Kommentar: Serge Gnabry - der Hundertprozentige | Sport | DW | 19.08.2020
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Sport

Kommentar: Serge Gnabry - der Hundertprozentige

Serge Gnabry schießt den FC Bayern mit einem Doppelpack ins Finale der Champions League - und ist nicht nur der Spieler des Abends beim deutschen Rekordmeister, meint DW-Redakteur David Vorholt.

"Weniger als 100 Prozent wird nicht reichen", sagte Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick vor dem Halbfinale in der Champions League gegen Außenseiter Olympique Lyon. Zu unberechenbar ist ein Gegner, den zunächst keiner auf dem Schirm hatte und der zuletzt mit Juventus und Manchester City zwei Mitfavoriten auf den Titel ausschaltete. Und zu unsicher ist ein einziges K.o.-Spiel, bei dem Überraschungen schlicht wahrscheinlicher sind als beim Modus mit Hin- und Rückspiel.

Keine Überraschung war hingegen, dass Flick gegen Lyon die gleiche Mannschaft aufs Feld schickte, die die Aufgaben im Rückspiel gegen den FC Chelsea und beim 8:2-Spektakel gegen den FC Barcelona so souverän wie spektakulär gelöst hatte -mit dabei natürlich auch dieses Mal wieder: Serge Gnabry.

"Serge spielt bei mir immer"

DW Kommentarbild David Vorholt

DW-Redakteur David Vorholt sieht in Serge Gnabry den Gewinner der Saison

Das Zitat "der Serge spielt bei mir immer" stammt zwar nicht von Flick, sondern von seinem ehemaligen Chef, Joachim Löw. Doch könnte er es genauso gut gesagt haben, denn als Assistent von Löw hat Flick viel von und mit dem Bundestrainer gelernt und schätzt den flexiblen Offensivmann gleichermaßen wie Löw. Und als Trainer des FC Bayern setzt Flick das auch um: In neun von zehn Champions-League-Spielen in dieser Saison kam Gnabry zum Einsatz. Lediglich beim lockeren 6:0-Sieg gegen Roter Stern Belgrad ließ Flick Gnabry nicht auflaufen - wohl eher eine Schaffenspause.

Die von Flick geforderten 100 Prozent verkörperte gegen Lyon insbesondere Serge Gnabry mit seiner Chancenverwertung. Zwei Möglichkeiten, zwei Tore: Gnabry brachte den FC Bayern mit seinen Treffern in der 18. und 33. Minute quasi im Alleingang auf die Siegerstraße. Und doch: Es hätte auch anders laufen können, drei gute Chancen für Lyon prägten die Anfangsphase - schwer vorstellbar, dass die Offensive von Finalgegner PSG um Neymar und Kylian Mbappé solche Chancen im Finale liegen lassen würde. Doch dann kam Gnabry. Alle reden von Robert Lewandowskis - natürlich beeindruckender - Serie von nun 15 Toren in zehn Champions-League-Spielen. Doch dass Gnabry mit neun Treffern in neun Champions-League-Spielen als Flügelspieler dem Mittelstürmer quasi auf den Fersen ist, ist die vielleicht noch beeindruckendere Statistik.

Wer ist Tony Pulis?

Serge Gnabry Werder Bremen (picture-alliance/nordphoto/Ewert)

Jungspund in der Bundesliga: Gnabry 2016 bei Werder

Dabei verlief die Karriere des in Stuttgart geborenen Gnabry, der als Jugendspieler zum FC Arsenal nach England gegangen war, nicht stromlinienförmig. Dem Warten auf den Durchbruch und diversen Ausleihen in England folgte der Wechsel zu Werder Bremen in die Bundesliga. Dann nahm der FC Bayern ihn unter Vertrag und verlieh ihn direkt weiter an Ligakonkurrent Hoffenheim - kein Zeichen von überbordender Euphorie.

Doch das ist gefühlt eine Ewigkeit her. Genauso wie die Aussage von Englands Fußball-Legende Tony Pulis, der 2015 bei Gnabrys Ausleihe an West Bromwich Albion davon sprach, dass es "auch für West Brom nicht reichen" würde. 2020 hat Gnabry großen Anteil am Finaleinzug einer der stärksten Bayern-Mannschaften, die es je gegeben, hat und die Frage könnte eher lauten: Wer ist Tony Pulis?

Gnabry verkörpert Flicks Fußball-Idee

Dass sich das so grundlegend geändert hat, liegt auch daran, dass der Nationalspieler die Tugenden, mit denen Hansi Flick den Rekordmeister nun so dicht an das zweite Triple nach 2013 geführt hat, perfekt verkörpert. Gnabry steht exakt für das, was Flick als Philosophie vorgibt: Selbstbewusstsein, aber kein Leichtsinn, Konzentration, aber keine Verbissenheit, Weltklasse auf dem Platz und nicht verbal. Am Sonntag kann Gnabry mit dem Gewinn der Champions League und dem Triple auch persönlich einen weiteren Schritt nach vorne machen.

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