Kolumbien: Ex-Militärs wegen Hinrichtungen verurteilt
19. September 2025
In Kolumbien sind erstmals zwölf frühere Militärs wegen der systematischen Ermordung von Zivilisten im Bürgerkrieg schuldig gesprochen worden. Diese Taten seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gewesen, heißt es im Urteil des Sondertribunals für den Frieden (JEP).
Das Urteil betrifft die Praxis der sogenannten "Falsos Positivos", die während des Konflikts zwischen staatlichen Sicherheitskräften und linken Guerillagruppen grassierte. Zwischen 2002 und 2008 hatten Soldaten mindestens 6402 Zivilisten getötet und sie als gefallene Guerillakämpfer ausgegeben, um Quoten zu erfüllen und dafür Prämien zu erhalten.
Die "Falsos Positivos" gehören zu den schmerzlichsten Kapiteln der kolumbianischen Kriegsvergangenheit. Viele Opfer waren junge Männer, die mit falschen Jobangeboten in entlegene Regionen gelockt wurden. Angehörige kämpften jahrelang für juristische Konsequenzen.
Gemeinnützige Arbeit statt Gefängnis
Die Verurteilten waren einst Mitglieder der Einheit "Batallón La Popa", die in besonders umkämpften Regionen zum Einsatz kam. Die Richter stellten fest, dass die Soldaten zwischen 2002 und 2005 an der Karibikküste im Norden des Departements Cesar und im Süden von La Guajira 135 Menschen gezielt töteten. Zudem erkannte das Gericht weitere 192 Opfer an, die durch andere Straftaten der Angeklagten ums Leben kamen.
Das Sondertribunal verhängte restaurative Sanktionen - darunter gemeinnützige Arbeiten in betroffenen Gemeinden über einen Zeitraum von fünf bis acht Jahren. Dies ist die höchste im Friedensabkommen von 2016 vorgesehene Strafe.
Die Angeklagten hatten ihre Schuld eingeräumt und wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Grundlage der Ermittlungen waren mehr als 60 Zeugenaussagen, mehrere unabhängige Berichte sowie Besuche in den betroffenen Regionen.
52 Jahre Bürgerkrieg
Das Urteil gilt als weiterer Meilenstein der juristischen Aufarbeitung des kolumbianischen Bürgerkriegs. Erst am Dienstag hatte dasselbe Tribunal die ehemalige Führungsriege der Guerillaorganisation FARC wegen Morden und Entführungen an über 21.000 Menschen zu Wiedergutmachungsmaßnahmen verurteilt.
Das Sondergericht für den Frieden wurde im Zuge des Friedensvertrags zwischen Regierung und FARC-Guerilla 2016 geschaffen. Sein Ziel ist weniger Bestrafung als Wahrheitsfindung, Wiedergutmachung und Versöhnung.
52 Jahre lang dauerte der bewaffnete Konflikt in Kolumbien zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und dem Militär. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben.
Nach dem Friedensabkommen legte die Mehrheit der FARC-Kämpfer ihre Waffen nieder. Doch einige Splittergruppen blieben im Untergrund und sind heute vor allem in kriminelle Geschäfte verwickelt.
pgr/wa (dpa, epd)
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