Hause" - würde den Preis eines iPhones drastisch verteuern. Ganz abgesehen von einem dramatischen Mangel an spezialisierten Arbeitskräften in den USA, die in China in Millionenstärke vorhanden sind. Schon durch die Verhängung von Strafzöllen auf aus China importierte Güter könnte Apple gezwungen sein, die Preise für die ohnehin teuren Geräte weiter zu erhöhen - um bis zu 14 Prozent, hat J.P. Morgan ausgerechnet.

Leiden würden alle

Das Problem dieses Streits, wie immer er ausgeht, ist nur: Das wird sich nicht auf Huawei oder Apple beschränken lassen. Denn gerade die Herstellung von Smartphones ist ein Musterbeispiel dafür, wie Globalisierung funktioniert. In so einem Huawei-Gerät stecken unendlich viele Teile aus den USA. Also würde den Zulieferern dort ein wichtiger Kunde fehlen. Leiden würde aber auch der japanische Sony-Konzern: Die statten nahezu alle Smartphones der Welt mit ihren Kamera-Chips aus. Kein iPhone kommt ohne Displays von Samsung aus. Und dann ist da noch der britische Chip-Spezialist ARM: Dessen Produkte sind sozusagen das Fundament aller Speicherchips, die in Smartphones verbaut werden. Was immer sich Huawei einfallen ließe, die Lieferblockaden der US-Chiphersteller zu umgehen: Ohne die ARM-Architektur geht nichts. Und die Briten haben Richtung Huawei den Hahn ebenfalls zugedreht. Will sagen: Hier könnte eine ganze Branche ins Rutschen kommen.   

Die Situation erinnert an die "Schwarzen Listen" des Westens in Zeiten des Kalten Krieges. Demnach war es verboten, Ostblock-Ländern wie der DDR bestimmte elektronische Bauteile für deren damals entstehende Halbleiter-Industrie zu liefern. Für die DDR bedeutete das, ihre Devisenreserven zu großen Teilen dafür auszugeben, irgendetwas Eigenes zu entwickeln. Auch das trug zum Untergang der sozialistischen Planwirtschaft bei. Nun wird China gewiss nicht wegen der Huawei-Blockade untergehen. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Chinesen sind nicht die Guten in diesem Spiel. Es ist sicher auch für Europa gut, dass Donald Trump sich mit dem Reich der Mitte anlegt. Es wäre nur irgendwie blöd, wenn wir am Ende wieder via Festnetz-Wählscheiben-Telefon kommunizieren müssten oder mit Rauchzeichen, weil es leider keine Smartphones mehr gibt.   

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema