Kommentar: Die Jugend brennt für Politik - zum Glück! | Kommentare | DW | 23.05.2019
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Rezo-Video

Kommentar: Die Jugend brennt für Politik - zum Glück!

Deutschland diskutiert über die politische Video-Tirade eines 26-Jährigen. Die Form und der Ton stoßen viele ab. Für die Demokratie ist Rezo aber eine Bereicherung, meint Fabian von der Mark.

Schon der Titel des Videos ist eine Zumutung: "Die Zerstörung der CDU" heiß das 55-minütige Verbalgewitter, in dem der Youtube-Star Rezo über die Politik der vergangenen Jahre herzieht. Deutschlands Konservativen wirft er Lüge, Inkompetenz und Unmenschlichkeit vor. Das Ganze gipfelt in der indiskutablen Aussage: "Es gibt nur eine legitime Einstellung". Nämlich seine. Super.

Dieser Lümmel!

Entsprechend groß ist die Aufregung: Was fällt diesem Lümmel ein, so etwas Einseitiges, Unsachliches, Polemisches unter den jungen Leuten zu verbreiten? Und was fällt diesen fünf Millionen Jungspunden ein, sich das auch noch anzuschauen? Es stimmt ja: Rezo kommt nicht ausgewogen, sondern leidenschaftlich daher. Aber war das bei 26-Jährigen jemals anders?

Rezo ist eigentlich Entertainer, macht sonst Musik und Quatsch. Er hatte weder den Anspruch, eine wissenschaftliche Vorlesung zu halten, noch neutralen Journalismus zu machen. Er hat in jugendlicher Radikalität seine Meinung rausgebrüllt und seine Popularität genutzt, um auf eine wichtige Wahl aufmerksam zu machen. Er will mitreden!

von der Mark Fabian Kommentarbild App

Hauptstadtkorrespondent Fabian von der Mark

Und er hat sich darauf vorbereitet. Er hat sich intensiv mit Sozialpolitik, mit Klimapolitik, auch mit Außenpolitik beschäftigt. Er prangert soziale Ungleichheit, Tatenlosigkeit in der Umweltpolitik und die Brutalität von "Kollateralschäden" an. Er mahnt "humanistische Werte" an und in Kinderzimmern und Studentenbuden wird das millionenfach "geliked" - ist das ein Problem?

Die Gräben dürfen nicht tiefer werden

Das Problem ist ein anderes: Die deutsche Gesellschaft muss aufpassen, dass die Gräben nicht tiefer werden - zwischen digital und analog, jung und alt, sozialen und klassischen Medien. Dass die Wut der Youtuber jetzt die Konservativen trifft, ist kein Zufall. In der Diskussion um das EU-Urheberrecht haben sie die jungen Kritiker nicht ernstgenommen. Von Rezo & Co. bekommen sie dafür nun die Rechnung.

Es wäre falsch, sich deshalb beleidigt zurückzuziehen. Das hat die CDU gerade noch richtig erkannt und Rezo ein Gespräch angeboten. Unsere vermeintlich Ego-zentrierte Jugend interessiert sich für die Welt, bildet sich eine Meinung und kämpft dafür. Genau so soll Demokratie sein! Der Ton muss nicht von Anfang an stimmen - wäre ja auch komisch, wenn die Kinder genauso klingen würden wie ihre Eltern.