Kommentar: Treibt selber Sport! | Kommentare | DW | 28.12.2015
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Kommentare

Kommentar: Treibt selber Sport!

Vom Sportjahr 2015 bleibt nicht viel Positives. Korruption, Doping, die FIFA-Krise, das lädierte Sommermärchen. Da bleibt nur, an sich selbst zu arbeiten, meint DW-Redakteur Tobias Oelmaier.

Was für ein Ende des Sportjahres 2015: FIFA-Präsident Blatter und UEFA-Chef Platini für acht Jahre gesperrt. Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes konnte den beiden Spitzenfunktionären zwar keine direkte Korruption nachweisen, hielt aber eine Zwei-Millionen-Zahlung von Blatter an Platini für dubios genug, um den umstrittenen FIFA-Boss abzuservieren - und mit ihm seinen potentiellen Nachfolger. Die von vielen unterstellten Machenschaften in Bezug auf die Vergabe der WM 2022 nach Katar waren offenbar nicht gerichtsfest.

Die Akte Blatter war wohl die dickste im breiten Register der unerfreulichen Sportmeldungen des Jahres. Und sie ist noch nicht geschlossen. Schließlich hat Blatter angekündigt, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen zu wollen, um die Sperre anzufechten.

Immer mehr Sportliches wird inzwischen von Gerichten geregelt. Die Staatsanwaltschaft hat sich längst in die Aufarbeitung der Sommermärchen-Affäre eingeschaltet, in deren Rahmen DFB-Präsident Niersbach seinen Hut nehmen musste. Selbst die Fußball-Lichtgestalt Beckenbauer ist nicht mehr sicher und hat von ihrem Glanz verloren.

Russlands Leichtathleten dürfen wohl nicht an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen, weil eine deutsche TV-Dokumentation systematisches Doping, systematische Verschleierung und systematische Bestechung von IAAF-Funktionären aufgedeckt hat. Immerhin ist in Deutschland nach langem Ringen ein Anti-Doping-Gesetz verabschiedet worden, das die unerlaubte Leistungsmanipulation und vor allem deren Förderung zum Straftatbestand macht.

Tobias Oelmaier (Foto: DW)

DW-Redakteur Tobias Oelmaier

Genug ist genug

Vielen Menschen hierzulande reicht es inzwischen mit dem Funktionärs-Filz. Im November haben sich die Hamburger gegen eine Olympia-Bewerbung ihrer Stadt ausgesprochen. So wie es zuvor schon die Einwohner von München und Garmisch getan hatten, als es um die Winterspiele 2022 ging. Die werden nun von der Wintersport-Hochburg Peking ausgetragen. Die einzig verbliebene Alternative wäre Almaty in Kasachstan gewesen.

Das Sportjahr 2015 brachte jede Menge schmerzvolle Wahrheiten ans Licht, jede Menge Enttäuschungen. Auch für die, die immer noch an das Gute geglaubt hatten. Schalke 04 ließ das Idol Julian Draxler zu den Neureichen nach Wolfsburg ziehen, Bayerns Noch-Trainer Guardiola ätzte nicht nur den langjährigen "Doc" Müller-Wohlfahrt vom Vereinsgelände sondern auch noch in Bastian Schweinsteiger die Identifikationsfigur der Münchener schlechthin. Und wer hätte sich noch vor kurzem Borussia Dortmund ohne einen wild an der Außenlinie gestikulierenden Jürgen Klopp vorstellen können?

Umdenken tut not

Wie viele dieser Nackenschläge kann der Fan ertragen? Wie lange werden die Stadien noch voll sein? Werden die Medien, die Politik, die Menschen an sich, die den Sport mittlerweile oft überhöhen, ihm teilweise auch Aufgaben aufbürden, die er nicht leisten kann, irgendwann das Interesse verlieren? Logisch wäre das.

Da hilft nur ein zügiges Umdenken. Der organisierte Sport muss den Lippenbekenntnissen Taten folgen lassen und an seiner Glaubwürdigkeit und Transparenz arbeiten.

Und weil dieser Wunsch wohl aber ein Wunsch bleiben wird, sollten wir an uns selbst arbeiten. Unsere Träume nicht auf Profis projizieren, sondern Vorsätze fassen, die wir selbst umsetzen können: Selbst Sport treiben, statt anderen dabei zuzusehen und aufrecht bleiben, auch wenn es uns unsere "Vorbilder" so nicht vorleben.

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