Kommentar: Gipfeltreffen - Putin gewinnt, Trump nicht | Kommentare | DW | 28.06.2018
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Kommentar

Kommentar: Gipfeltreffen - Putin gewinnt, Trump nicht

Nun ist es raus: Am 16. Juli wollen sich US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin in Helsinki treffen. Für Miodrag Soric ist schon jetzt klar, wer mehr davon hat.

Vietnam | APEC-Gipfel | Trump und Putin (REUTERS/Sputnik/Kremel/M. Klimentyev)

Putin und Trump auf dem APEC-Gipfel im November 2017

Was kann Donald Trump bei einem Gipfel mit Wladimir Putin erreichen? Wenig. Russland wird sich keineswegs von der Krim zurückziehen. Es wird die Rebellen im Osten der Ukraine weiter unterstützen; ebenso Präsident Assad und die iranischen Truppen in Syrien. An Wladimir Putins "Russia first" wird Trump kaum etwas ändern.

Soric Miodrag Kommentarbild App

Miodrag Soric ist DW-Korrespondent in Moskau

Der Kremlchef dagegen kann von einem russisch-amerikanischen Gipfel sehr viel erwarten. Wenn er und Trump die Köpfe zusammenstecken, um über atomare Abrüstung zu sprechen, dann transportieren die TV-Bilder weltweit die Botschaft: Hier verhandeln zwei Politiker auf Augenhöhe. Damit würde Putin punkten, ganz gleich, ob es zu einem Ergebnis kommt oder nicht.

Amerikanisch-russische Kompromisse - ausgetragen auf dem Rücken Dritter

Gleichzeitig spaltet Putin mit einem solchen Gipfeltreffen zum jetzigen Zeitpunkt das westliche Lager noch mehr: Großbritanniens Ziel, Russland nach der Skripal-Affäre zu isolieren, würde ausgerechnet der "großen Bruder" jenseits des Atlantiks zunichtemachen. Auch die Ukrainer werden sich von den USA düpiert, wenn nicht gar verraten fühlen. Wobei sich Kiew eingestehen sollte: Washington hat die Ukraine immer nur mit starken Worten unterstützt - selten mit frischem Geld. Putin könnte im Ukraine-Konflikt zwar zu Zugeständnissen bereit sein, doch nur wenn die Amerikaner im Gegenzug ihren Widerstand gegen die Gaspipeline Nordstream 2 aufgeben.

In jedem Fall werden die USA ihre Sanktionen gegen Russland auch nach dem Gipfel fortsetzen. Der Kongress in Washington kann sie aus Verfahrensgründen nicht von heute auf morgen zurückfahren. Derzeit gibt es unter den Abgeordneten auch nicht den politischen Willen dazu.

Weshalb also will Trump diesen Gipfel? Zum einen: Er möchte seine Wahlkampfversprechen einhalten. Und dazu gehört, die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Zum anderen scheint er spektakuläre Polit-Inszenierungen für sein Ego zu brauchen. Diese Selbstliebe nutzen Autokraten für ihre Zwecke. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un hat sich in der Sache kaum bewegt. Trump verkaufte das Treffen mit ihm dennoch als historischen Erfolg. Putin hat dies registriert und wird ebenso verfahren.

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