Kohlekraft verhindert Klimaschutz | Wissen & Umwelt | DW | 07.01.2014
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Wissen & Umwelt

Kohlekraft verhindert Klimaschutz

Fast die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen stammt aus der Kohleverbrennung. Das könnte die Erreichung des 2-Grad-Klimaziels verhindern. Experten fordern daher eine Abkehr von Kohlekraft.

Kohlekraft boomt. Innerhalb der letzten zehn Jahre stieg der Verbrauch um über 50 Prozent - auf über fünf Milliarden Tonnen Kohle im Jahr 2012, so eine aktuelle Statistik des internationalen Energieunternehmens BP.

Die dadurch freigesetzten Emissionen kletterten auf über 14,4 Milliarden Tonnen CO2 und sind damit für fast die Hälfte der gesamten weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich. 2012 stiegen die Emissionen auf ein Rekordhoch von 31,6 Milliarden Tonnen CO2.

Für Gerald Neubauer, Experte für Kohleenergie und Klimaschutz bei Greenpeace, ist diese Tendenz "absolut dramatisch und eine Fehlentwicklung". Ein Ende der globalen Kohleverstromung sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Weltweit sind über tausend neue Kraftwerke in Planung", betont Neubauer im DW-Interview.

Treibende Kräfte des globalen Kohleverbrauchs sind vor allem China und Indien. In diesen Ländern verdoppelte sich der Verbrauch innerhalb der letzten zehn Jahre. Rückgängig ist dagegen der Kohleverbrauch in den USA: Dort wechselten bei der Energiegewinnung viele von Kohle zu Gas. Außerdem machen strenge US-Emissionsgesetze für Kohlekraftwerke die Erzeugung zunehmend teurer.

Infografik Kohle und Klimaemissionen

Kohlekraft verursacht global die Hälfte aller CO2-Emissionen. Pro Kopf sind die Polen führend.

Kohleboom durch Preisverfall in Europa

Trotz Boom der erneuerbaren Energien: auch die besonders klimaschädliche Verstromung von Stein- und Braunkohle nimmt in einigen Ländern der EU wieder zu. Der damit verbundene Kohlendioxid-Ausstoß gibt Anlass zur Sorge, sagt IEA-Chefökonom Fatih Birol. Nach Angaben der IEA stiegen in Deutschland die damit verbundenen CO2-Emissionen im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent, in Großbritannien sogar um 4,5 Prozent.

Gründe für den Kohleboom sind niedrige Preise für Kohle auf dem Weltmarkt und der Preisverfall für Verschmutzungsrechte, den CO2-Zertifikaten in Europa. Von 30 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2008 fielen die Preise für die Zertifikate inzwischen auf unter 5 Euro. Für Energiekonzerne ist so die Kohleverstromung mit den alten Kraftwerken rentabel geworden - umweltfreundliche Gaskraftwerke, die im Vergleich nur ein Drittel CO2 pro Kilowattstunde Strom freisetzen, stehen immer häufiger still.

Mit einer Reform des CO2-Handels will die EU nun die Preise für Verschmutzungsrechte wieder anheben und somit eine klimafreundliche Verstromung forcieren.

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Schneller Umstieg auf erneuerbare Energien gilt als kostengünstigste Strategie.

Experten sind sich einig, dass der massive CO2-Ausstoß aus der Kohleverbrennung das Klimaziel verhindert, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Greenpeace-Experte Neubauer fordert deshalb einen weltweiten Baustopp von Kohlekraftwerken und "stattdessen volle Kraft für die erneuerbaren Energien und mehr Gaskraftwerke als Brückentechnologie".

Rückenwind bekommt der Trend zu erneuerbaren Energien durch stark gefallene Preise für Solar- und Windkraftwerke. "Strom aus erneuerbarer Technik kostet jetzt ähnlich viel wie aus konventioneller Energie“, sagt Peter Frank vom Beratungsunternehmen Prognos im DW-Interview. Er verglich in einer aktuellen Studie die Erzeugungskosten für Strom aus neuen Kraftwerken in Deutschland und Südeuropa.

In der Vergangenheit sahen Politiker und Energiekonzerne das Verfahren der CO2-Abscheidung an Kohlekraftwerken, die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) als eine Option, um die klimaschädliche Wirkung der Kohleverstromung einzudämmen.

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Doch die Technik hat keine Akzeptanz in Europa, wäre frühestens ab 2025 an großen Kraftwerken einsetzbar und ist teuer, sagt CCS-Experte Professor Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut im DW-Interview: "Solche Anlagen erhöhen die Stromkosten um 60 bis 80 Prozent.“

Nach Einschätzung von Experten wären neue Kohlekraftwerke mit einer CO2-Abscheidetechnik gegenüber erneuerbaren Energien nicht konkurrenzfähig. Wind- und Solarkraftwerke können sauberen Strom wesentlich günstiger produzieren. Um die Klimaschutzziele kostengünstig zu erreichen "setzen alle Szenarien auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die Umsetzung der Energiesparpotenziale", so Fischedick. "Das sind auch für mich die beiden Schlüsselstrategien für den Erfolg für eine sichere und klimaverträgliche Energieversorgung der Zukunft."

Angesichts der hohen CO2-Emissionen fordert Greenpeace ein möglichst schnelles Ende der Kohleenergie weltweit. Die Politik muss "die klimaschädliche Kohleverstromung teurer machen und den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen“, fordert Neubauer. Um das Klimaproblem anzugehen, sei alles andere nicht denkbar.

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