Köln kann keine Geisterspiele | Sport | DW | 01.06.2020
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Bundesliga

Köln kann keine Geisterspiele

Auch im fünften Bundesliga-Spiel vor leeren Rängen gelingt dem 1. FC Köln kein Sieg. Fällt die fehlende Stimmung beim FC besonders ins Gewicht? Für die Kölner liegt das auf der Hand. Eine augenzwinkernde Betrachtung.

Zunächst erfolgt die Anreise mit der Straßenbahn, dann der Zwischenstopp am Kiosk (in Köln nennt man den "Büdchen"), um ein paar Kölsch (das lokale Bier) zu tanken. Danach geht man ins Stadion, es folgt der tiefe Seufzer beim ersten Blick auf den grünen Rasen. Inbrünstig stellt der Stadionsprecher die Spieler vor, die ohrwurmverdächtige Hymne wird gespielt (die auch Nicht-FC-Fans tagelang nicht mehr aus ihren Köpfen bekommen). Die Mannschaft betritt durch das Spalier der Cheerleaderinnen den Rasen und dann ist da natürlich die Unterstützung, die Gesänge während des Spiels - im Kölner Stadion wird das Drumherum immer besonders zelebriert. Nirgendwo ist die Stimmung so gut und so original wie hier - das behaupten zumindest die Kölner, und sie lassen sich auch durch nichts und niemanden vom Gegenteil überzeugen. Nicht umsonst lautet der Slogan des Vereins: "Spürbar anders".

Doch während der Kölner Fan sein großes (Nicht-Kölner würden sagen: etwas übersteigertes) Selbstbewusstsein em Hätz (Kölsch für "im Herzen") trägt, ist das Selbstbewusstsein der FC-Profis mittlerweile stark geschrumpft. Das erste "Geisterspiel" vor der Corona-Zwangspause in Mönchengladbach eingerechnet, war die 2:4-Heimniederlage gegen RB Leipzig zum Abschluss des 29. Spieltags die fünfte sieglose Partie in Folge. Los ging diese Pechsträhne mit dem Ausschluss des Publikums: 1:2 in Gladbach, jeweils 2:2 gegen Mainz und Düsseldorf, 1:3 in Hoffenheim, jetzt die Pleite gegen die Leipziger.

Köln besonders benachteiligt

Zuvor waren die Kölner, die sich seit der Amtsübernahme von Trainer Markus Gisdol im November 2019 nach und nach in der Tabelle nach oben gearbeitet hatten, schon fast wieder in Schlagdistanz der Europapokal-Ränge (Das kölsche Synonym für Europapokal lautet übrigens: "Da, wo der Effzeh hinjehört").

Fußball Bundesliga 1. FC Köln v RB Leipzig - Jonas Hector (picture-alliance/dpa/AFP/I. Fassbender)

In der Geisterspiel-Ergebniskrise: FC-Kapitän Jonas Hector sieht es mit Schrecken

Dass mit dem Ausschluss der Fans der Heimvorteil futsch ist, ist inzwischen statistisch belegt, auch wenn die Gesamtheit der betrachteten Spiele nach vier "Geister-Spieltagen" noch ein wenig zu klein ist, um wirklich repräsentativ zu sein. Aber dennoch: Ist es möglich, dass die fehlende Stimmung gerade den FC besonders trifft? Mehr noch als die anderen 17 Vereine? Jeder FC-Fan würde das natürlich sofort unterschreiben. Klar! Schließlich ist ja auch jeder FC-Fan fest davon überzeugt, dass Stimmung und Unterstützung nirgendwo so toll sind wie in Köln.

Bezogen auf die Partie gegen Leipzig ist die vorangegangene Analyse sogar ein bisschen zutreffend. Wer weiß was passiert wäre, wäre das Stadion nach der frühen Kölner Führung voll gewesen und nicht leer!? Aber so kam eine weitere Erkenntnis aus den Geisterspielen zum Tragen, nämlich dass da, wo Geschrei und Emotionen von den Rängen keinen Einfluss auf das Spiel nehmen können, vor allem die spielerische Qualität, taktische Finesse und individuelle Schnelligkeit über das Endresultat entscheiden. Und in diesen Kategorien - FC-Fans müssen an dieser Stelle stark sein - lagen die Leipziger jeweils vorne. 

Hennes lächelt im Schlaf

Aus Kölner Sicht ist diese sachliche Betrachtung natürlich Quatsch (ein schönes kölsches Wort). Für sie steht vielmehr fest: Wäre die Südtribüne voll gewesen, hätten sich die Leipziger in der ersten Halbzeit gar nicht getraut, aufs Kölner Tor zu schießen.

1. Bundesliga | 2. Spieltag | 1. FC Köln - Borussia Dortmund (Reuters/W. Rattay)

Hat gefehlt: Geißbock Hennes IX.

Hätte Geißbock Hennes IX. wie immer am Spielfeldrand gestanden, hätte Jhon Cordoba nicht nur ein Tor geschossen, sondern eher zwei oder drei. Hätten die FC-Cheerleaderinnen hinter dem Tor mit ihren Glitzer-Puscheln gewunken, hätte Timo Werner kein einziges Laufduell gegen die Kölner Verteidiger gewonnen. Und würde der Nachname von Schiedsrichter Christian Dingert nicht mit "D" anfangen, wie Düsseldorf, dann hätte er sich in der 73. Spielminute über den Videobeweis hinweggesetzt und wäre bei seiner Elfmeter-Entscheidung zugunsten von Köln geblieben. Aber wie man in Köln so sagt: "Hätte, hätte, Fahrradkette."

So jedenfalls verbrachte Geißbock Hennes den Abend in seinem Gehege im Kölner Zoo, wo er das Spiel über einen Flachbildschirm mitverfolgen konnte. Gerüchten zufolge soll er sich aber nach dem Leipziger Treffer zum 4:2 im Stroh zusammengerollt haben und eingeschlafen sein.

Aber immerhin: Er hat im Schlaf gelächelt - es gibt also noch Hoffnung für den FC…

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