Kommentar: Bancroft ist der Sündenbock | Kommentare | DW | 29.03.2018
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Cricket

Kommentar: Bancroft ist der Sündenbock

Es besteht kein Zweifel: Auch er hat betrogen. Aber an Schlagmann Cameron Bancroft wurde im Skandal um die australische Cricket-Nationalmannschaft ein Exempel statuiert, meint DW-Sportredakteur Matt Pearson.

Cameron Bancroft (Getty Images/A. Vlotman)

Cameron Bancroft

"Ich habe gelogen. Ich habe über das Klebeband gelogen. Ich war in dieser Situation in Panik, und es tut mir sehr leid. Ich fühle mich, als hätte ich alle Leute in Australien enttäuscht." Das waren die Worte des suspendierten australischen Schlagmanns Cameron Bancroft am Donnerstag, als die Geschichte um die manipulierten Spielbälle immer mehr Geschwindigkeit angenommen hatte. Der 25-Jährige hatte kaum eine andere Wahl, als seine Schuld zuzugeben. Aber es war nicht er, der sein Land runtergezogen hatte. Es waren vielmehr diejenigen, die ihn in diese Lage gebracht haben: namentlich Steve Smith, David Warner und Darren Lehmann.

Kommentarbild Matt Pearson

Matt Pearson

Smith und Warner, Kapitän und Vize-Kapitän, haben zwölfmonatige Sperren vom internationalen Cricket-Verband für ihre Beteiligung an der Ball-Manipulation im dritten Test gegen Südafrika erhalten, während Bancroft mit seiner neun Monate langen Sperre für das sogar noch einigermaßen glimpflich davon gekommen ist. Es ist ein schwer zu unterdrückendes Gefühl, dass diese Diskrepanz ein stillschweigendes Eingeständnis ist, dass Bancroft in eine völlig aussichtslose Situation gebracht wurde - obwohl er der Mann war, der den Ball tatsächlich manipuliert hat.

Das Spiel in Kapstadt war erst sein achter Test (Smith und Warner haben 64 beziehungsweise 72 Tests gespielt). Und es scheint, als ob er von der so genannten "Führung" (welche nun aus zwei Personen besteht, ohne Trainer Lehmann) gefragt wurde, ob er nicht die Drecksarbeit erledigen könne. 

Mit einem Durchschnitt von 30,92 Punkten war sein Platz im Team ohnehin unsicher. Damit war es schwierig, vielleicht sogar unmöglich für Bancroft, nein zu sagen. Und gegen die Anweisungen seiner Chefs zu handeln, hätte viel Mut erfordert. Zu viel Mut für einen so jungen Mann. Am Donnerstag in Perth wurde Bancroft so richtig bewusst, dass dieser Fehler, sich nicht den Anweisungen seiner Vorgesetzten zu widersetzen, für seine sportliche Zukunft fatale Folgen haben könnte.

Kulturelle Schwächen führten bis an diesen Punkt

"Die Sache, die mir das Herz bricht, ist die, dass ich meinen Platz im Team für nichts geopfert habe", sagte er. "Die Leute wissen, dass ich so hart gearbeitet habe, um an diesen Karriere-Punkt zu kommen. Und diese Chance jetzt weggeworfen zu haben, ist verheerend."

Es gibt keinen Zweifel daran, dass auch die Karrieren und Einnahmen von Smith und Warner unter dieser Affäre leiden werden. Doch es besteht kaum ein Zweifel, dass die beiden besten Schlagmänner wieder zurückkehren werden - und sei es nur in der kürzesten Cricket-Version, dem "Twenty 20", das zwar international keine sportliche Relevanz hat, bei dem die Spieler aber sehr viel mehr Geld verdienen können als beim regulären Cricket.

Cricket-Spieler Steve Smith (l.) und David Warner (picture alliance/empics/N. Potts)

Cricket-Spieler Steve Smith (l.) und David Warner

Sündenbock Bancroft

Bancroft ist ein Sündenbock, Unter Lehmann, Smith und Warner haben sich im australischen Cricket-Nationalteam moralisch fragwürdige Sitten eingeschlichen. Immerhin hat der australische Verband harte Strafen ausgesprochen. Smith, Warner und Bancroft werden dem Nationalteam für mindestens acht Spiele nicht zur Verfügung stehen und können erst kurz vor der WM 2019 zurückkommen.

Auch wenn dieser Vorfall unerfreulich ist, ist er beileibe nicht der erste, bei dem Top-Cricket-Spieler versucht haben, Bälle zu manipulieren. So wurde 2013 der Südafrikaner Faf du Plessis dabei erwischt, wie er einen Ball mit seinem Reißverschluss anrauen wollte. Der erste Spieler, der international gesperrt wurde, weil er einen Ball manipuliert hatte, war der Pakistani Waqar Younis im Jahr 2000.

Dass die Strafen für dasselbe Delikt so uneinheitlich ausfielen, mag daran liegen, dass nicht der Internationale Cricket-Verband ICC darüber entschied, sondern die einzelnen nationalen Verbände. Bei allem berechtigten Tadel hat vor allem Bancroft auch ein wenig Mitgefühl verdient.               

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