Kommentar: Jetzt muss Trump liefern | Kommentare | DW | 27.02.2019
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Trump und Kim in Hanoi

Kommentar: Jetzt muss Trump liefern

Schon vor seinem zweiten Gipfel mit Kim Jong Un rühmt sich US-Präsident Trump seiner Erfolge bei der Denuklearisierung Nordkoreas. Tatsächlich ist die Chance auf einen Durchbruch groß wie nie, meint Michael Knigge.

Seit Tagen schon ist das Weiße Haus eifrig darum bemüht, die öffentliche Meinung rund um das zweite Gipfeltreffen von Donald Trump mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un ganz im Sinne des US-Präsidenten zu beeinflussen. In einem schriftlichen Statement veröffentlichte die Trump-Administration vergangene Woche das übergreifende Ziel des Gipfels - in der für Trump so typischen, grandios aufgeplusterten Wortwahl: 

"Präsident Donald J. Trump hat sich dazu bekannt, eine leuchtende und sichere Zukunft für alle Menschen auf der koreanischen Halbinsel und in der ganzen Welt zu erreichen", prangt die Überschrift in dicken Lettern auf dem Kommuniqué. Ein wenig tiefer finden sich die konkreten Ziele des Treffens: eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen, ein dauerhafter und stabiler Frieden und die komplette Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel.

Auch für den Fall, dass das Treffen keinen wirklichen Fortschritt mit sich bringen sollte, sorgt das Weiße Haus in seinem Statement schon mal vor: "Präsident Trumps historische Verhandlungen mit dem Vorsitzenden Kim bringen schon jetzt Ergebnisse", heißt es dort. Dazu gehöre etwa, dass die beiden Staatschefs sich persönlich treffen, dass die Verbindungen zwischen beiden Staaten einen historischen Höhepunkt erreicht hätten, dass Pjöngjang seit über einem Jahr keine Atomtests mehr durchgeführt habe, und dass es keine in Nordkorea inhaftierten US-Amerikaner mehr gebe.

Hauptziel Denuklearisierung

Tatsächlich hat das Weiße Haus recht, wenn es diese Fortschritte auflistet, auch wenn es unklar ist, ob das vorläufige Ende nordkoreanischer Atomtests wirklich allein auf Donald Trumps angeblich so großartiges Verhandlungsgeschick zurückzuführen ist. Auch dass Trump ohne jeden Beleg behauptet, sein Vorgänger Barack Obama habe sich auf der Kippe zu einem "großen Krieg" mit Nordkorea befunden, und nur Trump selbst habe diesen durch sein unermüdliches Engagement verhindern können - geschenkt!

Michael Knigge Kommentarbild App

DW-Washingtonkorrespondent Michael Knigge

Konzentrieren wir uns lieber auf das, was Trump als sein oberstes Ziel für die direkten Verhandlungen mit Kim ausgegeben hat: die vollständige und überprüfbare Denuklearisierung Nordkoreas. Gerade in diesem Punkt hakt es nämlich noch gewaltig. Auch wenn das Weiße Haus in seiner Liste historischer Errungenschaften ebenfalls vermerkt, dass Kim sich auch in seiner Neujahrsansprache erneut zur Denuklearisierung bekannt hat: Wer wüsste besser als Donald Trump, dass etwas zu versprechen und etwas umzusetzen zwei komplett unterschiedliche Paar Schuhe sind?

Wenn dieses Treffen also mehr bringen soll als schöne Fotos, dann braucht es konkrete Ergebnisse. Angeblich beinhaltet der vorläufige Entwurf eines möglichen Deals ein Ende des formal immer noch bestehenden Kriegszustandes zwischen den USA und Nordkorea, die Einrichtung gegenseitiger Verbindungsbüros und die Abschaltung des Atomreaktors in Yongbyon sowie die Errichtung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte und die Rückführung der sterblichen Überreste von im Koreakrieg gefallenen US-Soldaten.

Tatsächlicher Fortschritt?

Sollten sich Trump und Kim auf einen Deal entlang dieser Linien einigen, wäre das tatsächlich ein Erfolg - unter der Voraussetzung, dass die Abschaltung des Reaktors in Yongbyon international überprüfbar und unumkehrbar wäre - anders als in früheren Zeiten, in denen die Führung in Pjöngjang immer wieder versprach, den Atommeiler abzuschalten, nur um ihn kurze Zeit später wieder hochzufahren.

Unabhängig vom Ausgang des Treffens bleibt der Weg zu einer vollständigen Denuklearisierung der Region steinig und lang. Ein Erfolg in Hanoi wäre aber ein wichtiger, konkreter Schritt und deutlich mehr als hehre Worte.

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